FACC: Aufbruch ins All

Die kommerzielle Raumfahrt ist einer der Megatrends der nächsten Jahrzehnte, von dem die FACC AG als weltweit führender Systemlieferant von Leichtbaukomponenten profitieren möchte. “Der Raumfahrtmarkt hat ein jährliches Volumen von 200 Milliarden US-Dollar, das bis zum Ende der Dekade auf 900 bis 1.000 Milliarden Dollar anwachsen wird", sagt Robert Machtlinger, CEO von FACC, im Gespräch mit CHEFINFO. Die NASA-Helden der Apollo-Missionen sind längst Geschichte: Galt die Eroberung des Alls lange Zeit als Domäne der Staaten, so streben im 21. Jahrhundert vor allem privatwirtschaftliche Unternehmen in Richtung Orbit. NASA und die europäische Raumfahrtbehörde ESA seien extrem wichtige Forschungsanstalten, sagt der FACC-Boss, „aber hocheffiziente Systeme für den Weltraum zu entwickeln, das schaffen private Unternehmen schneller.“ Die neue "Space Generation" ist die Dragon-Crew von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX, das sich gerade 850 Millionen US-Dollar frisches Kapital von der Börse geholt hat. Das Geld fließt in das Projekt Starlink, das mit bis zu 12.000 Minisatelliten den Erdball mit schnellem Internet versorgen soll. "Dafür braucht es Launcher, Raketen und unser Know-how für Carbon-Leichtbau", ist Machtlinger überzeugt.

Hocheffiziente Systeme für den Weltraum zu entwickeln, das schaffen private Unternehmen schneller.

Abhängigkeit zur Luftfahrtbranche verringern

Der Hightech-Konzern FACC, der vor mehr als 30 Jahren als Spin-off von Fischer Ski im Bereich Carbonfasern begonnen hat, ist heute mit Abstand Österreichs größtes Zulieferunternehmen für die Flugzeugindustrie. Eine Abhängigkeit, die sich in der Corona-Pandemie als existenzgefährdend herausgestellt hat. Die weltweiten Passagierzahlen sind 2020 auf das Niveau 1992 abgestürzt, Fluglinien gerieten ins Trudeln. Hersteller wie Boeing und Airbus mussten ihre Produktion massiv drosseln. Das hat wiederum FACC schwer getroffen, die im Vorjahr aufgrund des Auftragseinbruchs 650 Stellen abbauen musste. Mit der neuen Konzernstrategie setzen die Innviertler auf Diversifikation. „Wir haben den Markt genau geprüft“, erzählt Machtlinger. Sein Fazit: Leichtbau in der Automobil- oder Eisenbahnsparte sei zwar hochinnovativ, aber nicht massentauglich. Damit könne FACC bis 2030 keinen signifikanten Umsatz generieren, weil die Eisenbahnsparte nur bereit ist ein Zehntel von dem zu bezahlen, was die Luftfahrtindustrie für Leichtbaukomponenten ausgibt. Die Raumfahrtindustrie ist hingegen deutlich attraktiver:  Sie zahlt mehr als das Doppelte pro Kilogramm Systemtechnik.

Lufttaxis für die Stadt haben Potenzial

Neben der Raumfahrt soll auch die Urban-Air-Mobility (UAM) als neues Standbein aufgebaut werden. UAM sind vertikal startende, elektrobetriebene „Lufttaxis“ für den innerstädtischen Personenverkehr. Ein Bereich, in dem FACC seit mit seinem Partner EHang seit drei Jahren unterwegs ist und in dem das Rieder Unternehmen eine ähnlich bedeutende Rolle spielen möchte wie bei den Herstellern großer Passagierflugzeuge. „Die Urban-Air-Mobility ist die Ausweitung des Geschäfts nach unten. Wir möchten mit jedem wesentlichen UAM-Player wie Airbus oder Toyota zusammenarbeiten.“ Trotz der Krise hat FACC einen weiteren milliardenschweren Kunden, der bisher außerhalb der Luftfahrbereichs tätig war, gewinnen können. „Wir entwickeln für diesen Kunden, dessen Namen wir noch nicht nennen dürfen, gerade ein Drohnenkonzept im nicht-militärischen Bereich, das heuer in die Fertigung geht. Wenn dieses Konzept sich durchsetzt – und davon gehe ich aus – haben wir hier ein Umsatzpotenzial bis 2025 von 50 bis 100 Millionen Euro im Jahr“, sagt Machtlinger.  Für den angestammten Luftfahrtbereich ist Machtlinger mittelfristig wenig optimistisch: Es wird drei bis fünf Jahre brauchen, bis wir weltweit wieder das Niveau von 2019 erreicht haben.

Autor: Klaus Schobesberger, 03.03.2021