Hier geht die Post ab

Hier geht im wahrsten Sinn des Wortes die Post ab. 135 Pakete hat Ibrahim Elbanasi laut einem Monitor in den letzten 15 Minuten aus einem Lkw ausgeladen, über 700 waren es in der vergangenen Stunde, die über ein Förderband in die große Sortierhalle des Post-Verteilerzentrums Allhaming hineinrollten. Und das nur an diesem einen Band. „Momentan haben wir 150.000 Pakete am Tag, im Schnitt 10.000 pro Stunde“, sagt Andrea Pilz-Kapfinger, Regionalleiterin Mitte, zuständig für die stationäre Logistik Oberösterreich/Steiermark.

166 Millionen Pakete in einem Jahr

Das Verteilerzentrum Allhaming, das gerade einmal sieben Jahre alt ist, platzt aus allen Nähten und ist viel schneller an seiner Kapazitätsgrenze angelangt als geplant. Denn die Corona-Pandemie und ihre Lockdowns haben dafür gesorgt, dass der ohnehin boomende Online-Markt sprunghaft anstieg. Die Post sortierte im vergangenen Jahr österreichweit 166 Millionen Pakete, das waren um 30 Prozent mehr als 2019. Auch im heurigen ersten Halbjahr stieg die Anzahl um weitere 20 Prozent. Vor zehn Jahren waren es zum Vergleich hingegen nur 57 Millionen Pakete. Auch wenn die Werbesendungen und Briefmengen kontinuierlich zurückgehen, muss dringend mehr Platz und Kapazität her.

Größtes Verteilerzentrum Österreichs

In unmittelbarer Nachbarschaft des Verteilerzentrums direkt an der Autobahn entsteht derzeit das modernste Logistikzentrum der Post Österreichs. Nach der Fertigstellung im kommenden Jahr wird es nicht nur das modernste, sondern auch das größte Verteilerzentrum im Land sein. Auf einer Fläche von 200.000 Quadratmetern werden künftig bis zu 30.000 Pakete pro Stunde sortiert werden können. „Die Kapazität von 600.000 pro Tag ist ausgerichtet bis 2030“, so Pilz-Kapfinger. Die Sortieranlagen sollen Anfang des Jahres eingebaut werden, Testläufe wird es ab April geben, Anfang Juli will man ans Netz gehen.

Sortierung läuft vollautomatisch

Dafür wird die derzeitige Halle mit der neuen verbunden. Hier erfüllt ein gleichmäßiges, lautes Surren und Rattern der blau-schwarzen Förderstrecken den Raum. Zwei Kilometer an Förderbändern schlängeln sich in mehreren Ebenen quer durch die Halle – ab nächstem Jahr werden es dann 4,5 Kilometer sein. Sie bestehen aus einzelnen, aneinandergehängten Wagen – auf jeden solchen Wagen kommt ein Paket. Die Mitarbeiter füttern die nie ruhende Förderschlange, der Rest läuft voll automatisiert. Vier Mal werden die Sendungen auf ihrem Weg kreuz und quer durch die Halle gescannt, damit sie am Schluss auch auf der richtigen Rutsche landen. Die Pakete werden erst einmal nach Bundesländer sortiert. Die OÖ-Sendungen werden dann noch einmal feinsortiert. Der Förder-Wagen, auf dem das Paket liegt, bekommt die Info, welchen Weg es durch die Halle nehmen und wo es abgeworfen werden muss. Und am Schluss heißt es: Ab in den richtigen Lkw erst einmal ins Adress-Bundesland, wo dann feiner sortiert wird, oder in das Zustellfahrzeug, das gleich von Allhaming aus zum Adressaten fährt, oder in die oberösterreichischen Zustellbasen.

Hunderte neue Mitarbeiter gesucht

Davon gibt es allein in Oberösterreich 50. Auch dieses Netz muss die Post stetig erweitern. So wurde gerade in Schalchen im Bezirk Braunau mit dem Bau einer neuen Zustellbasis begonnen als Drehscheibe für täglich 3.500 Pakete. Auch hier will man im Frühsommer in Betrieb gehen. Man wird neue Mitarbeiter brauchen, genauso wie in Allhaming, wo derzeit 440 Menschen beschäftigt sind. „Ab Juli werden wir 200 mehr sein“, sagt Pilz-Kapfinger. Zum Teil werden Mitarbeiter vom Ennser Standort nach Allhaming kommen, denn dieser wird bis auf die Speziallogistik ins neue Logistikzen­trum integriert. Zum anderen ist man derzeit dringend auf der Suche nach Arbeitskräften.

Trend geht zu just in time

Gearbeitet wird hier in zwei Schichten, die meisten Kräfte werden im Abend- und Nachtdienst gebraucht. Ist es tagsüber eher ruhig und werden die Speditionslieferungen der Großkunden abgearbeitet, herrscht ab 17 Uhr Vollbetrieb. Dann stehen die Lkw, die die Sendungen von den Filialen und Poststationen abgeholt haben, vor den Andock-Toren Schlange, um abgeladen zu werden. Pilz-Kapfinger: „Derzeit haben wir etwa 400 Lkw-Bewegungen – künftig werden es 500 bis 600 sein.“ Um zu sehen, ob draußen auf den Straßen auch alles läuft oder es zu Verzögerungen damit auch im eigenen Ablauf kommt, hat man im Transportlogistikbüro Zugriff auf die Live-Kameras der Asfinag auf den wichtigsten Autobahnstrecken. Das ist vor allem für die E+1-Lieferungen wichtig. Einlieferung heute, Zustellung morgen – just in time. Der Trend geht immer mehr dahin. Das ist das, was ihre Kunden und deren Kunden erwarten.

Andrea Pilz-KapfingerDie Kunden erwarten immer mehr, dass sie das, was sie heute bestellt haben, morgen schon zugestellt bekommen. - Andrea Pilz-Kapfinger, Regionalleiterin Mitte, zuständig für die statio­näre Logistik Oberösterreich/Steiermark

 

Autor: Jessica Hirthe, 19.10.2021