Volksbanken-Verbund: ein lachendes und ein weinendes Auge

Das erste Halbjahr schließt der Volksbanken-Verbund mit einem starken Nettoergebnis von 76,2 Millionen Euro. Risikovorsorgen wurden aufgelöst, weniger gebildet. Einmaleffekte blieben aus.
Autor: Verena Schwarzinger, 31.08.2022 um 13:15 Uhr

Die Jahreshälfte ist um: der Volksbanken-Verbund blickt auf ein positives Halbjahrsergebnis zurück. Der Zinsüberschuss stieg um drei Prozent auf 203,6 Millionen Euro und auch der Provisionsüberschuss steigerte sich mit einem Plus von vier Prozent auf 132,7 Millionen Euro. Risikovorsorgen wurden 2022 deutlich mehr aufgelöst als im Jahr zuvor. Das Ergebnis im Risikobereich liegt daher bei 11,8 Millionen Euro. Das Nettoergebnis zeigt 76,2 Millionen Euro - ein Minus von 16,4 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Gerald Fleischmann, Sprecher des Volksbanken-Verbundes und Generaldirektor der VOLKSBANK WIEN AG, zeigt sich mit den Ergebnissen zufrieden: „Trotz des unsicheren geopolitischen Umfelds und der stark gestiegenen Inflation konnten die Volksbanken im 1. Halbjahr 2022 die Risikopositionen weiter reduzieren und eine Verbesserung ihres Ratings erzielen.“ Die Agentur Fitch hat das Rating des Volksbanken-Verbundes, das zugleich auch für alle Verbund-Banken gilt, Ende Juli 2022 von „BBB“ auf „BBB+“ angehoben. Ausschlaggebend dafür waren vor allem die gute Kreditqualität, die gesteigerte Ertragskraft, die höhere Kapitalisierung sowie die sehr gute Liquiditätssituation.

Grün, lokal und ernergiesparend

Das Thema Nachhaltigkeit und die steigende Nachfrage zeigt sich auch in einer Volksbank-Umfrage: 39 Prozent der Unternehmen setzen auf die Reduzierung von Energiekosten, beispielsweise mit der Installation einer Photovoltaik-Anlage. Laut der Umfrage des GALLUP-Instituts erwarten sich die Befragten eine Einsparung durch diverse Maßnahmen von rund 20 Prozent. Darunter sind der Einsatz von alternativen Energiequellen sowie generell ein effizienter Energieeinsatz.

Der Verbund fokussiert auch intensiv die Gründung von Energiegenossenschaften in Koopertion mit dem Österreichischen Genossenschaftsverband sowie mit der PowerSolution Energieberatung GmbH. Zudem plant das Wiener Institut die Ausgabe von nachhaltigen Anleihen und hat sich dazu unter anderem bereits einem Nachhaltigkeitsrating unterzogen, das mit einem ESG Risk Rating Score von 17,4 in der ‚Low ESG Risk‘ Kategorie bewertet wurde.

Schärfere Kreditvergaben brauchen mehr Beratungskompetenz

Im Ausblick auf die verbleibenden Monate zeigt sich der Volksbanken Verbund vorsichtig optimistisch: „Die steigenden Zinsen unterstützen, allerdings gehören ein zu starker Zinsanstieg, eine dauerhaft hohe Inflation sowie eine längere Rezession zu den wirtschaftlichen Hauptrisikofaktoren.“ Seit 1. August 2022 sind die Vergabekriterien bei Krediten mit einer 20-prozentigen Eigenkapitalsquote verschärft worden. Fixzinsvereinbarungen werden von den Bankexperten empfohlen. Zugleich rechnet Fleischmann damit, dass sich der Finanzierungsbedarf verstärkt vom Immobilienbereich auf das generelle Kommerzkundengeschäft – und hier vor allem auf KMU – verlagern wird.