Mit klimafreundlichen Wassern gewaschen

Karin Meier-Martetschläger hatte eine Idee. Die Inhaberin der gleichnamigen Pfandleihanstalt engagiert sich schon seit langem für die SOS-Kinderdörfer. Doch diesmal entschloss sie sich statt einer Geld- eine Sachspende zu leisten, um Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen. Mit dem Effekt, dass diese Sachspende, die Installation von Ecoturbinos aus dem Hause Rabmer, den Kinderdörfern in Österreich rund 170.000 Euro im Jahr spart. „Ecoturbino reduziert den Wasser- und Energieverbrauch um circa 40 Prozent, ohne dabei das Duschvergnügen zu beeinträchtigen“, erzählt Ulrike Rabmer- Koller, Geschäftsführerin der Rabmer- Gruppe in Altenberg. Erfunden wurde das kleine Wunderwerk, das man einfach selbst installieren kann, von einem Österreicher. Rabmer hat den Generalvertrieb inne und rollt nun den Verkauf weltweit aus. „Wir haben bereits Hotels, Studentenheime und Firmen in ganz Europa ausgestattet und gehen nun in Regionen, wo Wassermangel eine große Rolle spielt. Privatkunden können die Miniturbine online beziehen.“ Ecoturbino verringert nicht nur den Wasser- sondern auch der Energieverbrauch. „Bei den rund 600 Duschen, die in den SOS-Kinderdörfern nun umgerüstet werden, bedeutet das eine Einsparung von 27 Millionen Liter Wasser“, so Rabmer. Rechnet man die Energie und Abwasserentsorgung dazu, ersparen sich die Kinderdörfer rund 170.000 Euro pro Jahr. Zusätzlich werden noch 360 Tonnen CO2 eingespart.

Venturi-Effekt spart 40 Prozent (Warm)Wasser

Dieses Beispiel zeigt, wie schnell sich die Investition auszahlt. Ecoturbino reduziert nicht nur den Wasserdurchfluss, wie herkömmliche Systeme – die Duschen zu einem nervigen Unterfangen machen – sondern setzt auf den Venturi- Effekt. „Dabei wird Wasser mit Luft vermischt und beschleunigt. So bleibt trotz gleichzeitiger Reduktion des Wasserdurchflusses die volle Duschstrahlintensität erhalten. Produziert wird die, wie Rabmer-Koller es nennt, „Herzensangelegenheit“ in Deutschland.

Warmwasser ist der zweitgrößte Energieverbraucher im Haushalt - gleich nach dem Heizen, noch vor Beleuchtung und Elektrogeräten.

Ulrike Rabmer-Koller im Interview über Wasser- und Energieverschwendung im Haushalt, Klima- und Heizanlagen, die Abwasserenergie nutzen, und wie wir mit Technologie die Klimaziele erreichen können.

„An jeder Stellschraube drehen“

Wird Ihrer Meinung nach Wasser zu wenig wertgeschätzt, weil es scheinbar unbegrenzt da zu sein scheint?
Rabmer-Koller: Definitiv. Selbst in Österreich gibt es Regionen, wo das Wasser knapp werden kann. Aber es geht nicht nur um Wasser an sich, sondern um warmes Wasser. Die Produktion von Warmwasser ist der zweitgrößte Energieverbraucher im Haushalt - gleich nach dem Heizen, noch vor Beleuchtung und Elektrogeräten. Gerade in Zeiten steigender Energiepreise ist effizienter Umgang umso wichtiger. Wenn man wie mit unserem Ecoturbino 40Prozent Wasser spart, spart man damit auch Energie und senkt den CO2-Ausstoß. Im Durchschnitt duschen wir zwischen sieben und zehn Minuten. Durchschnittlich fließen 12 Liter Wasser pro Minute aus der Dusche. Den tatsächlichen Verbrauch kann man ganz einfach selbst mit einem Kübel messen. Bei zehn Minuten unter der Dusche sind das schon 120 Liter, bei einem vier Personen Haushalt also 480 Liter am Tag. Das ist wenigen bewusst.

Ihr Unternehmen gewinnt aus Abwasser wieder Energie, so wird mit Ihrer Technologie die neue 4.000m2 große Zentrale von Wien Kanal komplett mit Abwasserenergie geheizt und gekühlt. Es scheint als wäre die Technologie da. Fehlt nur der Wille zur Umsetzung?
Rabmer-Koller: Abwasser ist die perfekte Energiequelle. Mittels innovativer Wärmetauschersysteme holen wir die Energie aus dem Kanal und nutzen sie in Kombination mit Wärmepumpen zum erneuerbaren Heizen und Kühlen von Gebäuden. Abwasser ist das ganze Jahr rund um die Uhr verfügbar und hat eine durchschnittliche Temperatur von 16 Grad. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber Erdwärme- oder Luftwärmepumpen. Es ist also wesentlich effizienter die Energiequelle Abwassers zu nutzen. Wir haben die Technologie und das Knowhow - jetzt geht es vor allem um die Umsetzung. Wichtig ist hier, dass bei Bauprojekt bereits in der Planungsphase geprüft wird, ob und in welcher Form Abwasserenergie genutzt werden kann. Um die Klimaziele zu erreichen, muss in Zukunft an jeder Stellschraube gedreht werden. Ich bin überzeugt, dass die Nutzung von Abwasserenergie einen wesentlichen Beitrag dazu leisten wird.

Wie finden Sie solche Lösungen?
Rabmer-Koller: Innovation passiert bei uns in zwei Richtungen. Wir halten einerseits immer Ausschau nach neuen Technologien, entwickeln aber auch selber innovative Lösungen. Nachhaltigkeit spielt dabei eine sehr große Rolle – und das schon seit über 30 Jahren.

Autor: Verena Schwarzinger, 21.03.2022