Lage angespannt: Drittes Rekord-Pleitejahr in Folge
Historischer Höchststand bei Firmenpleiten
Laut der Jahresstatistik des AKV wurden im Jahr 2025 insgesamt 4.189 Firmeninsolvenzen eröffnet. Dies entspricht einer Steigerung von 0,72 % gegenüber dem bisherigen Höchstwert aus 2024 und liegt massiv über dem Niveau der Finanzkrise 2007/2008. Besonders besorgniserregend ist die Zunahme der Verfahrensabweisungen mangels Masse: 2.967 Anträge konnten nicht eröffnet werden, da kein kostendeckendes Vermögen vorhanden war – ein Anstieg von über 20 %. Insgesamt waren somit 7.156 Unternehmen von Insolvenzverfahren betroffen. Im wöchentlichen Durchschnitt mussten über 80 Unternehmen den Gang zum Insolvenzgericht antreten.
Immobiliensektor und Milliarden-Passiva
Obwohl Österreich 2025 von neuen „Milliarden-Pleiten“ verschont blieb, beziffert der AKV die Gesamtpassiva der eröffneten Verfahren auf 11,03 Mrd. Euro. Dies ist zwar eine Halbierung im Vergleich zum Vorjahr (22,32 Mrd. Euro), stellt jedoch historisch gesehen immer noch einen außergewöhnlich hohen Wert dar. Der Immobiliensektor dominiert die Statistik weiterhin: Neun der zehn größten Insolvenzen nach Passiva entfallen auf die Immobilienentwicklung. Acht dieser Unternehmen werden der SIGNA-Gruppe zugeordnet. Die Branche „Grundstücks- und Wohnungswesen“ weist mit 3,98 Mrd. Euro die bundesweit höchsten Verbindlichkeiten auf.
Regionale Entwicklung: Fokus Oberösterreich und Wien
Die Bundesländerstatistik des AKV offenbart eine unterschiedliche Dynamik in den Regionen: Oberösterreich: Verzeichnet mit + 15,15 % das stärkste Plus, was primär auf eine Krise der Industriebetriebe im zweiten Halbjahr zurückzuführen ist. Wien: Bleibt mit 1.469 Eröffnungen der absolute Spitzenreiter der Fallzahlen, verzeichnete jedoch einen leichten Rückgang von 3,29 %. Rückgänge: Deutliche Entlastungen gab es im Burgenland (- 6,92 %) und in der Steiermark (- 5,51 %).
Branchen-Hotspots und Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen treffen vor allem drei Branchen besonders hart: den Handel (1.030 Fälle), den Bau (932 Fälle) und die Gastronomie (709 Fälle). Hinsichtlich der Arbeitsplätze meldet der AKV jedoch eine Entspannung: Die Zahl der betroffenen Dienstnehmer sank um rund ein Drittel auf 16.252 Personen. Im Vorjahr hatten Großinsolvenzen wie KTM oder Kika/Leiner diesen Wert massiv nach oben getrieben. Die größte Insolvenz nach Mitarbeiterzahl im Jahr 2025 war die Palmers Textil Aktiengesellschaft mit 515 betroffenen Stellen, für die jedoch bereits ein Sanierungsplan abgeschlossen wurde.
Stabile Lage bei Privatinsolvenzen
Entgegen der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung zeigten sich die Privatinsolvenzen stabil. Mit 8.765 eröffneten Verfahren sank die Zahl minimal um 0,60 %. Trotz gestiegener Arbeitslosenzahlen blieb die befürchtete Pleitewelle im privaten Bereich somit aus.
Prognose und Ausblick für 2026
Für das kommende Jahr rechnet der AKV mit einer nur langsamen Entspannung. Da sich konjunkturelle Erholungen meist erst mit einer Verzögerung von sechs bis neun Monaten auf die Insolvenzzahlen auswirken, bleibt die Prognose vorsichtig. Der Verband hofft, dass die Gesamtzahl der Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2026 wieder auf einen Wert knapp unter der 7.000er-Marke sinken wird. Ein Unsicherheitsfaktor bleibt das neue Betrugsbekämpfungsgesetz, welches das Antragsverhalten der öffentlichen Hand (Finanzamt, ÖGK) durch Änderungen im Anfechtungsrecht beeinflussen könnte.