Familiäre Multitalente II: TroGroup

Wie wird aus einem Klopapierhersteller ein Weltmarktführer für Mobiltelefone? Wie kommt man vom Schweißen zur Solarenergie, was haben Gartengeräteschuppen mit Liftanlagen zu tun und warum entwickelt ein Stempelhersteller Iron Mans Lasergravierer? Weil gerade inhabergeführte Unternehmen stets den Blick auf Marktchancen haben.
Autor: Jürgen Philipp, 04.07.2022 um 00:00 Uhr

Statt einer Mühlviertler Garage begann der Siegeszug der TroGroup in einer kleinen Küche in Wien, in der 1912 Franz Just und seine Frau Stempelfarben kochten. Heute ist man der größte Stempelproduzent der Erde und Weltmarktführer für Laserplotter zum Gravieren, Schneiden und Markieren. In einem kleinen Stampiglia- Geschäft im 18. Wiener Gemeindebezirk startete die Erfolgsgeschichte. Ein Wendepunkt folgte 1947, als der erste Datumsstempel auf den Markt gebracht wurde. Er bekam den Namen „Trodat“. „Tro“ steht für Trolitul, der damaligen Basis für das Kunststoffkissen, „Dat“ für Datum. Der Siegeszug um die Welt begann und darüber hinaus. 1991 stempelte „Austronaut“ Franz Viehböck Karten und Briefe in der Raumstation MIR. Einen wahren Raketenstart legte zur selben Zeit eine Idee des damaligen CEO Klaus Müller hin. Müller stieß während einer USA Reise auf CO2-Laser. Damit wurden Gravuren in höchster Präzision möglich. Aus einem Forschungsprojekt wurde ein eigener Geschäftszweig – und Weltmarktführer. 1997 wurde Trotec aus der Taufe gehoben. „Das Entscheidende beim Laser ist unsere Software. Das ist unser Differenzierungsmerkmal, weil die Geschwindigkeit beim Druck und beim Verarbeiten des Bildes zählt“, erzählt Norbert Schrüfer, CEO der TroGroup.

Iron Man setzt auf Welser Lasertechnologie

Geschwindigkeit, die auch Hollywoodstar Robert Downey Jr. Im Blockbuster „Iron Man“ schätzt. „Trodat feiert 110-jähriges Jubiläum und Trotec blickt auf stolze 25 Jahre zurück. Dass wir mit einem Umsatzrekord in unser Jubiläumsjahr starten konnten, ist besonders erfreulich.“ Die Gruppe erwirtschaftete mit ihren 1.963 Mitarbeiter in 44 operativen Tochterunternehmen 289 Millionen Euro Umsatz. Daran hat auch das Stempel-Stammgeschäft seinen Anteil. Vor allem in China wird fleißig gestempelt. „Zur Unternehmensgründung braucht man in China neun verschiedene Stempel.“ Und die kommen zu einem nicht unbeträchtlichen Teil aus dem Hause TroGroup. Für den riesigen chinesischen Markt wird in China und Indien produziert, alle anderen Märkte werden vom Stammwerk in Wels aus bedient. Rund 20 Millionen Stück werden dort gefertigt. „Der Stempel wird seit 20 Jahren totgesagt. Aber es zeigt sich: Auch wenn alles von Digitalisierung spricht, eine Disruption am Stempelsektor ist bisher gescheitert.“

Familie sichert Unabhängigkeit

Die Disruption am Lasermarkt ist den Welsern bereits gelungen. Ein Erfolgsrezept für Schrüfer ist die stabile Eigentümerstruktur: „Als Familienunternehmen legt die TroGroup besonderen Wert auf die langfristige Ausrichtung des Unternehmens. Bei allen Vorhaben ist es daher stets unser Ziel, die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit abzusichern und zu bewahren“, schildert CFO Peter Köstler. Dem Familiengeist entspricht daher auch das neue „Walter Just Technikum“ in Wels, das im September 2022 eröffnet werden soll. Es ist als Lehrwerkstatt und Ausbildungszentrum konzipiert und ermöglicht eine Verdoppelung der Lehrlingsausbildung auf 30 Jungfacharbeiter. Damit wird die TroGroup auch künftig dem Weltmarkt ihren Stempel aufdrücken.