Startup Monitor 2021: Oberösterreich ist Startup-Hochburg

In keinem Bundesland werden mehr B2B-Startups gegründet als in Oberösterreich. Startups, die Umfragen besser machen, digitale Services an den Markt bringen oder gar die gesamte Paketlogistik auf den Kopf stellen. Kurzum: Startups, die die Wirtschaft verstehen und heute Probleme von morgen lösen
Autor: Jürgen Philipp, 27.04.2022 um 09:16 Uhr

REDEM: Anti-Beinschab-Tool

Geschönte Umfragen oder fehlerhafte Pandemiedaten: Die (mangelnde) Qualität von Daten ist in aller Munde. Redem will damit aufräumen und Datenqualität auf ein neues Level heben. Dazu brachte das Startup eine „Survey Data Cleaning Platform“ auf den Markt. „Wir haben ein Konzept entdeckt, wo man mit projektiven Kontrollfragen die Qualität von Befragungen bewerten und verbessern kann“, erzählt CEO Florian Kögl, der im März 2020 das Startup gründete und das in einer Zeit wo die Marktforschung stillstand. Dennoch war der Zeitpunkt nicht schlecht: „Das Bewusstsein für Datenqualität ist durch die Pandemie gestiegen. Diverse Skandale waren ein Boost." Momentan ist das Startup im DACH-Raum aktiv, in weiterer Folge soll aber weltweit ausgerollt werden. Das große Ziel: „Redem soll zum Qualitätssiegel für Datenqualität werden. Momentan behandeln wir nur Befragungsdaten, langfristig sollen es aber auch andere Daten sein, die in der Marktforschung relevant sind.“

AUTONOMA: Ruckzuck-Markt

Wenn Anlagen- und Maschinenbauer neue Services anbieten, steckt dahinter ein jahrelanger Entwicklungsprozess. Autonoma aus Linz verkürzt diesen Zeitraum auf ein paar Monate. Ein IoT- (Internet of Things), ein Digitalisierungs- und ein Cloud-Experte treffen aufeinander und gründen Autonoma.iot, ein Startup, das Maschinen-, Anlagen und Prozessdigitalisierung beschleunigt und neue Geschäftsbereiche für die Industrie eröffnet. Florian Bauernfeind, Florian Haselhofer und David Gumpinger haben alle Industriehintergrund. Autonoma startete im Mai 2021. Die Plattform löst mehrere „Pains“ großer Industriebetriebe. „Wir reduzieren den time-to-market. Statt drei bis vier Jahre Entwicklungszeit verkürzen wir diesen Prozess auf drei bis sechs Monate Implementierung. Softwareentwicklung ist keine Kernkompetenz von Maschinen- und Anlagenbauern. Mit uns haben sie kein Risiko mehr bei der eigenen Softwareentwicklung.“ Das bringt: „Ein Umsatzpotenzial von bis zu 30 Prozent des Maschinen- bzw. Anlagenwertes jährlich, je nach MTTR (Anm.: Mean-Time- To-Repair) beim Maschinen- bzw. Anlagenbetreiber.

BOOXIT: Out of the Box

Sie waren mit ihren Werkzeug- und Ersatzteilkisten für den Rennsport unzufrieden. Diese Unzufriedenheit führte zu BOOXit, das gleich die gesamte Paketlogistikbranche auf den Kopf stellen soll. Peter Entenfellner und Andreas Holzleithner gründeten das Startup. Bei einem Praxisprojekt Holzleithners an der Industrial Design Universität Linz kam die zündende Idee. „Eine neuartige Box, die viele Grundfunktionen genial in sich vereint in einem neuen Paketlogistiksystem.“ Die TGW in Wels bestätigte den Weg der beiden. „Wir machen aktuell gemeinsam mit internationalen Partnern aus dem EU-Raum erste Pilotprojekte, um die Technologie dann weltweit auszurollen.“ BOOXit will dabei nicht mehr und nicht weniger, als zum „ersten Standard im Paketlogistikbereich werden. Unsere Vision ist es zum technologischen Frontrunner in der Branche zu werden.“

MESHNOMO: Absurd? Keineswegs!

Manchmal braucht es oberflächlich betrachtet absurde Denkweisen, um technische Probleme zu lösen. Bugra Akin etwa automatisierte die komplexe Meshberechnung. Computational Fluid Dynamics (CFD) ist sein Fachgebie. Ein Gebiet, bei dem es um aerodynamische und thermodynamische Berechnungen zur Auslegung etwa von Fahrzeug- und Flugzeugkomponenten geht. Faktoren, die direkten Einfluss auf die Verbesserung eines Produkts punkto Effizienzerhöhung oder Schadstoffreduktion haben. Die CFD-Berechnungen sind äußert komplex. Einer der Faktoren, die zu den Schwierigkeiten beiträgt, ist der Mesh. Akin setzt dabei auf 3D-Druck. In kürzester Zeit programmierte er einen Algorithmus, mit dem er die Präzision bei der additiven Herstellung steigerte.

HUFORCE: WWW - wer weiß was?

Die Schachkollegen Jan Schweiger und Manuel Sandner schufen HuForce. Dies steht für Human Force, weil das Startup Menschen ermöglicht, schnell an Wissen zu kommen, und sie so ihr Potenzial besser entfalten könnten, statt stundenlang in öden Dokumentensuchen zu verbringen. Gelöst wird dies nicht mit einem weiteren Dokumentations- Tool, das zusätzlich Arbeit bereitet, sondern: „Wir sind vielmehr ein Google für das Unternehmenswissen.“ Die firmeninterne Suchmaschine durchsucht daher nicht nur eingesetzte Tools wie SharePoint, Confluence, Microsoft Teams usw., sondern fragt bei Experten im Unternehmen automatisch nach. „Das Unternehmenswissen steckt sowohl in der Dokumentation als auch in den Mitarbeitern. Mit unserer einzigartigen Kombination aus Suche und Fragesystem, können wir beides erfassen. Darüber hinaus identifiziert unsere Künstliche Intelligenz die richtigen Experten für ein Problem.“ Aktuell wird an einer Seed-Investmentrunde gearbeitet.