Legaler Lauschangriff - die Podcastszene im Blick

Es waren Tristan Louis und Dave Winer, die 2000 erstmals das Audioblogging ins Visier nahmen, das sich zum Podcast hin entwickelt hat. Heute verzeichnet die wohl bekannteste Plattform Spotify über 3,6 Millionen Podcasts zu den unterschiedlichsten Themen aus allen Branchen. Und die Szene wächst. „Die Entwicklung von Anbietern, Format und die Erstellung von Inhalten sollten sich möglichst gegenseitig inspirieren und weiterbringen“, sagt Saruul Krause- Jentsch, Head of Studios im DACH-Raum bei Spotify, und ergänzt: „Unseren weltweit über 406 Millionen monatlich aktiven Hörern bieten wir technische sowie inhaltliche Entwicklungen. Wir möchten der nächsten Generation von Podcastern die Werkzeuge an die Hand geben, die sie für innovative Inhalte benötigen. Viele unserer neueren Features stehen in den Startlöchern.“

Win-win für alle

Der Podcast als ergänzendes Tool der Unternehmenskommunikation ist educational, generiert Reichweite und schafft Aufmerksamkeit. Mit der Aufbereitung von relevanten Themen wird eine langfristige Kundenbindung erarbeitet, gepaart mit einem auf Expertenwissen basierenden Vertrauensaufbau in die Marke, die Produkte und die Dienstleistungen. In Österreich ist die Podcastszene vielfältig. Rund 600 aktive Podcasts gibt es laut Schätzungen, vor allem aus den Themenkreisen Gesundheit, Fitness, News und Comedy. Eine repräsentative Studie des Marketing Club Österreich in Kooperation mit der Austrian Marketing Confederation AMC zeigt, dass fast 60 Prozent den Themen Wissenschaft, Technologie und Wirtschaft lauschen, gefolgt von Themen rund um den Beruf.

Mehrwert statt plumper Werbung

Rund ein Drittel aller Erwachsenen hört Podcasts, besagt die Podratings-Studie von Goldmedia. Für Unternehmen einer der Gründe, Kunden, Geschäftspartnern, Mitarbeitern oder Interessierten etwas zum Hören zu liefern. „Es melden sich auch regelmäßig Lehrer, die unseren Podcast in ihren Unterricht einbauen. Vor allem dann, wenn es um komplexere Themen wie Venture-Capital-Finanzierungen oder Private-Equity-Investments geht. Weiters sind an Entrepreneurship interessierte Menschen, Unternehmer und Startup-Enthusiasten unsere Zielgruppe“, sagt Johannes Pracher, Leiter der Startrampe, dem Startup- Hub der Sparkasse OÖ. Der Podcast #glaubandich wurde im ersten Lockdown 2020 gestartet, um mit Gründern in Kontakt bleiben zu können und um Startups eine Bühne zu bieten. Anfangs erschien alle zwei Wochen eine neue Folge, mittlerweile geht einmal wöchentlich eine neue Episode on Air.

Hörerlebnis in der internen Kommunikation

Mit relevanten News und Wissenswertem werden die Mitarbeiter der SPAR-Zentrale in Machtrenk via Podcast bespielt. „Mit unserem Podcastformat wollen wir ein Stück mehr vermitteln, als man es über klassische Pressearbeit oder Mitarbeitermagazine kommunizieren kann. Es geht um eine andere Präsentationsform der SPAR-Zentrale Marchtrenk und der gemeinsamen Werte an all unseren Touchpoints“ so Anna-Sophie Jetschgo, Leiterin Werbung und Information. Der Podcast ist kein Ersatz, sondern eine Ergänzung zur bestehenden Unternehmenskommunikation. "Podcasts funktionieren gut, weil man sie zeitgleich neben anderen Tätigkeiten konsumieren kann und selbst entscheidet, ob, wann und wo“, berichtet Jetschgo weiter. Seit Anfang 2021 wird der SPAR-Mitarbeiter- Podcast von der ganzen Filiale federführend vom Werbung- und Informationsteam betreut.

Haben Sie das von den Pflanzen gehört?

Von einem Corporate Podcast noch entfernt, aber auf einen innovativen Zugang, um Informationen und Wissenswertes weiterzugeben und aufzuklären, darauf setzt die Pflanzenbauabteilung der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. Die Sparte führt einen eigenen Podcast zu fachlichen Themen. „Diese Podcastfolgen wie auch die Fachvideos bieten die Möglichkeit, Beratungsinhalte auf schnellstem Wege dem interessierten Publikum zugänglich zu machen. Die Bekanntmachung erfolgt via Newsletter und Publizierung auf der Webseite“, berichten die Verantwortlichen.

Audiobasierte Zukunft für Werbetreibende

Werbeeinschaltungen machen auch vor Podcasts nicht halt. Je größer die Reichweite, desto eher kann mit vorproduzierten Spots auch zusätzlich Budget lukriert werden. Die Akzeptanz für Werbung, die Episoden umschließt, ist bei Podcasts deutlich höher als im TV. Laut einer Umfrage stehen 94,7 Prozent zu Werbung von Marken, Produkten und Co., damit der Podcast kostenfrei bleiben kann.

Autor: Verena Schwarzinger, 28.04.2022