"Oberösterreich kommt besser durch die Krise"

Bevor Landeshauptmann Thomas Stelzer am 12. Jänner im Rahmen einer Pressekonferenz einen Ausblick auf die wirtschaftliche Entwicklung und den oberösterreichischen Arbeitsmarkt im Jahr 2021 gab, warf er noch einen Blick zurück auf das vergangene Jahr: „Hinter uns liegt ein Jahr, das sich so niemand vorgestellt hat. Bei allen Unsicherheiten brauchen wir zu Jahresbeginn 2021 möglichst klare Orientierung, wie sich Arbeitsmarkt und Wirtschaftslage in Oberösterreich entwickeln werden.“ Als Grundlage für weitere Entscheidungen wurden daher zwei renommierte Repräsentanten der österreichischen Wirtschaftsforschung eingeladen, um ihre Expertise einzubringen. Christoph Badelt gab als Leiter des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) einen Ausblick auf die absehbare weitere wirtschaftliche Entwicklung insbesondere in Oberösterreich. Monika Köppl-Turyna, Direktorin des Forschungsinstituts EcoAustria, befasste sich in ihrer Analyse mit den Entwicklungen auf dem regionalen Arbeitsmarkt.

Zitat Thomas Stelzer

Niedrigere Arbeitslosigkeit und starker Export

„Bisher sind wir in Oberösterreich bei aller Dramatik und allen Einzelschicksalen weitgehend besser durch die Krise gekommen als andere Regionen“, leitet Landeshauptmann Stelzer aus den Expertenanalysen ab. So weist Oberösterreich aktuell mit 7,3 Prozent die im Vergleich niedrigste Arbeitslosenquote aller Bundesländer auf (Österreich: 11,0 Prozent, je Dezember 2020) und hat auch mit 6,5 Prozent die niedrigste Jahresarbeitslosenquote im Jahr 2020 (Österreich 9,9 Prozent).

Zitat Monika Köppl-Turyna

Einen Grund für die vergleichsweise niedrige Arbeitslosigkeit sieht Monika Köppl-Turyna vor allem in der starken Industrie – und dem großzügigen Kurzarbeitsmodell: „Die schnelle Einführung der großzügigen Kurzarbeit war sehr wichtig und hat letztendlich sehr gut funktioniert.“ Ebenso stehen in Oberösterreich fast drei Stellen für jeden Lehrstellensuchenden offen, während in anderen Bundesländern ein Mangel an Lehrstellen herrscht.

Starker Export als Hoffnungsschimmer

Als prototypisches Industrieland ist Oberösterreich laut Christoph Badelt stärker vom Außenhandel und damit von Pandemie-bedingten Verwerfungen im Welthandel und in den grenzüberschreitenden Lieferketten betroffen. Das habe zu einem vergleichsweise starken Einbruch der für die Gesamtentwicklung zentralen oberösterreichischen Industrie und der Regionalwirtschaft insgesamt geführt. Allerdings erwartet das WIFO für 2021 in Oberösterreich eher eine etwas günstigere Entwicklung als für Österreich insgesamt, weil die Schwierigkeiten der Industrie, die im Frühjahr 2020 dominierten, beim aktuellen Lockdown nicht so groß sein dürften. Bereits im Krisenjahr 2020 hat laut Landeshauptmann Stelzer Oberösterreich mehr als jedes andere Bundesland exportiert (Statistik Austria, Jänner bis Juni). „Das ist ein wichtiger Hoffnungsschimmer am Horizont, denn in Oberösterreich hängt jeder zweite Arbeitsplatz am Export-Geschäft.“ Auch führt die nachgewiesene hohe Wettbewerbsfähigkeit der Region zu einer (im mitteleuropäischen Vergleich) höheren Krisen-Resilienz.

Zitat Badelt

Keine Zeit zum Ausruhen, Fokus auf Arbeitsplätze, Ausbildung und Ankurbelung

„Wir dürfen uns auf dieser vergleichsweise besseren Ausgangsposition 2021 aber keinesfalls ausruhen. Ich sage heute klar: Wir wollen weiterhin zu den Ländern mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit gehören“, so Landeshauptmann Thomas Stelzer. „Die Analysen und Prognosen bestärken mich darin, die Themen Arbeitsplätze und Wirtschaft schon in der aktuellen Phase des Krisen-Managements ins Zentrum der politischen Arbeit zu stellen. Denn, auch wenn wir die Gesundheitskrise einmal überwunden haben werden, wird uns die Wirtschaftskrise noch länger begleiten. Unser Fokus 2021 lautet daher: Arbeitsplätze, Ausbildung und Ankurbelung“, so Landeshauptmann Thomas Stelzer. Geplant sind nicht nur verstärkte Initiativen, um Menschen wieder in Arbeit zu bringen, sondern auch außerordentliche Investitionen des Landes zur Ankurbelung der Wirtschaft.

Autor: Cordula Meindl, 15.01.2021