Von Kaffee bis Stress: Was unserer Stimme schadet

Viele Stunden des Tages ist unsere Stimme aktiv. Solange sie uns zu Diensten steht, ist man nicht genötigt, sich über sie den Kopf zu zerbrechen. Alle, denen sie schon einmal für längere Zeit versagt hat, wissen sie zu schätzen und achten umso mehr darauf, sie wieder zu kräftigen. Welche Umwelteinflüsse und Gewohnheiten ihr zusetzen.

Raumluft

Da der Atem eines der wesentlichen Elemente der Stimmerzeugung ist, ist eine „gute Luft“ für unsere Stimme elementar. Heizungsluft, Klimaanlagen, giftige Dämpfe, kalte Luft, Staub und Feinstaub können unsere Stimme beeinträchtigen, da sie die Stimmlippen austrocknen und reizen.

Rauchen

Auch das Rauchen kann die Stimme schwächen. Zwar mag es sein, dass der eine oder andere Sänger gerade durch seine „rauchige Stimme“ erst Timbre erhält, dennoch empfiehlt es sich, auf Tabakkonsum zu verzichten, wenn einem seine Stimme lieb ist. Durch die giftigen Inhaltsstoffe kann es überdies zu Ödemen auf den Stimmlippen kommen. Die Zellen können sich dadurch so verändern, dass Kehlkopfkrebs entstehen kann.

Alkohol und Koffein

Eine ausgewogene Ernährung ist auch für unsere Stimme entscheidend. Damit die Stimmlippen die nötige Feuchtigkeit behalten, um wiederum ihre volle Kraft entfalten zu können, sollten Kaffee, grüner sowie schwarzer Tee, Energydrinks und kohlensäurehaltige Getränke nur dosiert genossen werden. Auch Alkohol trocknet die Schleimhäute aus. Wasser, Kräuter- sowie Früchtetees sind dagegen für die Stimmlippen ideal.

Schwere Kost

Mit vollem Bauch singt und spricht es sich generell schwerer, da unser Zwerchfell weniger Platz hat und unsere Stimmlippen dann schlechter durchblutet werden. Vor Terminen oder Auftritten, bei denen man häufig am Wort ist, daher besser nicht zu viel essen. Das gilt übrigens nicht für Schokolade und Milchprodukte! Laut Experten können sie den Speichel zwar zäher machen, wirken aber nicht direkt auf unsere Stimmlippen. Sänger spülen in diesem Fall vor ihrem Auftritt am besten einfach Mund und Rachenraum aus. Anders sieht es mit Zitrusfrüchten aus, die man unmittelbar vor Auftritten meiden sollte, um die Stimmlippen nicht unnötig zu reizen.

Frau flüstert einer anderen etwas ins Ohr | Credit: iStock.com/dolgachov

Stress

Prinzipiell sollte man versuchen, Stress zu vermeiden, denn auch die Gemütsverfassung schlägt sich unmittelbar auf die Stimme nieder. So klingt die Stimme bei großer Freude und Aufregung eher höher, bei Niedergeschlagenheit dagegen tiefer - eine Folge erschlaffter Muskeln.

Flüstern

Viele Menschen neigen dazu, ihre Stimme bei Heiserkeit durch Flüstern zu schonen. Gerade das jedoch ist sehr beeinträchtigend für unsere Stimme, da dabei die Stimmlippen nicht ganz schließen und so die verantwortlichen Muskeln besonders beansprucht werden, was auf Dauer zum kompletten Stimmausfall führen kann. Bei Erkältungen sollte man besser einfach weniger und wenn nötig - leise - sprechen. Durch Inhalationen mit Salzwasser oder Eukalyptus, Salbei oder Thymian wird die Heilung zusätzlich unterstützt. Auch Pastillen, die durch ihre Wirkstoffe Mund und Rachenraum befeuchten, können Abhhilfe schaffen.

Räuspern

Räuspern ist nicht ratsam, weil die Stimmlippen dadurch „aufeinanderknallen“ und unsere Schleimhäute darauf mit einer vermehrten Schleimproduktion reagieren. Das kann dazu führen, dass das Gefühl, räuspern zu müssen, verstärkt wird, und man somit in einen Teufelskreis gerät. Besser wäre es, leicht zu husten oder einen tiefen Ton zu summen, während man vorsichtig auf den oberen Brustkorb klopft.

Grölen und Schreien

Nicht dienlich ist es, Druck auf seine Stimme auszuüben. Man wird dadurch nicht lauter, die Stimme jedoch wird stark belastet, wodurch es zu dauerhaften Schäden kommen kann. Gerade, wenn man mit Mund-Nasen-Schutz und vielleicht noch durch eine Plexiglaswand sprechen muss, ist es anstrengend, gehört zu werden. Für unsere Stimme ist es in diesem Fall angenehmer, langsamer und vor allem deutlich zu sprechen. Dann wird man auch verständlicher, das Gegenüber kann besser folgen und gleichzeitig werden die Stimmbänder geschont. Demzufolge ist Schreien generell schlecht für unsere Stimme. Nach Gröl- und Schrei-Einheiten bei Konzerten oder im Stadion sollten wir den Stimmbändern auf jeden Fall eine ordentliche Pause gönnen. Sonst können nämlich die bei Sängern berüchtigten „Stimmknötchen“ entstehen, welche zwar gutartig sind, aber dennoch zu unangenehmen Beschwerden führen können. Nach Belastung also die Stimme unbedingt entlasten!

Entspannungsübung für die Stimmbänder

Umso wichtiger ist es umgekehrt, nach längeren Sprechpausen die Stimme nicht sofort wieder voll zu belasten. Ein kleines Warm-up, beispielsweise durch leises, entspanntes Summen von "Hmmmm" oder "Mmmmhh", hilft den Stimmbändern wieder auf die Sprünge.

Frau ermahnt zum Schweigen | Credit: iStock.com/Deagreez

Ursachen für chronische Heiserkeit

Kommt es zu Problemen mit der Stimme, zum Beispiel zu chronischer Heiserkeit, die nicht von einer Erkältung rühren, kann dies auf tieferliegende Erkrankungen hinweisen. Kehlkopfentzündungen etwa, die meist durch Viren hervorgerufen werden, und zu einer Anschwellung der Stimmlippen führen, verursachen Heiserkeit. Ebenso kann eine Refluxerkrankung, bei der Magensäure bis in den Rachenraum gelangen kann, wiederum eine Rachen- bzw. Kehlkopfentzündung auslösen. Auch neurologische Krankheiten können sich auf unseren Stimmapparat negativ auswirken. So können Erkrankungen wie Parkinson, Multiple Sklerose, aber auch Schlaganfälle oder Operationen zu Lähmungen im Halsbereich führen und die Funktion unseres Stimmapparats beeinträchtigen.

Stimmpausen

Generell gilt: Gerade in Berufen, in welchen die Stimme sehr stark beansprucht wird - Lehrer, Moderatoren oder Logopäden etwa sind davon betroffen, - ist es wichtig, immer wieder genügend Pausen einzulegen, damit die Funktion der Stimme lange erhalten bleibt. Auch wenn wir gerne sprechen, jeden Tag immerhin fast 16.000 Wörter (sowohl Männer als auch Frauen übrigens), ist es ratsam, der Stimme Ruhephasen zu gönnen und ihr bewusst Gutes zu tun.

Zur Autorin

Mit Hingabe studiert Valentina Ammerer Philosophie in Salzburg. Und nicht nur das! Als Ausgleich hat die Studentin das Singen entdeckt - und damit die wunderbare Welt der Musik und ihrer heilsamen Wirkung. In ihren Beiträgen für www.weekend.at gibt sie ihre Tipps und Empfehlungen an unsere Leserinnen und Leser weiter.

Autor: Valentina Ammerer, 09.09.2021