Dorfladenbox: Local Village

Startups setzen sich Meilensteine, so auch die Gründer der Dorfladenbox. „Wir wollten 2021 fünf Dorfladenboxen verkaufen, dieses Ziel haben wir im Februar schon erreicht“, erzählt der Softwareentwickler Thomas Fellinger. Die allererste steht bei dem Landwirt und Co-Gründer Johannes Fischerleitner. „Die Dorfladenbox ist ein smarter physischer Verkaufsraum für sämtliche handwerklich produzierte Produkte aus der Region. Kunden können mittels App 24/7 bargeldlos einkaufen. Die verknüpfte Dorfladenbox-Cloud automatisiert im Hintergrund die Verwaltung der Lieferanten, die Nachbestellungen der Produkte und die Dokumentationen wie Zutritt, Kühlkette etc.“

HighTech trifft Dorf

Die Geschichte des fixfertigen Hightech-Dorfladens begann vor fünf Jahren. Fellinger und seine Frau schworen, sich ­regionaler zu ernähren und stießen gleich auf das Grundproblem: die oft begrenzten Öffnungszeiten. Neben all den Arbeiten am Hof sollten die Landwirte auch noch im Laden stehen, für viele einfach nicht schaffbar. Dazu bekam man gewisse Produkte nur bei bestimmten Landwirten. Das alles wird mit der Dorfladenbox gelöst. „Jede Dorfladenbox benötigt einen regionalen Betreiber, der sich um die Lieferanten und Kunden kümmert. Meistens ist das einer der Lieferanten selbst. Der eigentliche Betrieb der Dorfladenbox erfolgt dann von der Nachbestellung bis hin zur Buchhaltung weitestgehend automatisiert und hält dadurch den Arbeitsaufwand für den Betreiber stark in Grenzen.“

Zitat Thomas Fellinger

Vollerwerb zahlt sich wieder aus

Johannes Fischerleitner hatte in seinem Hofladen bereits Produkte von 14 Bauern vereint, doch konnte er den Laden nur freitags bis 17 Uhr öffnen. „Im Herbst 2019 beschlossen wir dann, unsere Kräfte zu bündeln und eine zeitgemäße Verkaufslösung für regionale Produkte zu entwickeln.“ Während des ersten Lockdowns wurde der Prototyp geordert. Fellinger schrieb die Software dazu. Im August 2020 ging der erste Hightech-Dorfladen am Hof von Johannes Fischerleitner in Betrieb. Das Kundeninteresse war enorm. Mit der ­Hilfe von tech2b konnte an der Skalierung gearbeitet werden. Mittlerweile ist Fischerleitners Dorfladen umgesiedelt. Der Bürgermeister von Schleißheim regte an, den Laden ins Ortszentrum zu stellen, um noch mehr Kundschaft zu begeistern.

Jahres-Soll in nur zwei Monaten

„Mit Anfang des Jahres haben wir nun den ersten weiterentwickelten Prototyp bestellt, der wird nun Anfang April in Sipbachzell aufgestellt.“ Fünf Dorf­läden sind bereits bestellt und das, obwohl die beiden Gründer erst dabei sind, einen Vertrieb aufzubauen. „Man benötigt nur rund 15  m2 Stellfläche und einen Starkstromanschluss. Um alles andere kümmern wir uns.“ Damit will das Team dem Sterben von Kleinbauern, Fleischerei- und Bäckereibetrieben entgegenwirken. „Unser eigentliches Ziel ist es, der kleinstrukturierten Lebensmittelproduktion wieder eine Zukunft zu geben und unsere Lebensmittelproduktion wieder regionaler, resilienter und nachhaltiger zu machen. Kleinstrukturierte Lebensmittelproduktion soll wieder im Vollerwerb funktionieren.“ Und es funktioniert! Aus diesem Grund wollen Fellinger und Fischerleitner bis 2026 Hundert Standorte schaffen. „Unser Konzept eignet sich auch gut zur Internationalisierung, die ist für Mitte 2022 geplant.“

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Autor: Jürgen Philipp, 04.05.2021