Industriellenvereinigung: „OÖ braucht Masterpläne“

Außergewöhnliche Hochkonjunktur begleitet von gleichzeitig extremen Verwerfungen weltweit: Industriellenvereinigung OÖ entwickelt wesentliche Transformationsprozesse, um in den nächsten Jahren erfolgreich zu bleiben.
Autor: Verena Schwarzinger, 21.01.2022 um 11:12 Uhr

Kommt es zu Stillständen? Können Aufträge abgewickelt werden? Wie viele Mitarbeiter stehen zur Verfügung? Unternehmen werden von äußeren Rahmenbedingungen geplagt. Dabei sind die Geschäftsbücher der oberösterreichischen Industrieunternehmen gut gefüllt. Der Ausblick auf die kommenden Monate ist durchwegs positiv und optimistisch. Das Konjunkturbarometer steigt und der Geschäftsklimaindex ist nach einem Rückgang im 3. Quartal 2021 wieder um wenige Punkte auf 48,5 angestiegen. Die Wertschöpfung der Industrie und industrienahen Dienstleiter in Oberösterreich liegt bei rund 32 Milliarden Euro.

Das Match um Lieferungen

Die äußeren politischen Rahmenbedingungen und die Omikron-Welle bringen jedoch unterm Strich einige Verzögerungen bis gar Stornierungen von Aufträgen mit sich: Krankenstände und Quarantänezahlen steigen, der Fachkräftemangel ist weiterhin hoch, Lieferketten aus dem Ausland mit notwendigen Bauteilen sind gefährdet. Beinahe täglich kommt es in den OÖ Unternehmen zu Notsituationen, um die Produktion am Laufen zu halten. Die „Null-Covid-Strategie“ in China führte bereits dazu, dass Unternehmen wie Volkswagen und Toyota ihre Produktionen herunterfahren mussten oder auch Häfen geschlossen wurden. „Es gleicht Wild West Szenarien. Innerhalb weniger Stunden müssen Produktionen umgestellt werden oder es kommt zu massiven Verteuerungen in der Beschaffung. Dieser Hemmschuh wird uns das ganze Jahr über begleiten“, berichtet Axel Greiner, Präsident der Industriellenvereinigung Oberösterreich.

Energiekosten explodieren

Für das Industrieland Oberösterreich ist eine sichere Energieversorgung ein wettbewerbsrelevanter Faktor. Die jährlichen Aufwendungen für Energie liegen in Oberösterreich über dem Bundesdurchschnitt. Vor allem die Branchen Metall, Papier, die Herstellung von chemischen Erzeugnissen sowie von Glas, Zement und Keramik sind energieintensiv. „Wir beobachten die Entwicklung in der Ukraine und damit einhergehend die Energiezufuhr und -kosten sehr genau. Denn wird die Versorgung gemindert oder steigen die Preise für Strom und Gas weiter an, sind Geschäftsmodelle mit hohem Verbrauch am heimischen Standort nicht mehr wettbewerbsfähig“, führt Greiner aus.

Wir beobachten die Entwicklung in der Ukraine und damit einhergehend die Energiezufuhr und -kosten sehr genau. Denn wird die Versorgung gemindert oder steigen die Preise für Strom und Gas weiter an, sind Geschäftsmodelle mit hohem Verbrauch am heimischen Standort nicht mehr wettbewerbsfähig.

Masterpläne jetzt umsetzen

Oberösterreich muss als Wirtschaftsstandort und als Arbeitsmarkt weiterhin attraktiv sein. Vor allem der Fachkräftemangel aber auch bereits das Ausbleiben von Anlernkräften steigen weiter an und beschäftigen alle Unternehmen. Es braucht hier von Seiten der Politik mehr Förderung der Frauenquote unter anderem durch bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten, aber auch eine Konzentration auf die MINT-Fächer in allen Schulen und Hochschulen. Diese Schwerpunkte sind im 1. Masterplan "Bildung und Arbeitsmarkt" integriert. „Im europäischen Vergleich liegt Österreich bei der Arbeitslosigkeit immer noch zwischen Platz 11 und 13 und damit weit weg von der Vollbeschäftigung anderer Länder. Österreich brauche dringend ein Reformpaket, das mehr Anreize liefert, eine Beschäftigung anzunehmen oder auszuweiten und die Potenziale am Arbeitsmarkt besser ausschöpft“, so Greiner. Der zweite Masterplan setzt im öffentlichen Sektor an. Die Bewältigung der weltweiten Gesundheits- und Wirtschaftskrise aber auch die fortschreitende Digitalisierung bis hin zur Rückkehr zum Nulldefizit sind hier vereint. Im 3. Bereich "Infrastruktur" sind Maßnahmen zu finden, die die Verkehrs-, Energie- und Dateninfrastruktur ausbauen und mit denen auch CO2-Einsparungen einhergehen. „Knapp jedes vierte österreichische Umwelttechnik-Industrieunternehmen ist in Oberösterreich ansässig. Sie erwirtschaften einen Umsatz von 13 Milliarden Euro und beschäftigen mehr als 48.000 Mitarbeiter. Dieses Know-how müssen wir nützen“, so Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Oberösterreich.

Joachim Haindl-Grutsch, GF IV OÖ