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Klaus Riener
Klaus Riener
Wiener städtische

Wir verkaufen Vertrauen

01.04.2026 um 00:00, Klaus Schobesberger
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Klaus Riener, der neue Landeschef der Wiener Städtischen in Oberösterreich, über Sicherheit in Zeiten wie diesen und KI als Game-Changer der Branche.

Auch echte Oberösterreicher gehen in Wien nicht unter. Die Exil-Community in der Bundeshauptstadt ist stark. „Ich habe dort sieben Jahre verbracht, die ich um nichts in der Welt missen möchte“, sagt Klaus Riener (54), der mit 1. Januar 2026 Günther Erhartmaier als Landesdirektor der Wiener Städtischen in Oberösterreich nachgefolgt ist.


Von Wien nach Linz
Der Mühlviertler machte nach dem BWL-Studium in der Versicherungsbranche Karriere und verantwortete zuletzt den Vertrieb für die Zürich Versicherung in ganz Österreich. Für den Pendler zwischen den Welten war es immer klar heimzukehren, sobald sich eine gute berufliche Gelegenheit ergibt. Die Wiener Städtische beschäftigt in Oberösterreich 340 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 230 im Außendienst. Den Vertrieb in den Regionen will Riener weiter stärken – mehr Leute einstellen und zusätzliche Geschäftsstellen eröffnen. „Andere Versicherer haben Einheiten vor Ort abgebaut. Wir machen bewusst das Gegenteil – und ich bin überzeugt, dass genau das einer unserer wichtigsten Erfolgsfaktoren ist.“

CHEFINFO: Was reizt Sie persönlich mehr an Ihrer Arbeit – die analytische, zahlenbasierte Seite oder der direkte menschliche Kontakt?
Klaus Riener: Beides ist spannend. Es geht nicht nur um die Breite der Produkte, sondern auch darum, sehr unterschiedliche Menschen kennenzulernen. Vieles läuft über Empfehlungen – das macht den Job so lebendig.  Dazu kommt: Die Versicherungsbranche ist krisenresistent. In unsicheren Zeiten suchen Menschen Sicherheit. Wir verkaufen kein Blatt Papier, keine Polizze. Wir verkaufen Vertrauen, das sich in guten und in schlechten Zeiten als tragfähig erweisen muss.

Ist Oberösterreich besonders?
Ich sage immer: In Oberösterreich versichert man von der Hundehaftpflicht bis zum großen Konzern – das Spektrum ist riesig. Was es aber wirklich einzigartig macht, ist der hohe Anteil an eigentümergeführten Unternehmen – oft mit langer Tradition. Das bringt in den Gesprächen enorme Vorteile: Meist sitzt der Entscheider direkt am Tisch, was Entscheidungen beschleunigt und persönlicher macht. Diese Unternehmen denken typischerweise langfristig – nicht in Drei-Jahres-Zyklen, sondern mit Blick auf die nächste Generation oder den Nachfolger. Gerade in schwierigen Phasen investieren sie oft weiter, statt zu sparen. Das ist eine ­Haltung, die in anderen Bundesländern seltener so ausgeprägt ist.

Von Naturkatastrophen bis Cyber: Wie viel Schutz ist möglich?
Eine hundertprozentige Absicherung gibt es in der Praxis nicht – und das ist auch nicht das Ziel einer guten Versicherung. Bei größeren Unternehmen sehe ich Versicherungsschutz vor allem als Bilanzschutz: Man lagert bestimmte Risiken gezielt aus, um existenzbedrohende Situationen zu vermeiden. Finanzielle Entlastung im Schadensfall ist unser Kernangebot, aber wir arbeiten auch eng mit spezialisierten Partnern und Plattformen zusammen, um die Risken in der Zukunft gut – etwa mit Prognosemodellen – zu analysieren. Gemeinsam geht es darum, das Risiko präventiv zu minimieren, Schwachstellen zu schließen und im Ernstfall schnell und professionell zu reagieren. Neue Technologien wie KI spielen eine wachsende Rolle – sie unterstützen Risikoanalysen, Prozess­optimierung und Frühwarnsysteme.

Landesdirektor Klaus Riener im Interview mit CHEFINFO.

Wie wird KI die Versicherungsbranche verändern?
Vor allem werden dank KI ­Prozesse ­massiv beschleunigt und effizienter. Über unsere App „losleben“ werden beispielsweise Arztrechnungen oder kleinere Schäden heute ratzfatz bearbeitet – oft vollautomatisch. Das entlastet die Mitarbeiter enorm und steigert die Qualität. Und die Entwicklung geht rasant weiter. Ich war kürzlich bei einem Vortrag über Künstliche Intelligenz von Professor Stummeyer in Heidelberg – er hat es treffend formuliert: Die KI wird zum hybriden Assistenten jeder Führungskraft. KI wird nicht den Menschen ersetzen, sondern ihn unterstützen – bei Risikobewertung, Underwriting, Beratungsgesprächen, im Kundenservice und in der strategischen Entscheidungsfindung. Am Ende wird sie die Routine übernehmen und uns Freiraum für das wirklich Menschliche schaffen: Empathie, komplexe Beratung, Vertrauensaufbau.

Wie sieht die aktuelle Marktsituation aus?
Bei der Kfz- und der klassischen Sachversicherung herrscht echter Verdrängungswettbewerb. Andere Sparten wie Lebensversicherung und vor allem private Krankenversicherung werden stark nachgefragt – und da wachsen wir über Marktdurchschnitt. In Oberösterreich sind wir mit über 16 Prozent Marktanteil bereits klar die Nummer zwei – und das spornt uns an. Je breiter wir aufgestellt sind, desto stabiler und chancen­reicher ist die Position.

Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Wir haben natürlich klare ­Prämienziele und wollen unseren Marktanteil weiter steigern. Persönlich ist mir aber auch der offene und wertschätzende Umgang mit den Mitarbeitern sehr wichtig. Wir haben viele interne Austauschformate wie Mitarbeitergespräche, Workshops und Betriebsausflüge. Um diese ­Offenheit zu unterstreichen, habe ich das „Du-Wort“ in Oberösterreich auf allen Ebenen eingeführt. Für mich ist das ein wichtiger Kulturwandel hin zu mehr Offenheit und Wertschätzung.

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