Leipzig: Zwei mutmaßliche Drohnen-Attentäter identifiziert
- Leipzig: Ermittler identifizieren zwei Tatverdächtige
- Verdächtiger reist mit Touristenvisum nach Europa
- DNA auf Drohne und Sprengstoff entdeckt
- Zweiter Verdächtiger soll Anschlag vorbereitet haben
- Bundesregierung macht Russland verantwortlich
- Russland weist Vorwürfe zurück
Nach dem versuchten Drohnen-Anschlag auf den Flughafen Leipzig/Halle haben Ermittler offenbar zwei Tatverdächtige identifiziert. Beide Männer weisen Verbindungen nach Russland auf. Einer der Verdächtigen soll sogar an einen russischen Geheimdienst angebunden sein. Die deutsche Bundesregierung macht Moskau für den gescheiterten Anschlag verantwortlich.
Leipzig: Ermittler identifizieren zwei Tatverdächtige
Rund einen Monat nach dem versuchten Sprengstoffanschlag in Leipzig verdichten sich die Spuren zu den mutmaßlichen Tätern. Nach gemeinsamen Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung ist es dem Bundeskriminalamt gelungen, mehrere Verdächtige zu identifizieren. Die Zeit berichtet von zwei Beschuldigten. Offiziell bestätigt haben die Ermittlungsbehörden die Identifizierung der beiden Männer bislang nicht.
Bei einem der Männer soll es sich um einen Belarusen handeln, der auch einen russischen Pass besitzt. Seine DNA ist laut den Recherchen im Zuge der Ermittlungen entdeckt worden. Der Mann soll bereits im Baltikum mit Straftaten aufgefallen sein.
Verdächtiger reist mit Touristenvisum nach Europa
Besonders brisant ist die rekonstruierte Reiseroute des Verdächtigen. Er soll mit einem italienischen Touristenvisum in den Schengenraum eingereist sein. Das Dokument ist nach Erkenntnissen der Behörden Ende April von einer italienischen Auslandsvertretung in Minsk ausgestellt worden.
Die deutschen Ermittler haben seine Einreise und spätere Ausreise nachvollziehen können. Entscheidend für die Identifizierung sind offenbar DNA-Spuren gewesen, die im Zusammenhang mit dem Anschlagsversuch sichergestellt worden sind.
DNA auf Drohne und Sprengstoff entdeckt
Die Ermittler haben rund um den Flughafen Leipzig/Halle mehrere Spuren gefunden. DNA ist dem Bericht zufolge an einer Drohne, an der Innenseite einer mit Sprengstoff gefüllten Konservendose sowie an einer Antenne sichergestellt worden, die in der Nähe des Flughafens an einem Baum befestigt gewesen sein soll.
Die Spuren haben Treffer in europäischen Datenbanken ergeben, unter anderem in Litauen und Finnland. Zusätzlich haben nachrichtendienstliche Erkenntnisse die Fahnder zu den Tatverdächtigen geführt.
Inzwischen gehen die Ermittler außerdem davon aus, dass beim Anschlagsversuch mehr Drohnen eingesetzt worden sein könnten als zunächst angenommen. Bislang sind drei Fluggeräte vollständig oder in Teilen entdeckt worden.
Zweiter Verdächtiger soll Anschlag vorbereitet haben
Der zweite Tatverdächtige soll eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung gespielt haben. Nach den Medienrecherchen soll er als Logistiker und Instrukteur fungiert haben.
Der Mann ist demnach Ende Juli über den Berliner Flughafen BER eingereist und anschließend mit einem Mietwagen nach Sachsen gefahren. Zwei Tage vor dem gescheiterten Anschlag in Leipzig soll er Deutschland wieder per Flugzeug verlassen haben.
Der Verdächtige soll sowohl einen lettischen als auch einen russischen Pass besitzen. Das ARD-Hauptstadtstudio hat bereits zuvor berichtet, dass die Ermittler eine Person ausgemacht hätten, die an einen russischen Geheimdienst angebunden sei.
Bundesregierung macht Russland verantwortlich
Für die deutsche Bundesregierung führt die Spur nach Moskau. Die Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden würden „auf beteiligte Personen hin[weisen], die im Auftrag russischer staatlicher Stellen gehandelt haben“, erklärte gestern Innenminister Alexander Dobrindt (CSU). Die Attacke passe zudem in das „bekannte Muster hybrider russischer Operationen in Europa“.
„Zusammen betrachtet belegen polizeiliche Ermittlungen, Tatmuster und nachrichtendienstliche Erkenntnisse eine russische Verantwortung für den versuchten Anschlag am Flughafen Leipzig“, so Dobrindt. Die Bundesregierung komme deshalb zu dem Schluss, „dass Russland den hybriden Angriff in Leipzig am 4. August zu verantworten hat“.
Gemeinsam mit Außenminister Johann Wadephul (CDU) stellt Dobrindt klar: „Wir betrachten Leipzig nicht als ein einzelnes Ereignis, sondern sehen das im Zusammenwirken mit weiteren hybriden Aktionen.“
Gleichzeitig betont der Innenminister: „Wir befinden uns nicht im Krieg.“
Russland weist Vorwürfe zurück
Moskau bestreitet jede Verantwortung für den Anschlagsversuch. Die russische Botschaft in Berlin bezeichnet die Vorwürfe als „hastig zusammengezimmerte Provokation“ und erklärt, man sei „besorgt über eine neue Welle antirussischer Hysterie in Deutschland“.
Ob die Ermittler die beiden mutmaßlichen Operateure tatsächlich festnehmen können, ist offen. Auch bei früheren Fällen mutmaßlicher russischer Sabotage sind verdächtige Personen für europäische Ermittler nicht mehr greifbar gewesen.