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Harald Gottsche Geschäftsführer BMW Group Werk Steyr
Harald Gottsche Geschäftsführer BMW Group Werk Steyr
ATTIC FILM / BMW Group

KI ist ein echter Gamechanger

27.03.2026 um 08:11, Klaus Schobesberger
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Harald Gottsche, der neue Geschäftsführer von BMW Group Werk Steyr, erklärt, was der
Einsatz von KI für die Wettbewerbsfähigkeit bedeutet.

Seit Anfang ­Jänner ist Harald ­Gottsche (52) Chef der BMW Motoren GmbH Steyr und leitet zudem im Gesamtkonzern die weltweite Antriebsproduktion. Der gebürtige Bayer verantwortete zuvor die Produktion im mexikanischen San Luis Potosí. 
2026 steht der Hochlauf der E-Motorenproduktion im Fokus. Darüber hinaus bleibt die Produktion von Verbrennungsmotoren zentral für das Unternehmen. Die BMW Motoren GmbH ist das größte Motorenwerk der BMW Group weltweit mit einem eigenen Entwicklungszentrum in Steyr. Insgesamt wurden 2025 1,2  Millionen Motoren (+2  %) in Steyr produziert. Der Umsatz erhöhte sich im Vorjahr um ein Prozent auf 4,45 Mrd. Euro. Der Wasserstoff-Serienstart ist 2028 geplant.

CHEFINFO: Herr Gottsche, wie wichtig ist der konsequente Einsatz von KI für die Wettbewerbsfähigkeit der BMW Group?
Harald Gottsche: Der Einsatz digitaler Tools ist eine zentrale Säule in der „iFactory“, der Produktions­strategie der BMW Group. Aus unserer Sicht ist künstliche Intelligenz nicht einfach ein weiteres Werkzeug, sie ist ein echter Gamechanger, der die Produktion auf ein neues Level hebt. Indem wir unsere Ingenieurskompetenz mit künstlicher Intelligenz verbinden, werden die Fertigung und die Logistik intelligenter, schneller und wettbewerbsfähiger. Beispielsweise kommt in der Endprüfung unserer mechanischen Fertigung eine Anomalie-Erkennung zum Einsatz – diese prüft Bilder der gefertigten Bauteile und kann darauf kleinste Abweichungen erkennen. Das macht die Qualitätsprüfung noch genauer und effizienter. Diese Anwendung wurde von unserem hauseigenen InnoLab in Steyr entwickelt. 

Wie integriert BMW die virtuelle Fabrik in die tägliche Produktionsplanung in Steyr, und welche Vorteile sehen Sie speziell für die Motorenherstellung?
Wir sehen für unser Motorenwerk in Steyr aktuell vor allem Anwendungen im Bereich der Logistik- und Anlagenplanung. Ein Beispiel: Bevor wir unser neues Produktionssystem für die E-Motoren aufgebaut haben, wurden die Anlagen, Verkettungen und Prozesse virtuell aufgebaut, die Produktion wurde simuliert. So konnten wir bereits alle Prozesse und Handgriffe auf Herz und Nieren testen, noch bevor eine einzige Maschine aufgebaut wurde.

BMW hat humanoide Roboter wie Figure 02 erfolgreich in Spartanburg getestet. Gibt es Pläne, solche Roboter auch in Steyr einzusetzen, z. B. bei der Montage von Motoren oder E-Antrieben?
Unser „InnoLab“ in Steyr prüft laufend neue Technologien und ist mit dem zentralen „BMW ­Center of Competence for Physical AI in Production“ im ständigen Austausch. Dort forschen wir an Systemen, die künstliche Intelligenz und Robotik verbinden – von Grund­lagenforschung an KI-Modellen bis hin zur praktischen Erprobung von KI-basierten Robotik-Systemen. Die Kolleginnen und Kollegen in Steyr testen aktuell in Zusammenarbeit mit lokalen Forschungseinrichtungen, für welche konkreten Use Cases humanoide Roboter künftig auch in der industriellen Antriebsproduktion sinnvoll eingesetzt werden könnten. 

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