Frauscher: Auf zu neuen Ufern

Als kleine österreichische Werft ohne Meerzugang Offshore-Boote für betuchte Kundschaft in Mallorca, Cannes oder Miami zu fertigen war ein riskantes Unterfangen. Heute ist der Ruf von Frauscher exzellent und die Auftragsbücher sind trotz Krise voll.
Autor: Klaus Schobesberger, 22.06.2022 um 15:52 Uhr

Es ist Mitte Mai und so heiß wie an einem Hochsommertag in Südfrankreich. Die Côte d’Azur ist auch das Ziel der fast 14 Meter langen und 1,3 Millionen teuren 1414 Demon Air, die an diesem Tag in Millimeterarbeit in der Werft in Ohlsdorf auf den Schwertransporter gehievt wird. Die Fahrt vom Salzkammergut zum Meer nach Cannes ist lang. Es war auch ein weiter Weg, bis Frauscher sich einen Platz in der Topliga der Luxusbootsbauer erkämpft hat. Die 1927 gegründete Bootsmanufaktur hat heute Niederlassungen auf Mallorca, an der französischen Riviera und in Miami, USA. Die Auftragslage reicht bei den großen Projekten bis ins Jahr 2024 hinein. Auch die Auftritte bei Filmproduktionen sind beachtlich. Frauscher- Boote waren im vorletzten „Spiderman“ im Bild und in der BBC-Serie „The Night Manager“ mit Hugh Laurie. „James Bond“-Darsteller Daniel Craig war in einem Heineken-Spot mit einer 747 Mirage und Matthias Schweighöfer in einer 858 Fantom von Frauscher im Netflix- Film „Army of Thieves“ zu sehen. „Wir sind aktuell wieder bei einer großen Netflix-Produktion dabei, über die wir jedoch noch nicht reden dürfen“, sagt Mitinhaber Stefan Frauscher.

In Österreich kauft man Ski, Schnaps und Speck, Boote kauft man in Italien, sagte damals ein Mitbewerber. Viele dieser Marktbegleiter aus Italien haben wir überholt.

Viel Lehrgeld bezahlt

Stefan und Michael Frauscher führen das Unternehmen in dritter Generation mit ihrer Cousine Andrea Frauscher-Oberfrank an zwei unterschiedlichen Standorten: Die beiden Brüder sind in der 2012 gebauten Werft in Ohlsdorf engagiert, während die Cousine den ursprünglichen Standort in Gmunden leitet. Inzwischen ist auch die vierte Generation am Werken. Stefan Frauschers jüngste
Tochter Johanna, 26, ist für das Onlinemarketing zuständig. Auch die Kinder der beiden anderen arbeiten bereits mit. „Ich kann nicht sagen, wie es weitergeht. Aber wir haben etwas bekommen, für das wir Verantwortung tragen und der nächsten Generation weitergeben wollen“, sagt Stefan Frauscher. Dass der Expansionskurs nicht friktionsfrei verlief und viel Lehrgeld bezahlt wurde, verhehlt Frauscher nicht. „Wir haben heute externe Partner und das ist gut. Nicht ganz 15 Prozent halten unser Steuerberater und zwei Mitarbeiter an der Werft – sie haben aber 25 Prozent der Stimmrechte. Wir beschließen alles mit Dreiviertelmehrheit, was ausschließt, dass eine Person Entscheidungen blockieren kann. Mit diesem Korrektiv eines Externen tun wir uns viel leichter. Die Diskussionen verlaufen weniger emotional“, sagt Frauscher.

Schuldenfrei, aber keine Zukunft

Über Jahrzehnte bauten die Frauschers erfolgreich Segel- und Elektroboote. Vater Hans Frauscher baute mit seinem Bruder Ernst das Unternehmen zu einer der modernsten Bootswerften Europas auf und wurde als leidenschaftlicher Segler Staatsmeister und 1982 sogar Weltmeister. Auch Stefan Frauscher holte 2002 den Weltmeistertitel. „Wir haben damals aber erkannt, dass wir mit diesen kleinen Segelbooten nicht mehr vom Platz kommen. Das war der Zeitpunkt der Übergabe an uns. Der Betrieb war zwar schuldenfrei, aber wir hatten kein Produkt, mit dem wir in die Zukunft gehen konnten“, sagt Stefan Frauscher. 2003 erfolgte der Startschuss für die Motorbootproduktion mit der 686 Lido, die der befreundete Designer und Architekt Wolfgang Gebetsroither entworfen hat. Seither leisteten verschiedene Designer ganze Arbeit, unter anderem Gerald Kiska. „Jedes Modell soll eine eigene Seele haben, aber dennoch sofort als Frauscher-Boot erkennbar sein.“ Mit dem Einstieg ins Motorbootgeschäft kam auch Gegenwind auf. „In Österreich kauft man Ski, Schnaps und Speck, Boote kauft man in Italien“, sagte ein Mitbewerber. „Viele dieser Marktbegleiter aus Italien haben wir überholt. Inzwischen ist der gegenseitige Respekt groß“, sagt Frauscher.

Regionale Lieferanten

Rund 70 Boote werden pro Jahr in der Werft in Ohlsdorf gefertigt. Weil die Boote immer größer und luxuriöser werden, steigt auch das Geschäftsvolumen. Vor zehn Jahren erwirtschaftete die Werft acht Millionen Euro Umsatz, heute sind es 20 Millionen. Ein Team von fünf bis sechs Leuten arbeitet an einem Projekt, bis es fertig ist. Der Produktionsablauf wurde gemeinsam mit dem Partner Porsche optimiert, wodurch die Lagerkosten um ein Drittel gesenkt werden konnten. Dank der regionalen Lieferantenstruktur gibt es auch kaum Lieferengpässe bei Vormaterialien. Rümpfe werden in Tirol, Polsterteile und Holzteile in Nachbarorten, Metallteile in Gmunden erzeugt. Wie steht Frauscher zum Elektroantrieb? „1955 haben Vater und Onkel das erste Elektroboot auf den Markt gebracht – zu einer Zeit, wo es das Wort E-Mobilität noch nicht gegeben hat. Von dieser Erfahrung profitieren wir heute noch.“ Die Frauscher Bootswerft wurde für ihr Design und ihre Leistungen mehrfach ausgezeichnet, unter anderem im Vorjahr als bestes Familienunternehmen. Der Familienspirit wird auch dadurch sichtbar, dass Stefan Frauscher großen Wert darauf legt, jeden Kunden persönlich kennenzulernen. Bei der feierlichen Übergabe der eingangs erwähnten Demon 1414 in Cannes war Stefan Frauscher daher persönlich anwesend.