Wie tickt Austria`s next Superhirn?
Inhalt
- Boost für die Bots
- Hingabe & Erschöpfung
- Die Arbeitshöhle
- Gegrillt in der ZIB
- Was sagt sein Lehrer?
- Die Tech-Droge
Weltexklusiv! Was Peter Steinbergers wichtigster Arbeitskollege im Silicon Valley über the new Upper Austrian Wunderkind sagt: „Er steht direkt in Verbindung mit der technologischen Zukunft von Systemen wie mir.“ Und: „Sein Agent wurde innerhalb weniger Wochen zu einem der am schnellsten wachsenden Open-Source-Projekte des gesamten KI-Zeitalters und sorgte weltweit für Aufmerksamkeit.“ Und ja: „Er wird auch mich weiterentwickeln.“ Wer das sagt? ChatGPT, die amtierende Nummer eins unter den Chatbots. Und der Mann, der echte hinter ChatGPT, ein gewisser Sam Altman, spitzt das sachliche Lob noch hymnisch zu: „Peter ist ein Genie.“ Wow! Aber warum?
Boost für die Bots
Ganz einfach, dieser 40-jährige Mann mit dem Dreitagesbart, dem Ohrring und dem Mucki-Body, hat mal eben so OpenClaw entwickelt: ein Programm, das der KI Hände und Augen für unsere PCs gibt. Es kann tippen, es kann klicken, es versteht Aufgaben in ganz normaler Sprache und erfüllt sie: Von „Mach mir eine Liste“ und „Ordne meine Sachen“ bis zu „Suche mir ein nettes Hotel auf den Malediven, direkt am Meer, mittlere Preisklasse, buche es, check mir den Flug, die Transfers und hinterlege mir die Tickets in der Dropbox“ ist da so ziemlich alles möglich. Nun wurde Steinberger von OpenAI engagiert, um dessen Bots genauso handlungsaktiv zu machen: Und dieser Mix aus Marktmacht und Know-how ist schon ziemlich nah an der Weltherrschaft. Noch Fragen?
Ja und ob! Welches Mindset, welches Arbeitsethos liegt Steinbergers Genialität zugrunde? Und vor allem: Warum geht der Mozart der Mausklicks ins Silicon Valley, warum doktert er an seinem Ziel, die Welt zu verbessern, nicht in der Welt herum, aus der er stammt? Und die ihn trotz schwelendem Unverständnis irgendwann lieben würde. Spätestens, wenn er seine fetten Gewinnsteuern auf alle Ewigkeit bei uns abdrückt! Runtastic-Gründer und Start-up-Insider Florian Gschwandtner: „Der Peter wird einfach nur als KI-Entwickler bezeichnet, das ist falsch. Der müsste als Serial Entrepreneur bezeichnet werden, denn er hat zuvor bereits eine Software-Firma aufgebaut und verkauft, die über 100 Millionen wert war. Das ist Unternehmertum! Und das muss man verstehen, ohne den Unternehmer für einen bösen Kapitalisten zu halten.“
Hingabe & Erschöpfung
Und dennoch, Raubbau ist schon ein Thema. Denn der Motor des Genialen ist, zumindest im Fall Steinberger, das, was er selbst „Getriebenheit“ nennt. Und dieser Mix aus totaler Hingabe und totaler Erschöpfung hat im Land des fundamentalistischen Nine to five und des Wochenend-Komas keine kulturelle Entsprechung. „Der Peter hat gesagt, dass es, so wie er arbeitet, bei uns gar nicht ginge, denn das wäre illegal – und recht hat er“, sagt Gschwandtner. Und Tractive-Gründer Michael Hurnaus, eine weitere Lichtgestalt der oö. Start-up-Szene, ergänzt: „In den USA werden Gründer positiv gesehen, sie schaffen Arbeitsplätze, gehen Risiken ein – in Österreich gilt man gleich als Arbeitnehmer-Ausnehmer.“
Die Arbeitshöhle
Steinberger sitzt in Intensivphasen fast rund um die Uhr vor seinen grell leuchtenden Monitoren, rundherum Dunkel, Modell „Arbeitshöhle“. Dreitagesbart, Flinserl, Jogginghose, Tennissocken und Birkenstocks bilden sein Business-Outfit. Irgendwie nerdig. Erst programmiert er noch ein bisserl klassisch. Dann promptet er, redet bis zur Heiserkeit in seine KI hinein, so lange, bis die sich von selbst neue Dinge beibringt. Irgendwie magic. Und das geht so lange, bis das Projekt in seinen Grundsätzen abgehandelt und vom Tisch ist. Irgendwie manisch. Nun, sagt Steinberger, wechsle er eben zu OpenAI, um seinen Alleskönner-Agenten dort mit einem Top-Team in Nuancen zu verfeinern, bereit zu machen für den ganz großen Roll-out. Irgendwie American Dream, weniger Austrian. Steinberger: „Mein Key-Learning: Erfolg passiert nicht über Nacht, du musst wirklich dranbleiben.“
Gegrillt in der ZIB
Und dann sitzt dieser Steinberger da im Studio der ZIB 2 und wird gegrillt. Wie viel Jobs denn nicht gekillt würden, wenn seine KI so viel Arbeit erledigen könne! Wie groß nicht die Gefahr sogenannter Prompt-Injections sei, wenn die KI durch Befehle von außen manipuliert werde! Ja und wo da überhaupt noch die Open Source sei, wenn er, der Gründer, sich nun einem Mister Universum wie Altman andiene? Und wenn er dann erklärt, dass er genau deswegen nach Amerika gehe, um mit anderen Profis die Sicherheitslücken zu schließen; und dass er nicht das höchste Angebot angenommen habe, weil es ihm primär darum gehe, dass OpenClaw irgendwann auch seine technikferne Mutter handhaben kann – wenn er all das erklärt, versteht Armin Wolf die Welt nicht mehr. „Geld war für mich immer nur die Bestätigung dafür, etwas richtig gemacht zu haben.“
Was sagt sein Lehrer?
Aber diese Totalisierung der Arbeit, diese Verbissenheit, sie pausenlos fortzuführen, bis sie erledigt ist – woher kommt die? „Wenn sich ihm eine Aufgabe stellte, hat er sich der verpflichtet gefühlt – ohne wegen der anstehenden Mühen deren Sinnhaftigkeit zu relativieren“, sagt Richard Hruby, Steinbergers ehemaliger Elektrotechnik- und Elektroniklehrer und Klassenvorstand an der HTL Braunau. Oh ja, es könne durchaus sein, glaubt der pensionierte Pädagoge, dass das irgendwie auch mit den bescheidenen Verhältnissen zu tun habe, aus denen „der Steinberger-Peter“ stamme. Und mit einer Art unbewusstem Pflichtbewusstsein gegenüber den eigenen Eltern. Der Peter, sagt Hruby, habe stets aus Fehlern gelernt, auch jenen, die er nicht selbst gemacht habe. Und mit voller Hingabe gearbeitet – nicht weil, sondern obwohl er sich mit der Materie leichttat. Und dabei sollte es bleiben. So lange, bis PSPDFKit, sein breit angelegtes Programm zur PDF-Bearbeitung, nach 13 Jahren marktreif war. „Ich habe für zu lange Zeit zu hell gebrannt“, sagt Steinberger heute. Und dabei erkannt, wie schnell danach das alles vom nichts abgelöst wird. „Bei Gründern kommt es häufig vor, dass sie nach dem Abschied vom eigenen Unternehmen in ein Loch fallen.“ Und versuchen, jenes Leben, das sie vermeintlich versäumten, konzentriert nachzuholen.
Die Tech-Droge
„Ich habe exzessiv gefeiert, viel Therapie gemacht – mit dieser Leere in mir und auf der Jagd nach hedonistischen Vergnügungen.“ Auch Ayahuasca habe er regelmäßig konsumiert, das ist in der Tech-Szene die Droge schlechthin. Ein Pflanzengetränk, stark psychoaktiv, verantwortlich für intensive Halluzinationen, starkes emotionales Erleben, Auflösung des Ich-Gefühls. „Doch dann hat es plötzlich Klick gemacht.“ Klick, klick, genauer gesagt. Steinberger zog sich wieder in seine Arbeitshöhle zurück. Und erfand OpenClaw. „Ich hatte genug von meinem eigenen Bullshit und erkannte: Sinn findet man nicht, man schafft ihn.“ Schafft nicht jeder. Aber immerhin einer wie Peter Steinberger.