Fasten your Business
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Klaus Rebernig kennt das Leben als gehetzter Spitzenmanager. Jahrelang war er für große Ketten international unterwegs, ständig am Sprung, ständig unter Strom. Bis er den Entschluss fasste, sich selbstständig zu machen und – durch eine Verkettung von bewussten Entscheidungen und zum Teil zufälligen Umständen, wie finanziellen Schwierigkeiten des Stiftes Geras – plötzlich mit einem Pachtvertrag eines Waldviertler Klosters dastand. Das war vor über 22 Jahren. „Ich blieb erst einmal einen Sommer lang in Pernegg und dachte nach. Dort oben war absolut nichts los. Während es in Wien selbstverständlich ist, dass der Nachbar am Sonntag den Rasenmäher startet, hört man dort vielleicht ein Moped am Tag.“ Diese Stille inspirierte ihn dazu, den Marktführer bei Fastenhotels zu etablieren. „Heute haben wir 150 Kurse pro Jahr. Das Besondere ist, dass jeder Kurs ein Motto hat: Wandern, Malen, Sport, Golf oder der pure Rückzug.“ Dazu gibt es verschiedene Fastenmethoden, etwa das Buchinger-Heilfasten mit nur 250 Kalorien am Tag oder das Intervallfasten mit etwa 1.000 Kalorien und veganer Kost. „Neu ist das Scheinfasten von Valter Longo. Er hat sich mit Krebstherapien und Fasten beschäftigt. Ein fastenerfahrener Mensch steckt Therapien viel leichter weg. Der Autophagieprozess der Zellerneuerung funktioniert auch damit. Man muss nicht 16 Stunden am Stück fasten.“ Rebernig geht es dabei immer um die Wissenschaftlichkeit. „Wir befreien etwa das Scheinfasten aus dem Esoterik-Eck.“
„Die Gruppe heilt“
Einer der wichtigsten Eckpfeiler des Fastens ist für ihn die Gruppe, denn „die Gruppe heilt“. Da vieles in der Gruppe passiert und diese von erfahrenen selbstständigen Fastenbegleitern geführt werden, ist der Betrieb überschaubar. „Meine Kollegen sind oft ein wenig neidisch, wenn ich beim Silvesterkurs schon um 21 Uhr im Bett bin, während sie mit ihren Gästen bis vier Uhr Früh durchzechen müssen.“ Rebernig traf damit nicht nur bei anderen Gastronomen einen Nerv: „Wir haben in den 1970ern Hallenbäder gebaut, in den 1990ern Seminarhäuser und jetzt kommt der große Gesundheitstrend im Tourismus“, so der gebürtige Trauner. Fasten ist dabei mehr als Wellness. Es bedeutet auch, Zeit für sich zu haben, „Zeit, sein Leben zu reflektieren, Zeit für einen Reset, besonders bei Führungskräften und Unternehmern“.
Raus aus dem „Turboleben“
Im Curhaus Bad Mühllacken begleitet Elisabeth Rabeder, Leiterin des Hauses, seit Jahrzehnten Menschen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft durch diese bewusste Auszeit. „Menschen brauchen Fasten mehr denn je. Wenn man den Mut dazu hat, sich darauf einzulassen, ist Fasten das Kostbarste, was man sich gönnen kann“, berichtet Rabeder. Besonders Führungskräfte aus sogenannten „Turboleben“ erleben den radikalen Kontrast. Einer von Rabeders Kunden war ein international tätiger Diamantenhändler. Der meinte zur ihr: „Ich brauche diese Woche so dringend, um mich zu erden. Eine Woche in Bad Mühllacken ist so erholsam wie vier Wochen Karibik.“ Fasten ist dabei pure Konfrontation – Konfrontation mit sich selbst und das ist manchmal „beinhart“, weiß die Fastenbegleiterin. Sie sieht daher den bewussten Verzicht nicht als kurzfristigen Reset, sondern als nachhaltigen Lernprozess. „Das Ziel ist es, den Gästen Werkzeuge mitzugeben, die sie im Alltag einsetzen können.“
Durch Minimalismus zum Maximum
Der Lohn der Mühen sind nicht nur ein paar Kilo weniger, sondern „eine Reduktion, die vor allem mentale Klarheit schafft“. Viele Gäste stehen vor wichtigen Entscheidungen – um den rechten Weg zu finden, braucht es zuerst die Leere: „Wenn ein Gefäß voll ist, muss ich es erst leeren, damit ich es wieder neu befüllen kann“, erklärt sie. Des Weiteren haben Gehirn und Emotionen mehr Energie, denn „rund 35 Prozent der täglichen Energie fließen in die Verdauung – Energie, die beim Fasten für Denken, Reflexion und Entscheidungsfindung frei wird“. Die reduzierte Kost, die Stille der Umgebung und die bewusste Reizarmut, die nahezu alle Fastenhäuser kennzeichnen, erzeugen ein minimalistisches Biotop. Minimalismus versteht Rabeder dabei nicht als Verzicht, sondern als Effizienzprinzip: „Minimalismus heißt, das Maximale rauszuholen.“ Minimalistischer wird auch der Konsum von digitalen Endgeräten. Das Curhaus hat einen eigenen „Handy-Tresor“, in denen die Gäste freiwillig ihre Smartphones abgeben können. Zwang herrscht dabei keiner. „Jeder hat die Wahl – wie bei einem großen Buffet“. Nur, dass das Fastenbuffet hier oft ziemlich karg ist. Und doch, so die Fastenbegleiterin, verbindet das gemeinsame Erlebte auf einer tieferen Ebene: „Ob Generaldirektor, Spitzenpolitiker oder Erdäpfelbäuerin – beim Fasten sind alle gleich. Es gibt keine Wertung.“