Digitale Hotspots: Linz auf der Überholspur

Gleich an mehreren Orten entstehen in Linz Kreativ-Hubs für die
wachsende Digitalwirtschaft. In einen fertiggestellten Teilabschnitt der Techbase
im Süden der Landeshauptstadt zog nun Siemens mit 700 Mitarbeitern ein.
Autor: Klaus Schobesberger, 19.12.2022 um 08:36 Uhr

Wie rasch ein Technolo­gie­standort ­Fortschritte macht, lässt sich unter anderem an aktuellen Bauprojekten festmachen. Am Areal der Tabakfabrik entsteht mit dem „Quadrill“ auf mehr als 10.000 Quadratmetern ein neues Quartier, dessen Herzstück der 109 Meter hohe Büro- und Hoteltower sein wird. Nach der geplanten Fertigstellung 2025 soll das gesamte „Tschickbude“-Terrain 5.000 Menschen einen Arbeitsplatz bieten. Aktuell zählt der ausvermietete revitalisierte Behrens-Bau rund 250 Unternehmen und Organisationen mit 3.000 Personen. Die Tabakfabrik, 2009 als denkmalgeschützte Industrieruine von der Stadt Linz um 17 Millionen Euro erworben, wurde in einem Kraftakt zu einem international viel beachteten Innovationshub umgebaut. Ein Beispiel, das Schule macht. Gebaut wird zum Beispiel auch das „Hafenportal“, ein Büro- und Wohnkomplex als Teil des „Projekts Neuland“ der Linz AG im Hafenviertel. Im Süden der Stadt nahe der Autobahn A7 am Siemens-Areal realisiert die Neuson Real GmbH mit der Techbase eines der größten Bauvorhaben der Landeshauptstadt. Der erste Bauabschnitt dieses „Campus für Innovation und Technologie“ ist fertig, zwei weitere Objekte folgen 2024. Das alte Siemens-Bauwerk wird kernsaniert, an die Techbase angebunden und künftiger Sitz für weitere Technologie-Unternehmen sein. Siemens übersie­delte auf 8.000 Quadratmeter des ersten Bauabschnitts und bündelt erstmals die rund 700 Mitarbeiter des Bundeslandes an einem Ort.

Standort und Image aufgewertet

„Wir sind zwar nicht an der sogenannten Linzer ‚digitalen Meile‘, aber wir können mit ruhigem Gewissen sagen, dass hier am Standort ein digitaler Hotspot entstanden ist“, sagt Günther Schallmeiner. Der Siemens-Oberösterreich-Chef verwirklichte mit der neuen „Homebase“ einen lang gehegten Traum, nämlich „eine Top-Arbeitswelt für alle Mitarbeiter zu gestalten, mit fließenden Abteilungsgrenzen und individuell angepassten Arbeitssystemen. Diese Chance hast du nur einmal im Leben“, sagt Schallmeiner. Darüber hinaus soll der neue Standort nach außen wirken: Siemens, seit 120 Jahren in Oberösterreich, will als attraktiver Arbeitgeber wieder neu glänzen. Aus diesem Grund spricht Schallmeiner nicht mehr so gerne von „Niederlassung“. „Das trifft es nicht mehr. Wir sind von Linz aus international im Projekt- und Lösungsgeschäft tätig und entwickeln Softwaresysteme für den weltweiten Vertrieb. Daher reden wir viel lieber vom Siemens Innovationhub Oberösterreich.“

Eine Top-Arbeitswelt für alle Mitarbeiter zu gestalten – diese Chance hast du nur einmal im Leben.

Innovation sichtbar machen

Sichtbarer Ausdruck des neuen Selbstverständnisses ist das im Erdgeschoß untergebrachte neue „Manufacturing Solutions Lab“. Die Kundeninstallation kann sowohl zu Test- als auch zu Ausbildungszwecken genutzt werden. Der Fokus liegt auf Lösungen für die Produktion von Autos und die Fertigung von Batterien für Elektroautos. „In sehr vielen Automobilwerken dieser Welt steckt über alle Produktionsbereiche hinweg Know-how aus Oberösterreich. Das ist unser Alleinstellungsthema“, sagt Schallmeiner. Daneben ist Oberösterreich ein weltweit gefragtes Kompetenzzentrum in den Bereichen digitaler Energiemanagementlösungen und ­Flottenmanagement für fahrer­lose Transportsysteme. „Man muss sich als Unternehmen immer wieder neu erfinden, sonst kannst du mit den Entwicklungen nicht mithalten“, sagt Schallmeiner. Österreichweit beschäftigt ­Siemens 8.900 Menschen und setzt 2,7 Milliarden Euro um.