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IV OÖ Pressekonferenz
IV OÖ-Vizepräsidentin Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß und IV OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch.
IV OÖ-Vizepräsidentin Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß und IV OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch.
IV OÖ/Roland Pelzl

Die Energiekrise zur Chance machen

15.11.2022 um 15:15, Klaus Schobesberger
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Die Industriellenvereinigung fordert mehr Tempo bei Genehmigungsverfahren und sieht in ihrer aktuellen Studie eine Zeitenwende für die Energie- und Umweltpolitik.

Verpasse niemals eine gute Krise. Die alte Börsenweisheit gilt auch für Betriebe, Wirtschaftsstandorte und Staaten. „Die Energiekrise zur Chance machen“, ist auch der Schwerpunkt der gestern von der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) präsentierten 130 Seiten starken Studie „Green Transition der oberösterreichischen Industrie“. Der durch den Ukraine-Krieg hervorgerufene Energiepreisschock sei eine Zeitenwende für die heimische Energie- und Umweltpolitik, sagt Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der IV OÖ. „Es braucht raschere Genehmigungsverfahren und weniger Bürokratie, Technologieförderung statt -verhinderung, internationale Kooperationen für umfassende grüne Energielieferungen und große Industrietransformationsprojekte“, so Haindl-Grutsch. Die oberösterreichische Industrie sei wesentlicher Teil der Lösung im Kampf gegen den Klimawandel und produziert im internationalen Vergleich bereits heute wesentlich klimaschonender als irgendwo sonst. „Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand sind kein Widerspruch, sondern können nur eng aufeinander abgestimmt wirken und wachsen. Die Zukunft unseres Industriestandortes steht auf dem Spiel.“ Europa dürfe bei der erneuerbaren Energie nicht denselben Fehler wie im IT-Bereich machen: Technologien, die in Europa entwickelt wurden, haben am Ende amerikanische Firmen groß gemacht.

 

Nicht neue Abhängigkeiten schaffen

Für IV OÖ-Vizepräsidentin Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß sind neue Anforderungen an Produkte und Produktionsprozesse „immer auch eine Chance, die es im Zuge der Green Transition es zu ergreifen gilt, um zusätzliche Marktanteile zu erobern oder neue Märkte zu erschließen“. Insgesamt werden in der Studie fünf entscheidende Themenfelder am Weg zu einer dekarbonisierten Wirtschaft für die heimische Industrie identifiziert: Elektrifizierung und die Nutzung erneuerbarer Energiequellen, eine weitere Steigerung der Energie- und Materialeffizienz, der Einsatz alternativer Rohstoffe sowie die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft. Zur Orientierung im Dschungel der Möglichkeiten ermittelte die IV OÖ fast 30 zentrale betriebliche Ansatzpunkte, die wiederum in sechs Kategorien eingeteilt wurden. Kurzfristig brauche es Maßnahmen auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene zur Abfederung der enorm gestiegenen Energiepreise, um die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes Oberösterreich sicherzustellen. Längerfristig die grüne Transformation so umgesetzt werden, dass sie zur Chance für die heimischen Betriebe wird. „Es darf keinesfalls dazu führen, das Europa sich von einer Abhängigkeit bei russischem Gas in die nächste begibt – beispielsweise bei Rohstoffen für Batterien aus China oder aufgrund der angekündigten massiven Förderprogramme für Produktionsanlagen in den USA.“ Die grüne Transformation müsse europäische Wertschöpfung generieren und darf nicht zur Deindustrialisierung unseres Kontinents führen.

 

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