Mehr Gehalt für Frauen: Diese 10 Verhandlungstipps bringen Erfolg

Ausgehend vom Equal Pay Day am 15. Februar arbeiteten Frauen – im Gegensatz zu Männern – 46 Tage gratis. Damit sich an diesem Umstand etwas ändert, hier die zehn besten Gehaltsverhandlungstipps für Frauen.
Autor: Isabel Folie, 07.03.2022 um 13:29 Uhr

Als Gender Pay Gap bezeichnet man den Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern. Aufgrund dieser Lohnschere wird jedes Jahr der Equal Pay Day berechnet, also jener Tag, bis zu welchem Frauen im Vergleich zu Männern im Grunde gratis gearbeitet haben. Damit einhergehend fällt natürlich auch die Pension sowie das Arbeitslosengeld für Frauen geringer aus.

Gründe für Gehaltsunterschiede

Auch wenn der Equal Pay Day mediale Aufmerksamkeit erzeugt, verschwinden die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen nur langsam. Gründe dafür gibt es einige: Viele Frauen arbeiten in Teilzeit – was oftmals auch einem zu geringem Angebot an Kinderbetreuungsplätzen geschuldet ist, gehen öfters in Karenz als Männer oder arbeiten in Branchen, in denen tendenziell ein geringeres Gehalt ausgezahlt wird.

Doch nicht nur diese strukturellen Unterschiede tragen zum Gender Pay Gap bei. Oftmals werden Frauen in Gehaltsverhandlungen schlicht und ergreifend aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert und erhalten weniger Lohn als ihre männlichen Arbeitskollegen. Zehn Tipps, wie Sie als Frau bei Lohnverhandlungen besser abschneiden.

1. Mutiger werden

Es ist bewiesen, dass Männer bei Gehaltsverhandlungen aggressiver vorgehen, ein höheres Gehalt als Frauen einfordern und öfters etwas riskieren als Frauen. Diese verzichten im Vergleich dazu zu häufig von vornherein auf Gehaltsverhandlungen – und wenn sie welche führen, dann setzen sie ihren Marktwert meist zu niedrig an. Deswegen gilt: nur Mut! Ein jeder Mitarbeiter hat das Recht auf eine Gehaltsverhandlung. Und auch wenn am Ende nichts dabei herauskommt, so haben Sie es wenigstens probiert.

2. Den eigenen Marktwert – und den der Männer – kennen

Wo wir direkt bei Tipp Nummer zwei wären: Den eigenen Marktwert kennen. Nur wer weiß, wie viel seine Arbeitsleistung wert ist und wie viel die Kollegen verdienen, kann gut gerüstet in eine Gehaltsverhandlung gehen. Schauen Sie beim Gehaltsvergleich nicht auf den Lohn, den Frauen in Ihrer Position verdienen, sondern orientieren Sie sich bewusst an den Männern. Nur so kann die Lohnschere vermindert werden.

3. Den richtigen Zeitpunkt treffen

Wer sagt eigentlich, dass man nur einmal im Jahr, wenn der Chef einen zu sich ruft, über das Gehalt verhandeln darf? Seien Sie ruhig proaktiv und bitten Sie Ihren Vorgesetzten um ein Gespräch. Nutzen Sie beispielsweise den erfolgreichen Abschluss eines Projektes, um mehr Gehalt einzufordern. Dies erhöht Ihre Erfolgschancen ungemein.

Junge Frau während einer Präsentation | Credit: iStock.com/ViktorCap

4. Die richtige Erhöhung einfordern

Frauen fordern in der Regel zu wenig Gehalt ein. Doch was gilt als adäquate Steigerung, um die Sie in einer Gehaltsverhandlung bitten können? Als Richtmaß können Sie sich in allen Branchen an fünf bis zehn Prozent Steigerung orientieren. Bei besonders herausragenden Leistungen können Sie in Ausnahmefällen auch eine Steigerung um 15 Prozent anstreben.

5. Ziele genau definieren

Gehen Sie niemals unvorbereitet in eine Lohnverhandlung. Am besten notieren Sie sich, welche Erfolge Sie für das Unternehmen im letzten Jahr erzielt und welche innovativen Ideen Sie eingebracht haben. Zusätzlich sollten Sie ganz klar ein maximales Gehaltsziel definieren und auch festlegen, mit welcher Mindesterhöhung Sie noch zufrieden aus dem Verhandlungsgespräch aussteigen können. Ebenso sollten Sie sich im Klaren darüber sein, ob Sie auch mit Mehrwerten wie Gutscheinen, einem Firmenauto, einem Firmenhandy oder anderen Vergünstigungen zufrieden aus der Gehaltsverhandlung aussteigen würden.

6. Verhandeln will geübt sein

Sie müssen kein Verhandlungsmeister sein – aber Sie müssen üben, üben, üben. Auch das ist Teil der Vorbereitung für eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung. Recherchieren Sie allfällige Fragen, die in einer Gehaltsverhandlung auftauchen können und versuchen Sie zu Hause, diese zu entkräften. Treten Sie nicht als Bittstellerin auf und seien Sie gewiss: Weiblich konnotierte Tugenden wie Bescheidenheit und Zurückhaltung haben in einer Lohnverhandlung nichts verloren. Und auch wenn die erste Antwort ein „Nein“ ist, geben Sie nicht sofort auf und bleiben Sie beharrlich. Wichtig ist jedoch, immer sachlich zu bleiben. Nur mit ruhig vorgetragenen Argumenten kommen Sie ans Ziel.

7. Selbstbewusste Körpersprache

Vergessen Sie nicht auf die nonverbale Kommunikation. Sitzen Sie aufrecht, gestikulieren Sie ruhig und gelassen und lassen Sie sich von einem dominant auftretenden Gegenüber nicht einschüchtern. Halten Sie einem eventuell unangenehmen Blickkontakt ruhig stand. Vermeiden sollten Sie hingegen verschränkte Arme oder Hände. Und verknoten Sie ihre Beine ja nicht, denn all dies würde Unsicherheit ausdrücken.

Frau verlässt das Büro, in dem zwei Kollegen miteinander sprechen | Credit: iStock.com/zoff-photo

8. Die richtige Stimmlage

Mit Ihrer Stimme können Sie als Frau ruhig ein wenig tricksen. Denn laut Studien werden tiefe Stimmen mit Souveränität und Erfolg verbunden. Deswegen kann es für Frauen durchaus hilfreich sein, ihre Stimme bei Gehaltsverhandlungen bewusst eine kleine Nuance tiefer zu stellen. Damit dies aber immer noch natürlich klingt, sollten Sie zu Hause unbedingt üben.

9. Die Stille aushalten

Die Nerven sind gespannt wie Drahtseile – da kann langes Schweigen mehr als unangenehm wirken. Doch machen Sie nicht den Fehler, nun einzuknicken und aufzugeben. Halten Sie der Stille – und dem Blick – stand. Nehmen Sie das Schweigen nicht persönlich, sondern sehen Sie es als Test und Strategie Ihres Gegenübers an. Schon fällt es Ihnen viel leichter, die Stille zu ertragen.

10. Nicht persönlich nehmen

Trotz all der guten Tipps war die Verhandlung nicht von Erfolg gekrönt? Macht nichts, nehmen Sie es nicht persönlich und denken Sie sich: „Immerhin habe ich es versucht.“ Doch verpassen Sie nicht die Chance, mit Feedback aus der Verhandlung auszusteigen. Fragen Sie aktiv nach, wieso Ihrer Anfrage nicht stattgegeben wurde, denn wer weiß, vielleicht können Sie sich mit dieser Strategie auf gemeinsame Ziele einigen, die schlussendlich dann doch mit einer Gehaltserhöhung einhergehen.

Zur Person

Die aus Südtirol stammende Schriftstellerin Isabel Folie ist Mitglied des intermedialen Kunstkollektiv Grauer Greif. Im Herbst 2021 ist ihr erster lyrischer Kurzprosa-Band "In meiner Mitte Kohle, in meinen Armen der Wind" erschienen. Als "Passion Author" für www.weekend.at schreibt sie regelmäßig über Frauen in der heutigen Gesellschaft.