Familiäre Multitalente I: Biohort und Ascendor

Wie wird aus einem Klopapierhersteller ein Weltmarktführer für Mobiltelefone? Wie kommt man vom Schweißen zur Solarenergie, was haben Gartengeräteschuppen mit Liftanlagen zu tun und warum entwickelt ein Stempelhersteller Iron Mans Lasergravierer? Weil gerade inhabergeführte Unternehmen stets den Blick auf Marktchancen haben.
Autor: Jürgen Philipp, 23.06.2022 um 12:38 Uhr

Das finnische Ehepaar Idestam gründete 1865 ein Unternehmen, das sich der Holzverarbeitung widmete. Zu den Produkten gehörte unter anderem Klopapier. Später erzeugte man Fischerstiefel und Reifen. 1975 baute man dann Radiogeräte und wurde von 1998 bis 2011 zum weltgrößten Hersteller von Mobiltelefonen. Erkannt? Es handelt sich um Nokia. Nach dem Abstieg ist man wieder zurück als einer der führenden Netzwerkausrüster weltweit. Eines von vielen Beispielen, das zeigt, wie sehr vor allem inhabergeführte Unternehmen Chancen und Märkte erkennen und flexibel darauf reagieren. Nicht nur in Finnland, den USA oder Japan, sondern auch in Oberösterreich.

Von Bagdad nach Pürnstein

Sieben Jahre bevor Josef Priglinger aus einem Management-Buy-out den Mühlviertler Produktionsstandort der Firma Normstahl übernahm und Biohort daraus formte, war der Unternehmer im Orient als Außenstellenleiter der Voest Alpine Bagdad tätig. „Im August 1990 begann der zweite Golfkrieg und ich musste mit meiner Familie fluchtartig den Irak verlassen.“ Sein damals zweijähriger Sohn Maximilian, der heute die Geschäfte führt, war bereits mit dabei. Josef Priglinger ging anschließend in die Türkei, gründete die voestalpine Ankara und leitete den lokalen Zukauf für ein großes Anlagenbauprojekt am schwarzen Meer. 1992 verließ er die türkische Hauptstadt wieder. „Meine Tochter Johanna sollte zeitgleich ihre Schulpflicht in Österreich beginnen.“ Biohort war also nicht seine erste Firmengründung. „Die Führungstätigkeiten im Ausland haben meinen Wunsch nach Selbstständigkeit bestärkt.“

Von der Garage in die Downing Street

Es zog ihn zurück in seine Heimat und er erhielt 1997 die Möglichkeit des MBO, der Wiege von Biohort. „Ich war fest davon überzeugt, dass Metall der bessere Werkstoff für Stauraumprodukte im Außenbereich sein wird, und habe Recht behalten.“ Mittlerweile ist man mit 630 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber in der Region. „Wohl auch nicht gerechnet hat er mit dem Erfolg seines „Garagen-Startups“ Ascendor. Aus einer Tüftelei mit einem Freund in seiner Garage 2006 ist einer der innovativsten Liftbauer der Branche geworden. Auslöser waren Priglingers Gedanken rund um die Alterung der Gesellschaft. Ascendor Lifte sind für die Ewigkeit gebaut und in aller Welt zu Hause, von Malaysia über Katar bis zur Downing Street 10 in London.

Ganzheitliche Betrachtungsweise

Als ein zweiter Produktionsstandort bei Biohort geplant wurde, folgte der Einstieg von Maximilian ins Familienunternehmen. Übrigens: Biohort darf sich „Österreichs bestes Familienunternehmen 2022“ nennen. Bei der Unternehmensübergabe wurde nichts dem Zufall überlassen. „In der Zeit im Ausland konnte mir mein Vater viel technisches Grundwissen vermitteln, was meine schulische Laufbahn dann auch positiv geprägt hat. Dass sich meine Interessen gut ins Familienunternehmen einbringen lassen, ist natürlich sehr vorteilhaft.“ Der Sohn lernte alle Unternehmensbereiche vom Vertrieb bis zur Produktion kennen. „Die ganzheitliche Betrachtungsweise ist für Entscheidungen sehr wichtig.“ Bei der Übergabe des Unternehmens ging Biohort einen besonders kreativen Weg: „Zum 60. Geburtstag habe ich meinem Vater einen Tag Urlaub pro Woche pro Jahr ,geschenkt‘. Aktuell ist er 64 und hat somit nur noch einen Bürotag. Nächstes Jahr geht er in Pension.“