Peter Nader: "Ich bin ein Brückenbauer"

Chefinfo: Herr Nader, nach dem Streit in der Führung stand die Zukunft des Vereins auf des Messers Schneide. ­Warum haben Sie in dieser Phase die Präsidentschaft von Peter Freunschlag übernommen?
Peter Nader: Ich wollte meinen Job als Vizepräsident schon zurücklegen und mich wieder ganz meiner Arbeit als Anwalt widmen. Aber einige Sponsoren sind an mich herangetreten, die meinten, sie würden den Verein weiter unterstützen, wenn ich die Präsidentschaft übernehmen würde. Zum anderen bin ich seit Jahren im Vereinssport verankert. Es gibt nichts Schöneres auf der Welt, als mit Sport Menschen Freude zu bereiten. Das sieht man jetzt an der Aufbruchsstimmung und dem Motto „Black is back“.

Wie verliefen die Gespräche mit den Sponsoren?
Nader: Es war nicht einfach, die Geldgeber wieder ins Boot zu holen. Mit dem Streit kam auch die finanzielle Krise, weil die Hauptsponsoren abgesprungen sind. Das hätte die sichere Pleite bedeutet, wenn in dieser Phase nicht die Firma Steinbach als Hauptsponsor eingestiegen wäre. Es war ein Wunder, dass wir das überstanden haben. Ich sehe mich als Brückenbauer. Es bedurfte vieler Gespräche und Überzeugungsarbeit. Jetzt sind wir wieder gut aufgestellt, haben eine tolle Führung und mit der Stadt Linz sowie der Oberösterreichischen Versicherung weitere wichtige Partner an Bord.

Was reizt Unternehmen mitzumachen?
Nader: Eishockey hat eine riesige Fan-Gemeinde, das wird in den Gesprächen mit den Sponsoren deutlich. Die meisten sind nicht nur einfach Geldgeber, sondern sie sind richtig heiß aufs Eis. Eishockey ist ein erdiger und schneller Sport. Fußball wirkt oft abgehoben mit seinen Stars – bei uns zählt das Team, die Mannschaft. Wir haben im Publikum einen sensationell hohen Frauenanteil von 40 Prozent. Auch die Stimmung ist nicht aufgeheizt aggressiv, sondern angenehm. Das ist mit ein Grund für die enorm wachsende Fangemeinde gewesen. Geholfen hat der hohe Bekanntheitsgrad der Marke. Und schließlich ist der VIP-Bereich ein Anziehungspunkt und Netzwerkfaktor. Hier treffen sich Wirtschaftstreibende und reden miteinander. Sponsoren wissen: Sie bekommen einen Mehrwert zurück.

Das Hockey-Business ist ein Kampf um Goals und Geld. Kann man Vergleiche zu einem Unternehmen ziehen?
Nader: Auf jeden Fall. Wir sind wie ein Familienunternehmen, bei dem allerdings nicht die Vorstandsmitglieder, sondern die Spieler im Zentrum stehen. Gemessen an den monatlichen Umsätzen sind wir ein richtiger Wirtschaftsbetrieb, auch wenn die Budgetplanung eine andere ist. Sportliche Erfolge sind wichtig, denn damit fließt auch Geld in die Kassen. Andererseits zeigte sich, dass der Erfolg der letzten Jahre auch zum Problem werden kann. Der Verein ist strukturell nicht in diesem Ausmaß mitgewachsen. Mein Ziel ist es, einzelne Bereiche auszubauen, Kompetenzgruppen und Teams zu formen etwa beim Marketing oder Merchandising. Rechtlich haben wir klare Strukturen geschaffen: Es gibt nur noch eine GmbH mit dem Verein als Hauptgesellschafter.

Wie wichtig sind Fan-Produkte?
Nader: Für uns ein ganz wichtiger Bereich. Beim Fußball kaufen nur Hardcore-Fans Merchandise-Artikel, beim Eishockey ist fast jeder dabei. Viele Leute identifizieren sich mit der Marke. Daher ist mein Credo: Den Österreich-Anteil an Spielern zu vergrößern und längere Verträge mit den Legionären abzuschließen, um die emotionale Bindung zu den Spielern dauerhaft zu stärken. Auch den eigenen Nachwuchs für die Mannschaft hochzuziehen, ist zukunftsentscheidend.

Wie wichtig sind die Steinbach Black Wings Linz für eine Stadt?
Nader: Sport ist Emotion und daher kann man damit mehr Menschen aller Gesellschafts- und Altersschichten erreichen als in anderen Disziplinen. Bei Siegen und Meistertiteln feiert die ganze Stadt am Hauptplatz mit, darunter viele Menschen, die von Eishockey keine Ahnung haben. Auf Kinder übt dieser Sport eine große Faszination aus. Kinder brauchen Vorbilder. Und Sport ist eine wichtige Lebensschule: Du musst Autoritäten akzeptieren und pünktlich zum Training erscheinen, du arbeitest hart daran, Ziele zu erreichen, lernst Verantwortung für andere Spieler zu übernehmen und dich in das Team einzufügen. Vereinssport hat für mich eine hohe soziale Komponente. Es ist wie im wirklichen Leben, wo du auch nicht als Super-Boss beginnen kannst.

Autor: Klaus Schobesberger, 08.11.2021