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Nahaufnahme vom Kopf einer Hornisse.
Asiatische Hornisse: Wer ein Exemplar sichtet, sollte die Entfernung möglicher Nester Fachleuten überlassen.
Asiatische Hornisse: Wer ein Exemplar sichtet, sollte die Entfernung möglicher Nester Fachleuten überlassen.
MAURITIUS IMAGES / THOMAS LENNE / ALAMY / ALAMY STOCK PHOTOS

Fremdlinge in Österreich: Invasion der Plagegeister

22.06.2026 um 14:25, Simone Reitmeier
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Von der Asiatischen Hornisse über die Tigermücke bis zur Afrikanischen Riesenzecke: Immer mehr invasive Arten breiten sich in Österreich aus.

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Sie kommen als blinde Passagiere in Frachtcontainern, reisen mit Touristen um die halbe Welt oder gelangen mit Zugvögeln nach Österreich: Invasive Arten erobern oft unbemerkt unseren Lebensraum. Dank Klimawandel fühlen sich gebietsfremde Tiere, Insekten, Pflanzen und Pilze mittlerweile auch hierzulande pudelwohl. Manche sind zwar nicht größer als ein Fingernagel, können aber mitunter riesige Problem verursachen. Sie verdrängen heimische Arten, übertragen Krankheiten und verursachen hohe Kosten.

Asiatische Hornisse: Bienen-Killer

Zu den bekanntesten Neuankömmlingen zählt die Asiatische Hornisse. Die bis zu 2,5 Zentimeter große Art wurde 2024 erstmals in Salzburg nachgewiesen. Für Menschen ist sie nicht gefährlicher als eine gewöhnliche Hornisse, für Imker aber ein Albtraum: Sie jagt gezielt Bienen, bedroht Bestäuber und damit auch die Ernte. Ein einzelnes Exemplar kann täglich Dutzende Bienen erbeuten, ein Volk pro Jahr mehrere Kilogramm Insekten vertilgen. In Frankreich und Spanien, wo die Art bereits weit verbreitet ist, berichten Imker von massiv geschwächten Bienenvölkern. „Allein in Spanien verursachte die Asiatische Hornisse im Jahr 2019 Schäden von geschätzt 4,5 Millionen Euro in Imkerei sowie Obst- und Weinbau“, erläutert Ökologe Bernd Lenzner (Universität Wien). In Österreich handelt es sich derzeit nur um Einzelfunde, sollte sich die Asiatische Hornisse jedoch etablieren, könnte sie auch hier zu einem Problem für Imkerei und Landwirtschaft werden.

Fremd ≠ invasiv

Das gilt aber nicht für jede fremde Art. Gebietsfremd heißt erst mal nur: nicht von hier, aber nicht zwingend ein Problem. Invasiv wird der „Zuwanderer“ erst dann, wenn er heimische Tiere und Pflanzen beeinträchtigt, Krankheiten überträgt oder wirtschaftliche Schaden verursacht. „Einige gebietsfremde Arten werden […] zum Problem – als Räuber, Konkurrenten um Nahrung und Lebensraum oder Überträger von Krankheiten“, erklärt Ökologe Franz Essl von der Universität Wien, Mitautor einer internationalen Studie über invasive Arten. In Mitteleuropa zählen dazu etwa die tropische Pflanze Ragweed mit stark allergenen Pollen oder der Maiswurzelbohrer-Käfer, der gefährlichste Schädling für den Maisanbau.

Asiatische Tigermücke: Virenschleuer

Besonders unangenehm wird es, wenn invasive Arten nicht nur Ökosysteme bedrohen, sondern auch Krankheiten verbreiten. Dazu zählt etwa die Asiatische Tigermücke, die als potenzieller Überträger von mehr als 20 Krankheiten gilt, darunter Zika-Virus, Dengue- und Chikungunya-Fieber. 2022 wurde das südostasiatische Insekt erstmals in allen Bundesländern beobachtet. Ihre Eier legen die Weibchen in jegliche Gefäße, in denen sich Wasser sammelt: Regentonnen, verstopfte Dachrinnen oder besonders gern in im Freien gelagerte Autoreifen. Etablierte Populationen, die den Winter überstehen, kommen bisher aber nur in Wien, Graz und Linz vor.

Nahaufnahme der Asiatischen Tigermücke.
Asiatische Tigermücke

Afrikanische Riesenzecke verfolgt ihre Opfer

Doch die Tigermücke ist nicht die einzige Art, die Gesundheitsexperten im Blick haben. Auch die Afrikanische Riesenzecke breitet sich zunehmend aus, sie gelangt mit Zugvögeln nach Mitteleuropa. 2018 wurde sie erstmals in Niederösterreich nachgewiesen. Anders als heimische Zecken jagt „Hyalomma marginatum“ aktiv und kann potenzielle Opfer über mehrere Meter verfolgen. Die deutlich größere Zecke mit langen, gestreiften Beinen gilt als möglicher Überträger des gefährlichen Krim-Kongo- und Fleckfiebers. Derzeit ist das Risiko für Menschen aber noch gering.

Invasive Arten verursachen immense Kosten

Laut Lenzner sind in Österreich 650 fremde Tierarten bekannt, etwa 150 davon gelten als invasiv. Dazu gehören auch Saugetiere wie Waschbär, Nerz oder Nutria. Doch nicht nur Tiere werden zum Problem: Auch fremde Pflanzen und Pilze bedrohen heimische Arten, bergen Gesundheitsrisiken und verursachen hohe Kosten. Für Österreich wurden diese zwischen 1960 und 2020 auf etwa 300 Millionen Euro geschätzt. Wie groß die wirtschaftlichen Folgen sein können, zeigt die Studie rund um Ökologe Franz Essl: Bioinvasoren verursachten zwischen 1980 und 2019 weltweit Schäden von 1,2 Billionen US-Dollar. Noch vor Erdbeben, Dürren oder Überschwemmungen zählen invasive Arten damit zu den teuersten Umweltproblemen der Welt. Übertroffen wurden sie nur von Stürmen.

Maiswurzelbohrer
Die Larven des Maiswurzelbohrers schädigen die Wurzeln von Maispflanzen und beeinträchtigen deren Wachstum.

Kampfansage in Österreich

Noch ist in Österreich aber nicht alles verloren. Entscheidend sei, neue Arten möglichst früh zu entdecken, betont Bernd Lenzner. Werden einzelne Tiere bereits bei der Einfuhr abgefangen oder im Anfangsstadium ihrer Ausbreitung erwischt, seien die Chancen am größten sie wieder loszuwerden. Prävention, Monitoring und schnelle Reaktion sind die wirksamsten Mittel im Kampf gegen invasive Arten. Ebenso wichtig sind intakte Ökosysteme, die fremden Arten weniger Angriffsflache bieten. „Denn sind fremde Arten erst einmal etabliert oder bereits invasiv, können sie oft nur noch eingedämmt, aber in den seltensten Fallen vollständig wieder entfernt werden.“

Beispiele für invasive Arten in Österreich

Nutria: Beschädigt durch unterirdische Baue Ufer und Deiche und kann dadurch indirekt Hochwasserschutz, Infrastruktur und Lebensräume in Österreich gefährden. 

Waschbär: Auch der knuffige Allesfresser gilt als invasiv. Er kann heimische Vögel, Amphibien und Kleinsäuger beeinträchtigen und ist ein typischer Nesträuber. 

Rotwangen-Schildkröte: Als Haustier eingeführt und ausgesetzt konkurriert sie mit heimischen Arten um Nahrung sowie Lebensraum und verdrängt die Europäische Sumpfschildkröte. 

„Million-Dollar-Käfer“: Der aus Nordamerika eingeschleppte Maiswurzelbohrer verursacht durch Ernteverluste Schäden in Millionenhöhe. In Österreich wurde er erstmals 2002 nachgewiesen. 

Die Asiatische Tigermücke ist an ihrem schwarz-weiß gestreiften Hinterleib, den gestreiften Beinen und einem markanten weißen Streifen auf dem Rückenschild zu erkennen. 

Regenwurm-Jäger: 2025 erstmals in Österreich entdeckt: Der Plattwurm „Obama nungara“ kann als Räuber von Regenwürmen und Schnecken das Bodenökosystem beinträchtigen. 

Afrikanische Riesenzecke: Dank Klimawandel fühlt sich das kleine Biest mittlerweile auch in Österreich pudelwohl könnte zum Problem werden.

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