Warum Frankreich für unsere Firmen attraktiv ist

Der französische Botschafter in Österreich, Gilles Pécout, knüpft Beziehungen für eine engere Zusammenarbeit. Größter heimischer Investor in Frankreich ist XXXLutz.
Autor: Klaus Schobesberger, 31.05.2022 um 13:09 Uhr

Baguette, Bocuse, Bulgari: Frankreich ist für seine Küche berühmt, Geschichte und Landschaft locken jährlich Millionen Touristen an und die großen Pariser Luxus-Marken sind weltweit begehrt. Weniger bekannt ist, dass immer mehr ausländische Investoren – darunter viele österreichische Unternehmen - Frankreich als Standort für Neuansiedelungen entdecken. Auch für Oberösterreich ist die „Grande Nation“ ein zentraler Wirtschaftspartner und rangiert auf Platz fünf unter den wichtigsten Exportmärkten. Derzeit sind 58 oberösterreichische Unternehmen mit 83 Niederlassungen vor Ort vertreten. Und: Frankreich ist inzwischen die Nummer zwei als Zielland für österreichische Direktinvestitionen, sagt der französische Botschafter in Österreich, Gilles Pécout, im Gespräch mit CHEFINFO. Der größte heimische Investor in Frankreich kommt mit der XXXLutz-Gruppe aus Oberösterreich. Der Welser Handelskonzern hat gemeinsam mit einem US-Investor zwei Möbelketten übernommen und ist heute das größte Einrichtungshaus Frankreichs.

Unternehmerland Frankreich

Was macht Frankreich attraktiv? Botschafter Pécout sagt, dass unter Präsident Emmanuel Macron zahlreiche Reformen durchgeführt wurden, die es für ausländische Investoren einfacher machen. Außerdem sei das Image von Frankreich, das über Jahre von Bürokratie und Behäbigkeit behaftet war, heute ein anderes. Das würden auch Gespräche mit österreichischen Unternehmern und Managern bestätigen, die sagen, dass es heute viel einfacher sei, in Frankreich zu investieren und Unternehmen zu gründen, erzählt Pécout. Endlose Streiks und lähmende Bürokratie – das war einmal. In Frankreich dauert es heute im Schnitt nur 3,5 Tage ein Unternehmen zu gründen. Das Land ist damit Spitzenreiter innerhalb der EU. Frankreich verfüge über besonders qualifizierte und produktive Arbeitskräfte. Der Arbeitskräftemangel treffe Frankreich auch, aber im Unterschied zu Österreich oder Deutschland herrsche dank der vielen Hochschulabgänger nicht dieser Mangel an Technikern und Ingenieuren. Die attraktivsten Bereiche für österreichische Unternehmen seien erneuerbare Energie (Windparks), Verpackung und vor allem der Automobilsektor.

 

Thomas Stelzer und Gilles Pécout in Linz

Ein Netzwerker in Oberösterreich

Gilles Pécout, der seit September 2020 Botschafter Frankreichs in Wien ist, sieht seine Aufgabe als Netzwerker. „Oberösterreich ist die dynamischste Wirtschaftsregion Österreichs. Ich denke, wir sollten mehr daraus machen und enger zusammenarbeiten. Wir haben Raum für Investoren - und umgekehrt kommen auch französische Unternehmen nach Oberösterreich  und Österreich“, sagte er im Interview mit CHEFINFO. Pécout hat Landeshauptmann Stelzer bei einem zweitägigen Arbeitsbesuch letzte Woche getroffen und sprach auch mit Meinhard Lukas, dem Rektor der Johannes-Kepler Universität und Brigitte Hütter, Rektorin der Kunstuniversität bezüglich einer Forcierung des Austauschs von Wissenschaft und Forschung. Auch mit der Ars Electronica gibt es seit Jahren enge Verbindungen.