Wasserstoff-Studie: H2-geboostert unterwegs

In den nächsten acht Jahren sollen rund 2.000 LKWs, betrieben mit Wasserstoff, über Österreichs Straßen rollen. H2 bietet mehrere wirtschaftliche Vorteile für den Standort Österreich. Nachbarländer machen es bereits vor.
Autor: Verena Schwarzinger, 20.01.2022 um 11:18 Uhr

Ausgerufen: bis 2040 soll Österreich klimaneutral werden. Zahlreiche Initiativen und Maßnahmen wurden zur Erreichung konzipiert und auch das ein oder andere Projekt auf Schiene gebracht. Neben dem Ausbau von Erneuerbaren Energien setzt man auch auf alternative Kraftstoffe wie zum Beispiel Wasserstoff als aktiven Beitrag zum Klimaschutz aber auch um neue Industriezweige zu gründen. Im Konsortium, der H2-Mobility Austria, sind namhafte Unternehmen wie die Gebrüder Weis, die Österreichische Post AG, die OMV AG, SPAR oder REWE, vertreten. Die Branchen Produktion, Verkehr, Logistik und Waren sowie Dienstleistungen ziehen damit an einem Strang und setzen sich zum Ziel bis 2030 bereits rund 2.000 Wasserstoff-Schwerlastfahrzeuge auf der Straße zu haben – als Ergänzung zum Bahngüterverkehr. „Dadurch könnten die CO2-Emissionen um 35 Prozent verringert werden. Bei vielen Unternehmen sind zwar bereits batteriebetriebene Fahrzeuge im Einsatz, jedoch erreichen diese nicht das notwendige Ladevolumen sowie die benötigte Reichweite. Wasserstoff verspricht höhere Reichweiten“, erklärt Alexander Kainer, Partner bei Deloitte Österreich, der die Studie im Namen des Konsortiums H2-Mobility Austria umgesetzt hat.

Bei 2.000 Fahrzeugen kommt es zu einer Einsparung von 70 Millionen Tonnen Dieselkraftstoff. Die Wasserstoff-Schwerlast-LKW würden jährlich zu einer CO2-Reduktion von rund 24.000 Tonnen führen und den Feinstaub um bis zu 50 Prozent senken.

Ökologischer und wirtschaftlicher Mehrwert

Wasserstoffbetriebene LKWs sind nicht nur nachhaltig, sondern schaffen auch finanzielle und volkswirtschaftliche Anreize. Umgerechnet würden diese 2.000 H2-betriebenen LKWs insgesamt 475 Millionen Euro an Wertschöpfung nach Österreich bringen und den Grundstein für eine lokale Wasserstoffindustrie legen. Zudem könnten bis 2030 durch die Initiative 3.000 bis 4.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Ein Fördermodell mit einer Anlaufstelle, die rasch Anfragen abwickelt ist dafür notwendig. Experten rechnen damit, dass rund 80 Prozent der technologischen Mehrkosten in der Tankinfrastruktur und bei den Fahrzeugen unterstützt werden müssten. Dieses Fördermodell mit einem Budget von rund 460 Millionen Euro an Volumen sowie eine klare Kennzeichnung von grünem Wasserstoff werden vom Konsortium von der Bundesregierung gefordert.

Initiative Wasserstoff: Jetzt handeln

Deutschland und die Schweiz setzen wasserstoffbetrieben LKWs bereits im Schwerlastverkehr sehr erfolgreich ein. „Österreich sollte jetzt nachziehen. Es gilt die erforderlichen Voraussetzungen zu schaffen, um die heimische Infrastruktur flächendeckend auf- und eine Wasserstoff-LKW-Flotte auszubauen“, betont Wolfram Senger-Weiss, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Gebrüder Weiss GmbH. Gebrüder Weiss hat bereits in der Schweiz einen H2-betriebenen LKW im Einsatz. Auch für Peter Umundum, Vorstand der Österreichischen Post AG ist klar: „Um Emissionen im Schwerverkehr zu reduzieren, müssen wir jetzt die Wasserstoffmobilität vorantreiben. Gemeinsam mit anderen sind wir als Fuhrparkbetreiber bereit, einen Teil der Mehrkosten zu tragen. Am Beginn der Transformation braucht es aber auch Unterstützung der öffentlichen Hand.“

Die Umsetzung von 2.000 LKWs betrieben mit Wasserstoff soll der Startschuss für den Aufbau einer heimischen Wasserstoffindustrie sein. Wasserstofftankstellen sind aktuell sechs von der OMV jedoch für H2-PKW-Tankstellen in Betrieb, vier für den Schwerverkehr sollen in Niederösterreich, Oberösterreich und im Süden Österreichs errichtet werden.  „Für Unternehmen in Österreich bietet sich die Chance, in den Aufbau der Infrastruktur zu investieren und eine führende Rolle in der weltweiten Lieferkette für die Produktion von Wasserstoff-LKW einzunehmen“, ist Rolf Dreisbach, Geschäftsführer der AVL List GmbH überzeugt. Die Produktion von grünem Wasserstoff bedeutet ein Insourcing von Treibstoffen in heimische Produktionen von nachhaltigem Strom und würde Österreich wieder ein Stück weit unabhängiger machen.

Rolf Dreisbach, Peter Umundum, Alexander Kainer, Wolfram Senger-Weiss