Invest AG: Hohe Nachfrage nach Eigenkapital

CHEFINFO: Wie hat sich der Beteiligungsmarkt in der Corona-Krise entwickelt?
Gernot Hofer: Die Nachfrage nach Eigenkapital ist unverändert sehr hoch, man könnte fast sagen unbeeindruckt von der Corona-Krise. Wir hatten rege Investitionstätigkeit auch während der Lockdowns und konnten 2020 einen Rekord an Neuinvestitionen verbuchen, in 2021 werden wir absehbar nochmals darüber liegen.

Was sind die Treiber der Entwicklung?
Hofer: Sicherlich die hohe Liquidität im Beteiligungsmarkt als auch die positiven Industrieprognosen. Oft wird aber übersehen, dass neben einer ­attraktiven Bewertung auch der Hintergrund des neuen Investors transparent und passend sein muss. Schließlich holt man mit einem Eigenkapitalpartner womöglich strategische Eigeninteressen mit an Bord, welche mit dem Unternehmen abgestimmt sein sollten. Für uns als Raiffeisen Invest Private Equity schließen wir strategische Eigeninteressen aus und bewahren somit die unternehmerische Freiheit.

Wachstumsfinanzierung, Buy-out, Industrie: In welchen Bereichen oder Branchen ist die Nachfrage nach Eigenkapitalfinanzierung besonders groß?
Hofer: Viele Unternehmer nutzen volatile Märkte für azyklische Investitionen oder die Aufschließung neuer Märkte. Besonders hier bieten wir Unterstützung als Eigenkapitalpartner auf Zeit. Aber auch die Nachfolgeproblematik innerhalb von Familienunternehmen ist stark im Wachsen, wir verzeichnen den Wunsch vieler Traditionsunternehmen nach Konsolidierung im Gesellschafterkreis.

Wie sieht Ihr Ausblick auf das Jahr 2021/22 aus?
Hofer: Knappheit an qualifizierten Mitarbeitern und Rohstoffen könnten das Wachstum hemmen. Bei unseren Analysen vor einem Eigenkapitalengagement prüfen wir verstärkt diese Engpassfaktoren. Working Capital Management hat einen neuen Stellenwert bekommen, das Match Lagerstandsoptimierung versus Lieferfähigkeit geht in eine neue Runde.

Autor: Klaus Schobesberger, 02.11.2021