IV OÖ: Gewitterstimmung am Konjunkturhimmel

Laut Industriellenvereinigung Oberösterreich begibt sich die Industrie in den freien Fall: Corona-bedingte Einschränkungen in China über massive Lieferkettenschwierigkeiten in allen Bereichen sowie explodierende Energie- und Vormaterialkosten bis hin zu Logistikproblemen und Arbeitskräftemangel bringen die Geschäftslage in den kommenden Monaten enorm in Notlage. Aktuell liegt der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen von 91 Unternehmen mit insgesamt 108.500 Beschäftigten bei +71 Prozentpunkten. Aber vor allem die Branchen Metallerzeugung und -verarbeitung, die Papierindustrie, die Maschinen- und Fahrzeugindustrie aber auch die Nahrungs- und Genussmittelindustrie bis hin zur Baubranche gehen eher pessimistisch in die nächsten Wochen. So wird nach Bewertung nach sechs Monaten der Saldo auf -46 Prozentpunkte fallen. Lediglich 4 Prozent der Betriebe erwarten eine gute Geschäftslage, 50 Prozent der Unternehmen eine schlechte. Gleiches gilt für die Ertragssituation und die Produktionstätigkeit. Relativ stabil wird der Beschäftigungsstand angesehen.

All dies führt zu einem deutlichen Einbruch des Konjunkturbarometers: Lag der Geschäftsklimaindex im Vorquartal noch bei sehr guten +48,5 Punkten, so reduzierte er sich mittlerweile auf nur mehr +13,5 Punkte. Neben der aktuellen Geschäftslage befinden sich der derzeitige Auftragsbestand hingegen mit +68 bzw. +60 Prozentpunkte noch auf hohem Niveau.

„Bundesregierung muss handeln!“

Der Industriestandort Oberösterreich ist stark gefährdet. „Eine klare Einschätzung der Entwicklung in den nächsten Monaten ist praktisch unmöglich, die Betriebe manövrieren im dichten Nebel. Eine Mittelfristplanung ist unmöglich geworden“, erklärt Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer IV OÖ.  Im Fokus steht ein tägliches Lieferketten-Management, um industrielle Produktionsprozesse aufrechtzuerhalten und Kunden mit den Produkten versorgen zu können. Dazu kommen stark gestiegene Energiekosten sowie der bereits seit Jahren anhaltende Fachkräftemangel. „Oberösterreich muss konkurrenzfähig am globalen Wettbewerb bleiben. Aufgrund des fehlenden Level Playing Fields, insbesondere bei den Energiekosten, aber auch durch die überdurchschnittlich hohe Inflation in allen anderen Kostensegmenten, ist der Industriestandort nicht nur in Oberösterreich, sondern in ganz Österreich massiv gefährdet“, betont Haindl-Grutsch, der eine unmittelbare Reaktionen der Bundesregierung einfordert.

Industriellenvereinigung OÖ fordert

 „Angesichts der bedrohlich dunklen Gewitterwolken sollte jetzt der Bundesregierung klar sein, dass schnelle industriepolitische Entscheidungen notwendig sind, um den Industriestandort sicher durch die Krise zu führen. Jetzt muss die Regierung Handlungsfähigkeit beweisen“, erklärt Haindl-Grutsch.

Gefordert werden konrekt:

  • Abschaffung der kalten Progression
  • Lohnnebenkostensenkung
  • Strompreiskompensation
  • unbürokratische Steuergutschriften zur Entlastung von hohen Energiepreisen

 

Autor: Verena Schwarzinger, 25.04.2022