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Mehrere Wespen an Kuchen, Obst und Limonade auf einem Gartentisch im Sommer
Warum Wespen heuer so aggressiv wirken: Im August locken vor allem Kuchen, Obst und süße Getränke die Tiere an den Esstisch.
Warum Wespen heuer so aggressiv wirken: Im August locken vor allem Kuchen, Obst und süße Getränke die Tiere an den Esstisch.
KI-generiert / dall.e / Stefanie Hermann

Warum sind Wespen heuer so aggressiv? Dahinter steckt mehr als die Hitze

14.08.2026 um 12:20, Stefanie Hermann
min read
Warum sind Wespen heuer so aggressiv? Was der milde Winter, Hitze und Trockenheit damit zu tun haben und warum sie im August verstärkt Zucker suchen.

Ein Stück Kuchen auf der Terrasse, ein Glas Limonade daneben und schon beginnt das große Summen. Wespen sind im August 2026 gefühlt überall und besonders aggressiv. Ganz eingebildet ist dieser Eindruck nicht. Allerdings gibt es keine Belege dafür, dass einzelne Wespen heuer tatsächlich angriffslustiger sind. Vielmehr kommen mehrere außergewöhnliche Faktoren zusammen, die für mehr Tiere, mehr Aktivität und vor allem mehr Begegnungen mit Menschen sorgen.

Warum sind Wespen heuer so aggressiv?

  • Früher Saisonstart: Der milde Winter hat die Entwicklung der Wespenvölker begünstigt.
  • Viele Wespen: Im Hochsommer erreichen die Völker ihre stärkste Phase.
  • Hitze und Trockenheit: Die außergewöhnlichen Wetterbedingungen beeinflussen Aktivität und Nahrungsangebot.
  • Hunger auf Zucker: Im Spätsommer versiegt zunehmend die Zuckerquelle durch die Larven. Die Arbeiterinnen suchen deshalb verstärkt außerhalb des Nestes nach Nahrung.
  • Nicht automatisch aggressiver: Es gibt keine Belege dafür, dass einzelne Wespen 2026 grundsätzlich angriffslustiger sind.

Sind Wespen heuer wirklich aggressiver?

Die kurze Antwort lautet: wahrscheinlich nicht. Eine Messung, die 2026 eine erhöhte individuelle Aggressivität von Wespen nachweist, gibt es nicht. Sehr wohl sind heuer aber ungewöhnlich viele Wespen unterwegs. Das liegt unter anderem daran, dass die Saison heuer besonders früh begonnen hat.

Wie außergewöhnlich die Situation ist, zeigen Zahlen aus Oberösterreich. Das Rote Kreuz musste im Juli zu gleich 55 Einsätzen wegen Insektenstichen ausrücken. Zum Vergleich: Im Juli 2025 waren es lediglich fünf. Auch Schädlingsbekämpfer in Tirol haben bereits im Juni von großen Wespenvorkommen berichtet, rund einen Monat früher als gewöhnlich.

Milder Winter lässt Wespen früher starten

Einer der Gründe liegt Monate zurück. Der Innsbrucker Biologe Thorsten Schwerte führt die frühe Entwicklung unter anderem auf den milden Winter zurück. Überwinternde Königinnen können unter günstigen Bedingungen früher mit der Gründung ihrer Völker beginnen, erklärt er gegenüber dem ORF.

Das macht sich jetzt bemerkbar. Im Hochsommer erreichen Wespenvölker ihre stärkste Phase. Besonders die Gemeine Wespe und Deutsche Wespe fallen uns dabei auf. Es sind genau jene Arten, die sich besonders häufig für Kuchen, Obst, Getränke, Fleisch und Abfälle interessieren und deshalb regelmäßig als ungebetener Gast an unseren Esstischen versuchen Platz zu nehmen.

Trockenster Frühling seit 169 Jahren

Zum Frühstart der Wespenpopulation gesellt sich ein außergewöhnliches Wetterjahr. Österreich hat 2026 den trockensten meteorologischen Frühling seit Beginn der 169-jährigen Messreihe erlebt. Im Vergleich zum Mittel der Jahre 1991 bis 2020 gab es um 50 Prozent weniger Niederschlag. Von Jänner bis Juni wurde österreichweit ein Niederschlagsdefizit von 27 Prozent verzeichnet.

Zur extremen Trockenheit gesellt sich nach wie vor außergewöhnliche Hitze. Bereits im Mai sind an 46 Stationen der GeoSphere Austria neue Hitzetag-Rekorde registriert worden. Anfang August sind weitere 63 Stationsrekorde bei den Maximaltemperaturen dazugekommen. Von 3. bis 6. August sind an gleich elf Stationen mindestens 40 Grad erreicht worden sind.

Hitze macht Wespen nicht automatisch aggressiv

Dass hohe Temperaturen Wespen aggressiv machen, greift allerdings zu kurz. Untersuchungen zeigen vielmehr, dass Wärme ihre Aktivität und Effizienz bei der Nahrungssuche beeinflusst.

Eine Feldstudie der Forscher Helmut Kovac, Anton Stabentheiner und Robert Brodschneider zeigt, dass die energetische Effizienz beim Sammeln unter bestimmten Bedingungen in der Sonne bei hohen Temperaturen um bis zu 63 Prozent höher sein kann als im Schatten.

Für uns bedeutet das vor allem eines: Die Wespen sind bei passenden Bedingungen ausgesprochen aktiv. Mehr Flugbewegungen bedeuten wiederum mehr Begegnungen mit Menschen – und damit entsteht schnell der Eindruck, die Tiere seien heuer besonders aggressiv.

Wespen brauchen Zucker – vor allem im August

Und jetzt der wohl wichtigste Faktor: Wespen sind aktuell besonders gestresst und der Grund dafür steckt im eigenen Nest.

Im Sommer versorgen die Arbeiterinnen die Larven mit eiweißreicher Nahrung. Während erwachsene Deutsche Wespen vor allem zuckerreiche Flüssigkeiten als Energiequelle brauchen, dienen erbeutete Insekten und Fleisch dagegen hauptsächlich dazu, die Brut mit Eiweiß zu versorgen. Im Gegenzug für die Versorgung erhalten sie von den Larven ein zuckerreiches Sekret, das ihnen als wichtige Energiequelle dient.

Im Spätsommer verändert sich das Wespenvolk. Immer mehr Larven verpuppen sich, die Brutpflege nimmt ab und damit versiegt die gewohnte Zuckerquelle für die Arbeiterinnen. Erwachsene Wespen müssen sich nun verstärkt außerhalb des Nestes mit Energie versorgen.

Obst, Pflanzensäfte und andere zuckerreiche Quellen stehen jetzt besonders hoch im Kurs. Die außergewöhnliche Trockenheit verstärkt die natürliche Nahrungsknappheit aber weiter. Einige Pflanzen reduzieren bei großer Hitze ihre Nektarproduktion. Werden natürliche Nahrungsquellen knapper, gewinnen alternative Zuckerquellen an Bedeutung.

Warum Wespen Kuchen und Co lieben

Ein gedeckter Gartentisch wird damit zum leicht zugänglichen Buffet. Limonade, Eis, Kuchen und reifes Obst sind für eine hungrige Wespe äußerst attraktive Energiequellen. Die Wespen kommen immer wieder an den Tisch, lassen sich schwer vertreiben und wirken dadurch aggressiv.

Wespen können außerdem lernen, wo sich ergiebige Nahrungsquellen befinden, und diese wiederholt aufsuchen. Wer also das Gefühl hat, dass die Wespen auf der Terrasse einfach nicht mehr verschwinden wollen, könnte mit seiner Beobachtung durchaus richtigliegen.

Dabei sind keineswegs alle Wespenarten so hartnäckige Gäste. Vor allem die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe interessieren sich für menschliche Lebensmittel und kommen deshalb besonders häufig mit uns in Kontakt.

Darum schwirren Wespen um den Kopf

Dass Wespen dabei ausgerechnet um Gesicht und Kopf kreisen, wirkt schnell wie ein Angriff. Häufig suchen die Tiere jedoch nach Gerüchen und möglichen Nahrungsquellen. Erst wenn sie sich bedroht oder bedrängt fühlen, kann aus der Annäherung eine Abwehrreaktion werden.

Dieser Fehler kann Wespen tatsächlich aggressiv machen

Problematisch wird es, wenn aus der lästigen Begegnung eine Bedrohungssituation für die Wespe wird. Anpusten, hektisches Fuchteln oder Schlagen sind zusätzliche Stressfaktoren.

Beim Anpusten gelangt besonders viel Kohlendioxid zum Tier. Das kann eine Alarmreaktion auslösen. Auch schnelle Bewegungen können als Bedrohung wahrgenommen werden – das Ergebnis ist im schlimmsten Fall ein Stich.

Nach einem Stich können freigesetzte Duftstoffe weitere Wespen alarmieren. Die wichtigste Regel lautet deshalb: ruhig bleiben, Abstand halten und die Tiere nicht bedrängen.

Wespen am Tisch: Das sollten Sie tun und vermeiden

Das sollten Sie tun

  • Ruhig bleiben: Langsame Bewegungen verhindern, dass sich die Wespe unnötig bedroht fühlt.
  • Speisen abdecken: Kuchen, Obst und andere Lebensmittel möglichst geschlossen halten.
  • Getränke kontrollieren: Vor allem bei Dosen und undurchsichtigen Flaschen vor jedem Schluck prüfen, ob eine Wespe hineingekrochen ist.
  • Abstand halten: Der Wespe die Möglichkeit geben, von selbst wieder wegzufliegen.

Das sollten Sie vermeiden

  • Wespen nicht anpusten: CO₂-reiche Atemluft kann eine Alarmreaktion auslösen.
  • Nicht hektisch fuchteln: Schnelle Bewegungen können von Wespen als Bedrohung wahrgenommen werden.
  • Nicht nach Wespen schlagen: Bedrängte Tiere können mit einer Abwehrreaktion reagieren und stechen.
  • Wespen nicht bedrängen: Besonders in der Nähe eines Nestes sollte ausreichend Abstand gehalten werden.

Wespen sind lästig, aber enorm nützlich

So nervig der Besuch beim Frühstück oder Grillabend sein kann, Wespen erfüllen eine wichtige Aufgabe im Ökosystem. Sie erbeuten unter anderem Fliegen, Mücken, Blattläuse und Raupen, die anschließend an die Brut verfüttert werden. Außerdem beseitigen sie Aas, bestäuben Blüten und dienen selbst zahlreichen anderen Tieren als Nahrung.

Das vermeintlich aggressive Auftreten von Wespen im August ist damit vor allem das Ergebnis eines Sommers, der auch den gestreiften Insekten zu schaffen macht: frühe Entwicklung, große Völker, außergewöhnliche Hitze und Trockenheit sowie die intensive Suche nach Zucker treffen gleichzeitig aufeinander.

Die Wespen haben also nicht plötzlich schlechte Laune. Wir begegnen ihnen heuer schlicht besonders häufig und genau in jener Phase ihres Jahres, in der unser Kuchen für sie am interessantesten ist.

FAQ: Wespen im August 2026

Warum sind Wespen gerade im August so lästig?

Im Sommer versorgen Arbeiterinnen die Larven mit eiweißreicher Nahrung und erhalten von ihnen im Gegenzug ein zuckerreiches Sekret als Energiequelle. Im Spätsommer verpuppen sich immer mehr Larven und diese Zuckerquelle im Wespennest nimmt ab. Die erwachsenen Wespen suchen deshalb verstärkt außerhalb des Nestes nach zuckerreicher Nahrung.

Warum fliegen Wespen immer wieder zu mir zurück?

Wespen können lernen, wo sich ergiebige Nahrungsquellen befinden, und diese wiederholt aufsuchen. Ein Gartentisch mit Kuchen, Obst oder süßen Getränken kann deshalb für Wespen besonders interessant bleiben.

Was macht eine Wespe tatsächlich aggressiv?

Wespen können mit einer Abwehrreaktion reagieren, wenn sie sich bedroht oder bedrängt fühlen. Anpusten, hektisches Fuchteln oder Schlagen sollte man deshalb vermeiden. Nach einem Stich können zudem freigesetzte Alarmstoffe weitere Wespen alarmieren.

Warum lieben Wespen Limonade und Kuchen?

Erwachsene Wespen benötigen vor allem zuckerreiche Nahrung als Energiequelle. Deshalb sind Limonade, Kuchen, reifes Obst und Pflanzensäfte besonders attraktiv. Eiweißreiche Nahrung wie erbeutete Insekten dient dagegen hauptsächlich der Versorgung der Larven.

Gibt es 2026 wirklich mehr Wespen als sonst?

Es gibt deutliche Hinweise auf eine außergewöhnliche Wespensaison. In Oberösterreich musste das Rote Kreuz im Juli zu 55 Einsätzen wegen Insektenstichen ausrücken, im Juli 2025 waren es nur fünf. Auch aus Tirol wurden bereits im Juni große Wespenvorkommen gemeldet. Ein milder Winter und der frühe Start der Saison haben die Entwicklung der Völker begünstigt.

Quellen

GeoSphere Austria: Niederschlagsärmster Frühling der Messgeschichte
Daten zur außergewöhnlichen Trockenheit im Frühling 2026 und zum Niederschlagsdefizit in Österreich.

Studie: What do foraging wasps optimize in a variable environment?
Studie von Helmut Kovac, Anton Stabentheiner und Robert Brodschneider zur Thermoregulation und energetischen Effizienz nahrungssuchender Wespen.

Studie: Foraging strategy of wasps – optimisation of intake rate or energetic efficiency?
Forschungsarbeit von Helmut Kovac, Anton Stabentheiner und Robert Brodschneider zur Nahrungssuche und energetischen Effizienz von Wespen.

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