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Nipah Virus Indien: Schutzkleidung tragende Gesundheitskräfte transportieren einen Patienten während eines Nipah-Virus-Ausbruchs in einem indischen Krankenhaus.
Nipah-Virus-Ausbruch in Indien versetzt Gesundheitsbehörden in Alarmbereitschaft. Alttext:
Nipah-Virus-Ausbruch in Indien versetzt Gesundheitsbehörden in Alarmbereitschaft. Alttext:
APA-Images / AFP

Nipah-Virus in Indien: Ausbruch versetzt Asien in Alarmbereitschaft

27.01.2026 um 14:24, Stefanie Hermann
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Nipah Virus in Indien: Mehrere Infektionen sind bestätigt, es gibt erste Tote. Länder in Asien verhängen verstärkte Einreisekontrollen.

Ein Ausbruch des gefährlichen Nipah-Virus versetzt Indien und große Teile Asiens in Alarmbereitschaft. Im ostindischen Bundesstaat Westbengalen sind bislang mindestens fünf Infektionen bestätigt. Die Fälle stehen im Zusammenhang mit einem privaten Krankenhaus in Barasat, nördlich von Kalkutta. Unter den Infizierten befinden sich mehrere Mitarbeiter des Gesundheitswesens. Mindestens ein Patient ist bereits gestorben. Das Nipah-Virus hat eine Sterblichkeitsrate von 40 bis 75 Prozent. Es gibt weder eine Impfung noch gezielte Behandlung.

Nipah-Virus ist hochgefährlich

Ursprünglich von Fruchtfledermäusen stammend, wird das Virus über deren Speichel oder Urin übertragen. Menschen infizieren sich etwa durch kontaminierte Lebensmittel wie Obst oder rohes Kokoswasser. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich, vor allem bei engem Kontakt.

Nach einer Inkubationszeit von vier bis 14 Tagen beginnt die Erkrankung häufig mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen. In einigen Fällen bleibt die Krankheit auch asymptomatisch. Innerhalb kurzer Zeit kann es jedoch zu schweren Hirnentzündungen, Bewusstseinsstörungen und Koma kommen. Wer die Krankheit überlebt, läuft Gefahr, ein Leben lang unter neurologischen Schäden oder Epilepsie zu leiden.

Da es weder Impfstoff noch Medikamente gibt, bleibt nur die Behandlung der Symptome. Genau diese Kombination macht das Nipah-Virus zu einer der gefährlichsten bekannten Virusinfektionen.

Ausbreitung des Nipah-Virus in Indien

Besonders dramatisch ist die Lage aktuell im Narayana Multispeciality Hospital in Barasat. Als sie einen Patienten mit schweren Atemwegsproblemen betreuen, infizieren sich Ende Dezember mehrere Krankenschwestern. Der Mann stirbt, noch bevor ein Nipah-Test durchgeführt werden kann. Wenige Tage später entwickeln auch die Pflegerinnen hohes Fieber und Atemnot, sie werden auf die Intensivstation eingeliefert.

Die Behörden reagieren mit Massentests und strengen Quarantänemaßnahmen. Rund 180 Kontaktpersonen werden untersucht, mindestens 20 gelten als Hochrisikokontakte und werden isoliert. Gesundheitsexperten warnen, dass sich das Virus vor allem in Kliniken schnell von Mensch zu Mensch ausbreiten kann.

Sorge vor Epidemie wächst

Einige Infizierte haben zunächst keine oder nur milde Symptome gezeigt. „Wenn Fälle nicht früh erkannt werden, sind vor allem Gesundheitskräfte einem extrem hohen Risiko ausgesetzt“, warnt der indische Gesundheitsbeamte Ali Althaf. Verzögerte Diagnosen könnten dazu führen, dass sich das Virus weiter in Krankenhäusern verbreitet.

Im schlimmsten Fall droht eine größere Epidemie. Zwar sind bislang keine Fälle außerhalb Indiens bestätigt, doch auch international wächst die Nervosität.

WHO stuft Nipah als Hochrisiko-Virus ein

Kein Wunder: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft das Nipah-Virus als sogenannte „Priority Disease“ ein. Damit zählt es zu jenen Krankheitserregern, die wegen ihrer hohen Sterblichkeit, der möglichen Mensch-zu-Mensch-Übertragung und des Fehlens von Impfstoffen oder wirksamen Medikamenten ein besonders hohes Epidemiepotenzial besitzen. In dieser Kategorie führt die WHO nur wenige Erreger, darunter auch Ebola, Zika und das Coronavirus.

Länder reagieren mit Vorsichtsmaßnahmen

Mittlerweile hat die Sorge vor der weiteren regionalen Ausbreitung zu ersten internationalen Gegenmaßnahmen geführt. Thailand hat an den Flughäfen in Bangkok und Phuket Gesundheitskontrollen für Passagiere aus Westbengalen eingeführt. Reisende müssen Gesundheitsdeklarationen ausfüllen, zusätzlich werden Temperaturmessungen vorgenommen.

Man sei „ziemlich zuversichtlich“, einen Ausbruch im Land verhindern zu können, so eine Sprecherin der thailändischen Gesundheitsbehörde. Neben Thailand setzt auch Nepal auf Screenings am Flughafen in Kathmandu sowie an mehreren Grenzübergängen zu Indien.

Taiwan kündigt unterdessen an, das Nipah-Virus als sogenannte Kategorie-5-Krankheit einzustufen. Die höchste Warnstufe gilt für seltene, besonders gefährliche Infektionen und verpflichtet zu sofortiger Meldung und strengen Kontrollmaßnahmen.

Nicht der erste Nipah-Ausbruch

Das Nipah-Virus ist kein neues Phänomen. Der erste bekannte Ausbruch ist 1998 in Malaysia aufgetreten. Damals sind mehr als 100 Menschen verstorben. Auch in den Jahren danach ist es immer wieder zu tödlichen Ausbrüchen gekommen, vor allem in Bangladesch, wo seit 2001 mehr als 100 Menschen an Nipah gestorben sind.

Auch Indien war mehrfach betroffen. Im Bundesstaat Kerala sind 2018 insgesamt 19 Menschen erkrankt, 17 von ihnen haben die Infektion nicht überlebt. 2023 wurden sechs weitere Fälle bestätigt, zwei endeten tödlich.

Quellen und weiterführende Informationen

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