Yoga in der Mittagspause

Yoga ist viel mehr als Sport: nämlich Training für den Geist mit Entspannung als Ergebnis. Immer mehr Unternehmen setzen auf das meditative Training als Benefit für ihre Mitarbeiter.
Autor: Jessica Hirthe, 28.09.2022 um 05:00 Uhr

Wer Yoga übt, entfernt das Unkraut aus dem Körper, sodass der Garten wachsen kann – so erklärte der weltweit anerkannte indische Yoga-Guru B. K. S. Iyengar seinen Effekt.  Iyengars Yoga-Stil stellt die besonders präzise Ausführung von Körperhaltungen in den Fokus. „Yoga heilt mich“, bestätigte längst auch Pop-Ikone Lady Gaga. Sie setzt wie viele Stars auf Bikram-Yoga, das in bis zu 40 Grad heißen Räumen praktiziert wird. Ganz egal, welchen Yoga-Stil man macht, es geht um die Kunst, den Atem fließen zu lassen, die Bewegungen intensiv zu spüren und dabei letztendlich die Muskeln und den Geist zu entspannen.

Weltweit 300 Millionen Yoga-Praktizierende

Yoga gibt es seit über 5.000 Jahren in Indien und seit etwa 150 Jahren im Westen. Seit der Jahrtausendwende gab es eine regelrechte Gründungswelle an Yoga-Studios – auch etwa 70 Prozent der Fitness-Studios bieten Yoga-Kurse an. Es wird angenommen, dass es weltweit etwa 300 Millionen Praktizierende gibt. Laut dem Bund Deutscher Yogalehrer üben etwa fünf Prozent der Bevölkerung regelmäßig den herabschauenden Hund und andere Yoga-Positionen, in Deutschland also über drei Millionen Menschen, in Österreich immerhin knapp 400.000 – Tendenz steigend.

Yoga bei RZL

80 Milliarden Euro Umsatz mit Yoga jährlich

Yoga hat sich zu einem ernst zu nehmenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Der Yoga-Markt macht jährlich weltweit einen Umsatz von etwa 80 Milliarden Euro. Allein in den USA geht man davon aus, dass Yoga ein Wirtschaftsfaktor von zehn Milliarden Dollar ist und zu den zehn am stärksten wachsenden Wirtschaftszweigen zählt. Laut YogaUnion, einer österreichischen Interessenvertretung der Branche, gibt es allein in Wien mehr als 200 Studios. Österreichweit arbeiten etwa 6.000 Yogalehrer.

Exklusive Kurse nur für Männer gefragt

Eine Yogalehrerin, die auf diesen Zug aufspringt und Mitte September ihr Yoga-Studio „Freedom Practice“ direkt am Golfplatz in Kematen eröffnete, ist Natascha Egger-Obermayr. Die 34-Jährige bietet verschiedene Klassen an, darunter auch einen Kurs exklusiv für Männer. „Die Anfragen von Männern werden immer mehr – allerdings wollen sie nicht als Quotenmänner in den Klassen mit vielen Frauen üben“, so Egger-Obermayr. Denn obwohl Yoga ursprünglich früher in Indien reine Männersache war, lassen sich im Westen hauptsächlich Frauen darauf ein. Warum Yoga seit Jahren im Trend ist? „Unsere Welt ist so schnelllebig und extrovertiert. Kaum jemand fragt sich mehr, wie es einem selbst geht. Dazu kommt die Dauerbeschallung durch Medien. Die Leute merken, dass sie Ruhe und Stabilität brauchen. Und das bietet Yoga und gibt neue Energie.“ Die Menschen kämen auf der Suche nach einem Ausgleich oder weil sie etwa Rückenbeschwerden haben. „Über den Körper und die Atmung erreicht man auch den Geist. Das ist vielen am Anfang nicht bewusst, sie spüren den Effekt der Ausgeglichenheit aber schnell.“

Business-Yoga hält in Firmen Einzug

Yoga hat das Potenzial, das vegetative Nervensystem zu beruhigen, die Muskeln zu entspannen, den Körper wieder besser wahrzunehmen und letztendlich Stress-Situationen leichter zu managen. Es tut den Übenden also auf allen Ebenen gut. Die positiven Auswirkungen von Yoga sind sogar mehrfach wissenschaftlich belegt. Der Mehrwert von Yoga als körperlichem Ausgleich zur Schreibtischarbeit und mentaler Erholungsphase wird auch von vielen Unternehmen erkannt und im Rahmen der betrieb­lichen Gesundheitsförderung angeboten. Für Business-Yoga kommen die Yogalehrer direkt ins Unternehmen und üben dort in der Mittagspause oder nach Dienstschluss mit den Mitarbeitern. Die Innviertler Yogalehrerin Stephanie Doms betreut derzeit vier Firmen. Sie stellt fest: „Das Bewusstsein in den Firmen nimmt immer mehr Fahrt auf. Business-Yoga kann leicht in jedes Unternehmen integriert werden. Man braucht kein ganzes Fitness-Studio einrichten und theoretisch nicht einmal einen speziellen Raum.“ In einer Firma würden die Matten in einem Lagerraum ausgerollt. Werde in der Mittagspause geübt, würden sich die Teilnehmer effizienter entspannen als nach der Arbeit. „Die Mitarbeiter können sich bewusster und schneller darauf einlassen“, so Doms. Natürlich wähle sie ein Setting, das nicht schweißtreibend ist, wenn die Teilnehmer danach an den Arbeitsplatz zurückkehren müssen. Neben ausgleichenden Übungen gehe es auch viel um gezieltes Hinspüren: Wie geht es mir? Wie war der Tag bis jetzt? Was braucht mein Körper? „Die Stunden haben wie die Yoga-Philosophie an sich eine ganzheitliche Ausrichtung.“

Unternehmen übernehmen teils die Kurskosten

Einer ihrer Kunden ist die RZL Software GmbH in Tumeltsham bei Ried im Innkreis. Seit zwei Jahren bietet das Unternehmen neben einem firmeninternen Fitness-Studio Yoga für seine Mitarbeiter an – und übernimmt dafür vollständig die Kosten. „Wir sind der Überzeugung, dass Yoga fit hält und Stress vorbeugt bzw. abbaut“, so Thomas Humer von RZL Software. „Fitness am Arbeitsplatz ist das perfekte Tool, um nicht nur den Körper, sondern auch den Teamgeist zu stärken.“ Diese Einstellung teilt man auch beim Heizungsanlagen-Anbieter Hargassner in Weng im Innkreis. Hier gibt es Yoga neben anderen Fitnesskursen für Mitarbeiter bereits seit 2018. Wer teilnimmt, zahlt nur einen geringen Unkostenbeitrag, den Rest übernimmt das Unternehmen. „Mitarbeiter sind im Privat- und Berufsleben stark gefordert, daher ist es ein Teil der Verantwortung eines Unternehmens, im Rahmen seiner Möglichkeiten den Mitarbeitern den Zugang zu Fitness und Wohlbefinden zu erleichtern“, so das Unternehmen. Yoga als Teambuiding-Auszeit – ein spezielles Angebot für Firmen arbeitet auch gerade Sonja Mike, Geschäftsführerin von Indigourlaub, aus: „Yoga & Horsemanship“ auf dem Kleebauer Hof im Mühlviertel. „Das Angebot wird es ab 2023 geben und ist für kleine Teams eine sehr besondere Erfahrung“, so Miko. Ihr Unternehmen bietet seit vielen Jahren hauptsächlich Yoga-Urlaube an.

Präventivgedanke setzt sich durch

Ein generell höheres Interesse an betrieblicher Gesundheitsförderung ihrer Mitarbeiter stellt Birgitt Espernberger, Leiterin Gesundheitsmanagement beim Arbeitsmedizinischen und Sicherheitstechnischen Zentrum (ASZ) in Linz, fest. „Das Bewusstsein steigt, dass die Mitarbeiter das Gold eines Unternehmens sind: Auch der Präventivgedanke setzt sich verstärkt durch.“ Yoga werde von den ASZ-Referenten oft im Rahmen eines Krafttanktags mit Workshops zu Ernährung und psychischer Gesundheit kombiniert. Auch fortlaufende Yoga-Kurse können über das ASZ gebucht werden. Birgitt Espernberger: „Yoga bietet viele Komponenten: Bewegung, Atmung und Entspannung.“ „Wir dehnen nicht nur die Glieder, wir dehnen das Bewusstsein“, sagte dazu einst Yoga-Guru Iyengar. Namasté!