Wood Fashion: Mode aus Holz

Emanuel Burger will sein junges ökologisches Modelabel im deutschen Sprachraum etablieren. Der Designer setzt auf Regionalität und ein Element, das die schnelllebige Branche vernachlässigt hat: Innovation.
Autor: Klaus Schobesberger, 28.07.2022 um 08:41 Uhr

Ein neues Logistikzentrum? Standorte für weiteres Filialwachstum? Fotoshooting für die Herbstkollektion? Emanuel Burger denkt in anderen Kategorien. Zuletzt war der 28-jährige Designer auf der Suche nach einem passenden Fertiger von Gummibändern für seine Unterwäschekollektion. „Österreich ist in diesem Bereich etwas ausgedünnt, aber wir haben tatsächlich einen Betrieb gefunden.“ Ein weiteres Projekt des Jungunternehmers: ein eigenes biologisch abbaubares Waschmittel für seine Mode anzubieten – produziert natürlich in Österreich. Burger gehört das Modelabel „Wood Fashion“ und ist die wandelnde Antithese zu internationalen Modeketten. Seine Kollektionen sind reduziert, wenig aufdringlich, langlebig – und biologisch abbaubar. „Sie können unsere Shirts in den Kompost werfen“, sagt Burger, der überzeugt ist, dass beim Konsumenten ein Umdenken stattfindet. Der Wert von Nachhaltigkeit, kurzen Beschaffungswegen und regionaler Produktion steigt. Umweltfreundliche Kleidung ist längst nicht mehr nur etwas für grüne, urbane Bobos, sondern spricht – verstärkt durch die Coronapandemie – immer breitere Käuferschichten an.

Eine „schwere Geburt“

„Made in Austria“ ist dabei ein zentrales Element des Slow-Fashion-Geschäftsmodells. Verarbeitet wird in Vorarlberg, beim Maßhemdenschneider Gloriette in Wien, beim Sportbekleidungserzeuger Löffler in Ried oder beim Trachtenhersteller Wenger in Salzburg. Das Grundgewebe kommt aus Lenzing in Form der Lyocellfaser Tencel, die aus zertifiziertem Buchenholz aus nachhaltiger Forstwirtschaft gewonnen wird. Daher der Name „Wood Fashion“. Das Problem: Reine Lyocell-Fasern sind extrem weich und schwer zu verarbeiten. Gemeinsam mit dem Hotelier und Bauunternehmer Dietmar Hehenberger experimentierte Burger ein Jahr lang „mit einer streng geheimen Naturharz-Formel“, bis die Marktreife im Herbst 2020 erreicht war. Es war eine schwere Geburt, sagt Burger: „Wir haben mit der Firma Feinjersey Group in Götzis acht Versuche benötigt, bis der Stoff die richtige Konsistenz hatte.“ Schließlich soll sich ein Shirt aus Holzfaser für den Konsumenten ebenso angenehm anfühlen wie Shirt aus reiner Bio-Baumwolle.

Wir haben mit der Feinjersey Group acht Versuche benötigt, bis der Stoff die richtige Konsistenz hatte.

Deutschland im Visier

Mit seiner Kollektion ist Burger stark im Basicbereich für Privat- und Geschäftskunden tätig. Kein Schnickschnack, auch wenn sich die Produkte durch viele funktionale Vorzüge und Tragekomfort auszeichnen. Die Preise bewegen sich zwischen 39 Euro für ein T-Shirt und 89 Euro für ein Hemd. Zu kaufen gibt es die Produkte nur im Onlineshop, geplant ist ein stationärer Laden, weil „Kunden den Stoff spüren möchten“. Bedient wird hauptsächlich der österreichische Markt. Der Onlineversand verläuft klimaneutral über GLS. Deutschland sei der nächste große Markt, allerdings zu denselben Bedingungen wie in Österreich. Wood Fashion für den deutschen Markt soll ausschließlich in Deutschland produziert werden. „Regionalität muss auch für andere gelten“, sagt Burger. Der Unternehmer ist mit einer Mitarbeiterin schlank aufgestellt, Outsourcing ist sein Prinzip, um Risiko zu minimieren und Kosten zu senken. Obwohl erst 28 Jahre alt, hat Burger bereits eine zehnjährige Unternehmerkarriere hinter sich. „Ich habe die Mode-Fachhochschule in Linz besucht, habe mich als Designer mit 18 selbstständig gemacht und dabei viel Lehrgeld bezahlt“, sagt Burger.

Langlebig statt für den Müll

Mit seinem Konzept der Langlebigkeit statt Mode für den Müll will Burger gegensteuern, und er ist überzeugt, dass sich damit gutes Geld verdienen lässt. Denn das Thema Verantwortung für die gesamte Produktionskette ist brennender denn je. Die Mode- und Textilindustrie gilt als eine der schmutzigsten der Welt. Sie verursacht jährlich 1,2 Milliarden Tonnen CO2 – das sind mehr als alle internationalen Flüge und Kreuzfahrten zusammen. Treiber ist die Fast-Fashion- Industrie: Hersteller und Händler, die auf schnelle Kollektionswechsel setzen. Bei H&M oder Zara passiert dies zweiwöchentlich.