Umweltpionier ÖkoFEN: Nachhaltigkeit in der Firmen-DNA

Wie sehr ÖkoFEN den Puls der Zeit trifft, beweist allein das enorme Wachstum in den letzten zwei Jahren: Der Pelletheizungsbauer hat seinen Umsatz verdreifacht. Das war nicht immer so – doch das Durchhalten der Auf und Abs hat sich gelohnt.
Autor: Klaus Schobesberger, 23.06.2022 um 00:00 Uhr

Es ist eine dieser Bill Gates ähnlichen Geschichten: Herbert Ortner schmiss im Jahr 1989 seinen sicheren Job hin, um im umgebauten Kuhstall seiner Schwiegereltern in Niederkappel moderne Holzheizungen zu bauen. Heuer peilt sein Unternehmen ÖkoFEN einen Umsatz von 260 Millionen Euro an, im Sommer wird die 150.000ste Heizung ausgeliefert. Allein in den vergangenen zwei Jahren hat sich der Umsatz verdreifacht. 2021 wurden 25.000 Heizungen produziert und vom Mühlviertel aus vor allem in ganz Österreich und Deutschland verkauft. Hohe Energiepreise, Klimaerwärmung – das Unternehmen trifft genau den Puls der Zeit und profitiert vom wachsenden Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Umweltaktivisten und Menschen, die vor dem Klimawandel warnten, wurden noch belächelt, als sich Herbert Ortner (66) schon mit der Frage beschäftigte: Welche Energien verwenden wir in Zukunft? „Ich dachte mir: Wir sitzen hier im Wald und haben eigentlich die Tradition, mit Holz zu heizen – aber das war halt nicht so bequem wie mit Öl. Also wollte ich eine Technologie entwickeln, mit der das Heizen mit Holz automatisiert werden kann.“ Die erste Hackschnitzelheizung war
geboren. Die Anfangsjahre waren schwierig, Hackschnitzelheizungen für Einfamilienhäuser ser zu etablieren quasi unmöglich. Doch mit der Entwicklung der weltweit ersten typengeprüften Pelletheizung war 1997 der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Seitdem reihte sich Innovation an Innovation bis hin zum stromautarken Haus dank einer Pelletheizung, die nicht nur für Wärme, sondern auch für Strom sorgt. Das Unternehmen erhielt schon Dutzende Auszeichnungen, zuletzt das Österreichische Umweltzeichen 2022 für alle Pelletsheizungen.

2007 kurz vor Konkurs, jetzt Umsatzrekorde

Dass momentan die Pellets wie alles andere auch teurer werden, sehen Herbert und sein Sohn Stefan Ortner gelassen. „Die Zeiten der billigen Energien sind für eine Zeit lang vorbei, weil wir uns sehr von fossilen Trägern abhängig gemacht haben. Es war noch nie so schwierig wie jetzt, für die nächsten Monate oder Jahre zu planen, doch wir sind als Branche erwachsen geworden und haben uns etabliert.“ Das war 2007 noch ganz anders: Da stand ÖkoFEN kurz vor dem Konkurs. Die Verkaufszahlen brachen innerhalb eines Jahres um 70 Prozent ein, weil der Pelletspreis durch die Decke ging. In Belgien hatte man begonnen, Pellets in Kraftwerke zu verfeuern, die Balance zwischen Angebot und Nachfrage geriet aus dem Gleichgewicht. Der Preissprung hielt die Kunden davon ab, eine Pelletheizung zu kaufen. „Zum Glück kamen schnell neue Pelletsproduzenten auf den Markt und der Ölpreis stieg gleichzeitig enorm – so konnten wir die Delle gut überstehen“, erinnert sich Herbert Ortner.

Wir leben unsere Einstellung – Authentizität als Erfolgszutat Nummer zwei neben der Nachhaltigkeit.

In sechs Monaten 200 neue Mitarbeiter

In den letzten zwei Jahren nahm das Geschäft so richtig Fahrt auf. Um der Nachfrage gerecht zu werden, wurde die bestehende Produktionshalle verdoppelt. Während die Bauarbeiten noch liefen, wurden Gebäude angemietet, um die Fertigung parallel schon hochfahren zu können. „Wir wollen alles dafür tun, dass wir weiterhin lieferfähig sind. Man spürt bei den Kunden teils schon Verzweiflung, weil sie sich das Öl einfach nicht mehr leisten können“, so Stefan Ortner. Derzeit könne man die Lieferzeit von vier bis acht Wochen halten. Dafür wurden allein seit Oktober vergangenen Jahres 200 neue Mitarbeiter eingestellt. Wie das geht in Zeiten des Fachkräftemangels? „Produktionsmitarbeiter zu finden läuft problemlos. Wir haben jeden Monat etwa 50 bis 80 Bewerbungen am Tisch. Wir haben uns einen gewissen Ruf als Arbeitgeber erarbeitet. Man kann sich in unserer Region auch nicht verstellen und muss authentisch sein.“ Sein Vater ergänzt: „Wir haben immer versucht, unsere Beschäftigten als Mit-Arbeiter zu sehen und nicht als Arbeitnehmer, der halt seinen Job hier macht. Es kann jederzeit jeder zum Chef kommen, wenn er ein Anliegen hat. Wir haben die Kultur der offenen Bürotür.“

Gemeinsame Vision ist das Erfolgsrezept

Herbert Ortner hat sich in den letzten Monaten aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und steht nur noch für „besondere organisatorische Aufgaben“ zur Verfügung. Seine Frau Elfriede ist bereits in Pension. Zuvor führten die Seniors mit ihrem Sohn die Geschäfte mehr als zehn Jahre gemeinsam. An größere Konflikte können sie sich nicht erinnern. Für Stefan Ortner steht außer Frage: „Das liegt vor allem daran, dass wir immer die große gemeinsame Vision hatten. Da ergibt sich vieles am Weg von selbst, wenn man das Ziel im Auge behält.“ Die gemeinsame Vision also als Erfolgsrezept. „Die Nachhaltigkeit ist in unserer DNA als Firma festgeschrieben, das war der Antrieb der Gründung“, bestätigt Herbert Ortner. „Das spiegelt sich im ganzen Unternehmen wider, in all unseren Produkten, in uns selbst und wie wir privat leben und auch wie wir mit unseren Mitarbeitern umgehen“, so der Seniorchef. Also bauen die Ortners alle Gebäude aus Holz, haben eine Photovoltaikanlage, fahren Elektroautos  und stellen solche auch ihren Mitarbeitern zur Verfügung. „Wir leben unsere Einstellung – Authentizität als Erfolgszutat Nummer zwei.“

Produkte sparten bereits 10 Mio. Tonnen CO2

Sein Sohn ergänzt: „Es dreht sich einfach alles darum, uns allen eine lebenswerte Zukunft zu erhalten.“ Eine Pelletheizung, die eine Ölheizung ersetzt, spart acht Tonnen CO2 ein. Die Pellets dafür kommen aus der Region und sind Sägereststoffe. „So konnten durch die ÖkoFENProdukte seit Firmengründung bereits zehn Millionen Tonnen CO2 eingespart werden“, berichtet Stefan Ortner nicht ohne Stolz. Und trotzdem bleibt er extrem bescheiden: „Man darf sich selbst nicht zu wichtig nehmen. Ich bin froh, dass die Firma nicht Ortner heißt. Es arbeiten immerhin 800 Menschen daran, dass das so gut funktioniert.“

Man darf sich selbst nicht zu wichtig nehmen. Ich bin froh, dass die Firma nicht Ortner heißt.