Spar übernimmt 23 Unimarkt Filialen – mit Einschränkungen
- Intensive Prüfung durch die BWB
- Kaufleute-Modell soll Wettbewerb sichern
- Strenge Auflagen für sieben Filialen
- Drei Salzburger Filialen müssen schließen
- Spar plant schnelle Umstellung
- Nächster Akt: Rewe wartet auf Entscheidung
Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) gibt grünes Licht: Der Lebensmittelriese Spar darf 23 ehemalige Unimarkt-Filialen übernehmen. Damit kommt ein monatelanges Prüfverfahren zu einem Ende, das für viele Gemeinden zur Schicksalsfrage geworden ist.
Intensive Prüfung durch die BWB
Die BWB hat jeden einzelnen Standort genau analysiert – von der Lage über das Einzugsgebiet bis hin zu den vorhandenen Alternativen. Entscheidend war, wie viele andere Lebensmittelgeschäfte im Umkreis von zehn bis zwanzig Autominuten erreichbar sind. Tankstellenshops oder Kioske wurden dabei nicht berücksichtigt, da sie nicht als vollwertige Lebensmitteleinzelhändler gelten. Ziel der Auflagen ist es, die Vielfalt im Lebensmitteleinzelhandel zu erhalten und gleichzeitig die Nahversorgung auf dem Land zu sichern.
Kaufleute-Modell soll Wettbewerb sichern
Kern der Auflagen ist das sogenannte Kaufleute-Modell. Spar verpflichtet sich, 17 Filialen nicht selbst zu betreiben, sondern von unabhängigen Spar-Kaufleuten führen zu lassen. Diese Unternehmer entscheiden weitgehend eigenständig über Preise, Sortiment und Lieferanten. So sollen regionale Produzenten weiterhin eine Absatzmöglichkeit haben.
„Die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel ist sehr hoch. Gleichzeitig geht es um die Nahversorgung in den Gemeinden und das Fortbestehen regionaler Lieferanten“, erklärt BWB-Generaldirektorin Natalie Harsdorf. „Die langen Auflagen sichern den Wettbewerb und die Position unabhängiger Kaufleute.“
Strenge Auflagen für sieben Filialen
Sieben Standorte unterliegen neben der Kaufleute-Auflage auch einem 20-jährigen Übernahmeverbot im Umkreis von fünf Autominuten. Spar darf in einem Radius von fünf Autominuten rund um diese Filialen keine weiteren Lebensmittelläden eröffnen oder übernehmen. Zudem müssen die Kaufleute ihre Geschäfte mindestens zwei Jahrzehnte lang weiterführen. Damit soll verhindert werden, dass lokale Monopole entstehen oder kleinere Händler verdrängt werden.
Zu den betroffenen Standorten gehören Adnet, Kuchl, Gallneukirchen, Graz-Waltendorf, Hellmonsödt, Sebersdorf und Steyr-Christkindl.
Drei Salzburger Filialen müssen schließen
Im Bundesland Salzburg gibt es gemischte Nachrichten. Zwei Filialen – Adnet und Kuchl – bleiben bestehen. Beide gelten künftig als Kaufleute-Standorte und stehen unter besonders strengen Bedingungen.
Für die Unimarkt-Filialen in Lamprechtshausen, Seekirchen und Wals-Siezenheim hat sich hingegen kein Käufer gefunden. Sie schließen in den kommenden Wochen endgültig. In Lamprechtshausen gehen bereits Ende Jänner die Lichter aus.
Spar plant schnelle Umstellung
Spar zieht die Integration der neuen Standorte zügig durch. Das Closing – also der formale Abschluss des Kaufs – erfolgt in den nächsten Tagen. Danach beginnen die Umbauten und die Anpassung an das Spar-Konzept. Bis spätestens Ende März sollen alle 23 Märkte unter der Marke Spar laufen. Kundinnen und Kunden finden dort das gewohnte Sortiment inklusive regionaler Produkte. Über den Kaufpreis haben beide Unternehmen Stillschweigen vereinbart.
Nächster Akt: Rewe wartet auf Entscheidung
Während Spar bereits grünes Licht hat, steht der nächste Branchendeal unmittelbar bevor. Die Rewe-Gruppe – mit Marken wie Billa und Penny – will 21 weitere Unimarkt-Filialen übernehmen. Die Entscheidung der Wettbewerbsbehörde dazu wird in Kürze erwartet. Damit könnte der Rückzug von Unimarkt endgültig abgeschlossen sein und der österreichische Lebensmittelmarkt in eine neue Phase der Konzentration eintreten.
Quellen und weiterführende Informationen
- SPAR Österreich – Pressemitteilung (29.01.2026): Offizielle Bestätigung der Übernahme von 23 Unimarkt-Filialen durch SPAR, inklusive Zeitplan und Stellungnahmen der SPAR-Vorstände.
- Bundeswettbewerbsbehörde – Bericht (29.01.2026): Detaillierte Beurteilung der Übernahme, Liste der Standorte mit Auflagen und Analyse der Wettbewerbssituation im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel.