Übernehmen jetzt die Digitalen?

Andi Schwantner lebt für Kommunikation – persönlich, analog und digital. Er gilt in Oberösterreich als „Mister LinkedIn” und zeigt auf der Businessplattform seine Expertise rund um New Work, Change und Co.
Autor: Verena Schwarzinger, 22.11.2022 um 07:58 Uhr

Bis Ende des Jahres sind es 1,9 Millionen. Also beinahe zwei Millionen Menschen, die die internationale Businessplattform LinkedIn in Österreich nutzen. Weltweit tauschen sich rund 850 Millionen User hier  aus. Man trifft CEOs, Führungskräfte, Manager und Fachkräfte. „LinkedIn bietet nicht Schülern, Lehrlingen oder dem ,einfachen‘ Arbeiter eine Plattform. Bei LinkedIn sind vier von fünf Usern Entscheidungsträger mit doppelt so hohem Einkommen als herkömmliche Webnutzer“, weiß Andi Schwantner, ehemaliger Journalist und seit Oktober 2021 selbstständiger Unternehmensberater und  Experte für digitale Kommunikationsstrategien. Nach 23 Jahren bei der größten Tageszeitung Österreichs und als Vorantreiber des Changes der Printbranche  hin zu crossmedialer Kommunikation hat  sich der Familienvater nun dem Netzwerken und dem Austausch verschrieben – auf LinkedIn versteht sich.

Arbeitsmarkt 4.0

LinkedIn gilt als Spiegelbild des echten Geschäftslebens. Führungskräfte sind mit ihren Mitarbeitern, Partnern und Kunden im Gespräch. Von Experten werden zu unterschiedlichsten Themen Meinungen und Fachwissen gepostet, neue Kontakte werden geknüpft, die HR-Abteilung findet passende Mitarbeiter. „Es geht darum sich auszutauschen, Kontakte zu pflegen oder aufleben zu lassen. Ein wertschät-zender Umgangston und sachliche Kritik zeichnen LinkedIn aus.“ Vor allem ist die klassische Mitarbeitersuche passé und findet auf der Businessplattform ein neu-es Zuhause, denn als Unternehmen sollte man dorthin, wo potenzielle Kollegen sind. „Ich muss mich als Unternehmen da positionieren, wo zukünftigen Mitarbeiter sind, und mich bei ihnen in die engere Auswahl bringen, wenn sie überlegen, den Job zu wechseln“, so Schwantner. 95 Bewerbungen werden pro Sekunde via LinkedIn eingereicht, dem stehen über 15 Millionen offene Stellenausschreibungen gegenüber. Und jede Minute werden mittels LinkedIn sechs Personen neu eingestellt. Diese Zahlen aus LinkedIn-Statistiken 2022 sagen wohl alles.

Unternehmen gehen ja auch zum Steuerberater, also warum nicht in puncto Kommunikation frischen Wind durchziehen lassen?

Was, wie und wann

Ein Umdenken muss stattfinden, veraltete Mediendenke abgelegt werden. Denn um News aus den Unternehmen oder aus der Branche zu erfahren, greifen Journalisten nicht mehr zum Hörer, sondern che-cken Social-Media-Feeds. „Ein Posting kann in den digitalen Medien enorme Reichweite generieren. Der richtige Inhalt mit den passenden Hashtags – und ein Post geht durchaus ab durch die Decke. Nur aus der Zeitung zu lachen ist heute nicht mehr zeitgemäß“, lehrt Schwantner auch in seinen Workshops, die international agierende Unternehmen ebenso annehmen wie ein Einpersonenunternehmen. Denn ist man in seiner Bubble gefangen, wird Unterstützung von außen angenommen. „Unternehmen gehen auch zum Steuerberater, also warum nicht in puncto Kommunikation und neue Medien die Türen öffnen und frischen Wind durchziehen lassen? Die Scheu, aber auch die Angst muss eindeutig noch mehr genommen werden.“

10-5-5-Regel

Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg. Wichtig ist auf LinkedIn eine positive und vor allem authentische Kommunikation. „Ich rate davon ab, das Ghostwirter Postings vorschreiben oder den Mitarbeitern Vorschriften gemacht werden, wie sie agieren sollen. Eine Anleitung fördert, aber dann sollte man frei arbeiten lassen und vertrauen“, so der Linzer, der aktuell zwei Monate in den USA verbrachte. Auf die Frage, was als Neuling gepostet werden soll, antwortet der Experte mit der 10-5-5-Regel. „Zehn Likes und fünf Kommentare pro Tag und das fünf Tagen die Woche – so verschafft man sichzum Start Kontakte, Interaktionen und Reichweite.“

Mit Kommunikation zum Erfolg

LinkedIn funktioniert mittels Kommunikation – nicht persönlich, sondern durch Interaktionen. Likes werden vergeben, Kommentare verfasst. Der Austausch untereinander führt auch zu Neukun-den oder innovativen Ansätzen für das Geschäftsfeld. „Ich habe noch nie Kaltakquise betrieben. Ich baue mein Netzwerk aus, pflege dieses, tausche mich aus und poste mein Know-how und meine Erfahrungen. So erhalte ich Termine bei CEOs und wir plaudern“, sagt Schwantner und ergänzt: „Manchmal bleibt es beim Kaffee, manchmal ergibt sich mehr. Bis jedoch der amerikanische Spirit – nach einem Pitch fünf Kontakte, die weiterhelfen oder die ebenso an diesem Punkt stehen – einzieht, dauert es noch an.“