Mediashop-Pleite: Teleshopping-Pionier ist insolvent
- Mediashop-Insolvenz
- Mediashop hofft mit Sanierungsverfahren auf Rettung
- 160 Jobs in Österreich auf der Kippe
- Ende des Mediashop-Booms: Massiver Umsatzeinbruch
- Mediashop: Marktumbruch und schwindende Kaufkraft
- Suche nach einem Retter
- Vom Erfolgsmodell zum Sanierungsfall
Es ist ein schwerer Schlag für die heimische Wirtschaft: Der einstige Pionier des österreichischen Teleshoppings steht vor dem finanziellen Aus. Der Teleshopping-Anbieter Mediashop GmbH mit Sitz in Neunkirchen hat Insolvenz angemeldet. Beim Landesgericht Wiener Neustadt wurde ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt.
Noch vor wenigen Jahren galt Mediashop als Paradebeispiel für österreichische TV-Vertriebserfolge. Heute zeigt sich, dass das einstige Erfolgsmodell im digitalen Zeitalter unter massivem Druck steht. Die Schulden belaufen sich auf rund 45 Millionen Euro.
Mediashop hofft mit Sanierungsverfahren auf Rettung
Trotz der dramatischen Lage ist die Tür zur Mediashop-Sanierung noch nicht endgültig geschlossen. Laut Unternehmensangaben soll der Betrieb zumindest vorerst weiterlaufen. TV-Ausstrahlungen, Online-Shop und Kundenservice bleiben aktiv, während hinter den Kulissen an einem Rettungsplan gearbeitet wird.
Die Gläubiger sollen eine Quote von 20 Prozent erhalten. Gleichzeitig wird fieberhaft nach einem strategischen Investor gesucht, der das Unternehmen finanziell stützt und in die Zukunft führt. Die Geschäftsführung betont, man wolle gemeinsam mit dem gerichtlich bestellten Insolvenzverwalter eine tragfähige Lösung finden. Ziel sei es, die Marktposition im digitalen Handel zu stärken und das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.
160 Jobs in Österreich auf der Kippe
Besonders hart trifft die Insolvenz die rund 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort Neunkirchen. Auf etwa 2.700 Quadratmetern arbeiten dort Menschen, die teils seit Jahrzehnten Teil des Unternehmens sind. Ihre Zukunft ist ungewiss.
Eine gesetzlich vorgesehene Meldung beim AMS wurde bereits eingebracht. Die Belegschaft wurde über die laufenden Verfahren informiert, während weitere Schritte im Personalbereich geprüft werden. Konzernweit beschäftigt Mediashop von Österreich über Deutschland bis in die Tür rund 400 Mitarbeiter in zehn Ländern.
Die deutsche Muttergesellschaft Mediashop International Group GmbH mit Sitz in Lindau ist laut eigenen Angaben nicht betroffen. Dennoch blicken auch dort viele mit Sorge auf die Entwicklung der österreichischen Tochter.
Ende des Mediashop-Booms: Massiver Umsatzeinbruch
Die Probleme sind nicht über Nacht gekommen. Laut der Bilanz 2022/2023 sind die Umsätze von Mediashop von 180,8 Millionen Euro auf 138,1 Millionen Euro eingebrochen. Das EBIT lag bei minus 10,03 Millionen Euro, der Jahresverlust bei 9,39 Millionen Euro.
Zwar blieb dank Gewinnvorträgen ein Bilanzgewinn von 22 Millionen Euro, doch die Zahlen täuschen: Das Eigenkapital schmilzt weiter, die Verbindlichkeiten – 40,74 Millionen Euro, davon 17,35 Millionen gegenüber verbundenen Unternehmen – drücken schwer.
Mediashop: Marktumbruch und schwindende Kaufkraft
„In den vergangenen Jahren sah sich die Mediashop GmbH mit tiefgreifenden Veränderungen im Konsumverhalten und einem zunehmend herausfordernden Marktumfeld konfrontiert“, so das Unternehmen zu den anhaltenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten.
Die wachsende Dominanz internationaler Handelskonzerne und die Verlagerung des Kaufverhaltens hin zu globalen Online-Plattformen hätten das nationale Umfeld massiv geschwächt. Auch die Kaufkraft der Konsumenten habe sich spürbar verändert.
Suche nach einem Retter
Nun setzt die Geschäftsführung alles daran, einen Investor zu finden, der Mediashop wieder auf stabile Beine stellt.
„Ziel der Geschäftsführung ist es, in enger Zusammenarbeit mit dem gerichtlich zu bestellenden Insolvenzverwalter eine tragfähige Sanierungslösung umzusetzen und die Marktposition insbesondere im Bereich digitaler Vertriebskanäle zu stärken“, heißt es in der Mitteilung.
Der Betrieb soll modernisiert, das Geschäftsmodell digitalisiert werden. Ob das gelingt, hängt maßgeblich davon ab, ob sich ein finanzstarker Partner findet und ob ehemalige Kunden und Markt Mediashop noch eine zweite Chance geben.
Vom Erfolgsmodell zum Sanierungsfall
Seit der Gründung 1999 gehört Mediashop zu den ganz großen Namen im Teleshopping. Mit Produkten aus den Bereichen Haushalt, Fitness, Gesundheit und Lifestyle schaffte es das Unternehmen in Millionen österreichischer Haushalte.
Heute steht von diesem Glanz wenig. Mediashop ist zu einem Sanierungsfall geworden, der zeigt, wie schnell sich ein Markt wandeln kann und wie brutal der Preis für verpasste Digitalisierungsschritte sein kann.
Trotz aller Rückschläge bleibt die Hoffnung: Wenn ein Investor gefunden wird, könnte Mediashop vielleicht doch noch ein Comeback erleben.