ORF-Affäre: Jetzt spricht erstmals Roland Weißmann
- Roland Weißmann spricht erstmals zu Vorwürfen
- Weißmann: Mediale Vorverurteilung hat Schaden angerichtet
- Weißmann übt schwere Kritik am Vorgehen des ORF
- Weißmann schildert erstmals Beziehung zu ORF-Mitarbeiterin
- Rücktritt nach Druck aus dem Stiftungsrat
- Ingrid Thurnher übernimmt vorerst die Führung
- Unruhe im ORF hält an
Der frühere ORF-Generaldirektor Roland Weißmann äußert sich erstmals ausführlich zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Nachdem der 57-Jährige am Sonntag seinen Rücktritt erklärt hat, weist er die Anschuldigungen über seinen Anwalt erneut entschieden zurück.
Roland Weißmann sei mit Vorwürfen unangemessenen Verhaltens konfrontiert worden, die schließlich zu seinem Rücktritt an der Spitze des ORF geführt haben. Über seinen Rechtsvertreter zeichnet er nun jedoch ein deutlich anderes Bild der Ereignisse. Demnach seien zentrale Vorwürfe bislang weder geprüft noch vollständig offengelegt worden.
Roland Weißmann spricht erstmals zu Vorwürfen
Laut seinem Anwalt habe sich Roland Weißmann zunächst bewusst nicht öffentlich geäußert. Der Grund sei der Schutz der Privatsphäre gewesen. Erst nachdem das Stiftungsratspräsidium dem ORF-Stiftungsrat am Donnerstag eine Stellungnahme der beteiligten Mitarbeiterin vorgelesen hat, sieht sich Weißmann nun zu einer Reaktion gezwungen.
Weißmann: Mediale Vorverurteilung hat Schaden angerichtet
Der ORF habe zuvor öffentlich von schwerwiegenden Vorwürfen gesprochen. Nach der Sitzung des Stiftungsrats sei jedoch klar geworden, dass kein strafrechtlich relevanter Vorwurf im Raum steht.
Der Imageschaden sei allerdings bereits entstanden. Weißmanns Anwalt spricht von einer „laufenden medialen Vorverurteilung“, durch die die Persönlichkeitsrechte seines Mandanten massiv verletzt worden seien.
Weißmann übt schwere Kritik am Vorgehen des ORF
Besonders deutlich fällt die Kritik an der Vorgehensweise des ORF aus. Der ehemalige ORF-Generaldirektor Roland Weißmann habe bis heute keinen vollständigen Überblick über das vorgelegte Material.
Demnach seien Ton-, Bild- und Videomaterial zwar im Stiftungsrat gezeigt worden, Weißmann selbst habe diese Unterlagen jedoch weder einsehen noch entgegennehmen können. Zudem sei das Material laut seiner Darstellung bislang nicht auf Authentizität überprüft worden.
Aus Sicht des früheren ORF-Chefs sei sein Fall öffentlich als Beispiel für Machtmissbrauch dargestellt worden, ohne dass seine Seite jemals angehört worden sei.
Weißmann schildert erstmals Beziehung zu ORF-Mitarbeiterin
In seiner Stellungnahme äußert sich Roland Weißmann nun auch erstmals ausführlicher zu seiner privaten Beziehung mit der betroffenen ORF-Mitarbeiterin.
Demnach habe die Beziehung bereits Ende 2019 begonnen, also zu einem Zeitpunkt, als Weißmann noch nicht Generaldirektor gewesen sei und auch keine Vorgesetztenfunktion gegenüber der Mitarbeiterin gehabt habe.
Die Beziehung beschreibt er als eine Art „emotionale Affäre“. Laut seiner Darstellung kam es zu gemeinsamen Essen, Laufausflügen, Besuchen zu Hause sowie zu intensivem Austausch über Telefon und Chat. Dabei seien auch intime Nachrichten ausgetauscht worden – laut Weißmann einvernehmlich und von beiden Seiten initiiert.
Die Beziehung habe sich im Laufe des Jahres 2021 deutlich abgekühlt. Später habe es nur noch sporadischen Kontakt gegeben. Berufliches sei kein Thema gewesen.
Rücktritt nach Druck aus dem Stiftungsrat
Der Rücktritt von Roland Weißmann am Sonntag, dem 8. März, sei unter erheblichem Druck aus dem Stiftungsratspräsidium des ORF erfolgt.
Bereits wenige Tage zuvor sei der Stiftungsrat von einem Anwalt kontaktiert worden, der eine ORF-Mitarbeiterin vertritt. Dieser habe Ton-, Bild- und Videomaterial vorgelegt und im Namen seiner Mandantin mehrere Forderungen gestellt – darunter den Rücktritt Weißmanns und einen Verzicht auf eine weitere Kandidatur.
Dem ehemaligen ORF-Chef sei in Gesprächen mitgeteilt worden, dass bereits die Verdachtslage ausreiche, um Konsequenzen zu ziehen. Schließlich habe er sich zum Rücktritt entschlossen, um weiteren Schaden vom Unternehmen abzuwenden.
Ingrid Thurnher übernimmt vorerst die Führung
Nach Weißmanns Rücktritt hat Ingrid Thurnher interimistisch die Leitung des ORF übernommen. Die neue Generaldirektorin hat bereits angekündigt, die Vorgänge rund um die Vorwürfe und den Rücktritt umfassend aufklären zu lassen.
Ihr selbst lägen bislang keine vollständigen Kenntnisse des Sachverhalts vor, erklärte Thurnher in der ZIB 2. Eine genaue Prüfung müsse erst erfolgen.
Unruhe im ORF hält an
Die Affäre um Roland Weißmann kommt für den ORF zu einem ohnehin heiklen Zeitpunkt. Hinter den Kulissen des Senders kursieren seit Wochen Gerüchte über weitere Konflikte innerhalb des Unternehmens.
Dabei geht es unter anderem um interne Machtfragen, Personalentscheidungen und mögliche Spannungen rund um Führungskräfte im Haus. Namen wie Pius Strobl werden in diesem Zusammenhang immer wieder genannt.
Für die neue Generaldirektorin Ingrid Thurnher dürfte die Aufarbeitung der Weißmann-Affäre daher nur der erste Schritt sein. Viele Beobachter gehen davon aus, dass sich in den kommenden Wochen zeigen wird, wie tief die aktuellen Konflikte im ORF tatsächlich reichen.
Quellen
- OTS: Rechtsvertreter von Mag. Roland Weißmann äußert sich zu Vorwürfen und weist laufende Vorverurteilung zurück
- OTS: Causa Weißmann – Anlassbezogene Richtigstellung zu Aussagen von Stiftungsratsvorsitzendem Lederer
- OTS: ORF-Generaldirektor Roland Weißmann tritt mit sofortiger Wirkung zurück
- OTS: ORF-Stiftungsrat betraut Ingrid Thurnher mit der Geschäftsführung des ORF