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Toni Faber mit Natalie Nemec beim Wiener Opernball, Diskussion um Zölibat und Privatleben des Dompfarrers
Toni Faber mit Natalie Nemec beim Wiener Opernball: Die öffentlichen Auftritte sorgen seit Jahren für Diskussionen rund um Zölibat und Privatleben.
Toni Faber mit Natalie Nemec beim Wiener Opernball: Die öffentlichen Auftritte sorgen seit Jahren für Diskussionen rund um Zölibat und Privatleben.
APA-Images / Andreas Tischler

Toni Faber: Abschied wohl fix – Grünwidl greift durch, Vertraute Natalie im Fokus

19.05.2026 um 09:41, Stefanie Hermann
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Toni Faber steht vor dem Abschied. Nach Gesprächen mit Erzbischof Grünwidl dürfte die Entscheidung gefallen sein – Zölibat und Auftritte mit Natalie im Fokus.

In der Erzdiözese Wien spitzt sich die Lage rund um Toni Faber weiter zu. Nach wochenlangen Verhandlungen zwischen dem Dompfarrer und Erzbischof Josef Grünwidl verdichten sich die Hinweise, dass die Gespräche kurz vor dem Abschluss stehen, wie die „Presse“ berichtet.

Offiziell bestätigt ist ein möglicher Abschied Fabers bislang nicht. Diözesansprecher Michael Prüller betont gegenüber Medien weiterhin Zurückhaltung. „Dass Dompfarrer und Erzbischof miteinander im Gespräch sind, hat der Erzbischof ja schon immer wieder bestätigt. Solange kein Ergebnis vorliegt, können wir aber nichts weiter darüber sagen.“ Hinter den Kulissen dürfte man sich jetzt aber auf den Abschied geeinigt haben.

Toni Fabers Abschied: Kirche hält sich bedeckt

Erzbischof Josef Grünwidl steht erst seit Kurzem als Nachfolger von Kardinal Christoph Schönborn an der Spitze der Erzdiözese Wien und dürfte nun auch personell seine eigene Linie durchsetzen wollen. Dass dem neuen Erzbischof Fabers Rollenverständnis nicht hundertprozentig ins Konzept passt, ist dabei ein offenes Geheimnis. Vor allem Fabers Umgang mit dem Zölibat, seine regelmäßigen Auftritte mit Natalie Nemec sowie Kritik an seiner öffentlichen Rolle haben zuletzt auch für öffentliche Debatten gesorgt. Damit trifft Grünwidl auf einen der sichtbarsten und zugleich umstrittensten Vertreter eines liberaleren Kurses innerhalb der österreichischen Kirche.

Natalie Nemec und Zölibat: Der Kern der Debatte

Ein zentraler Streitpunkt in den Gesprächen ist dabei Fabers öffentliches Auftreten. Seit Jahren tritt der Wiener Dompfarrer vom Opernball bis zu Society-Events gemeinsam mit Natalie Nemec bei öffentlichen Veranstaltungen auf.

Faber spricht offen von einer „ganz konkreten Person“ an seiner Seite, vermeidet aber bewusst den Begriff Lebensgefährtin. „Ich tituliere keine Frau als Lebensgefährtin“, stellt er klar. Gleichzeitig betont er: „Ich bin sehr froh, dass ich Natalie bei offiziellen Anlässen an meiner Seite habe und sie als gute Freundin immer weiß, dass ich für sie einstehe und sie für mich.“

Toni Faber und das Zölibat

Die sichtbare Nähe widerspricht dem traditionellen Verständnis des Zölibats, das nicht nur den Verzicht auf Ehe, sondern auch eine klare emotionale und öffentliche Distanz vorsieht. Toni Faber hat sich wiederholt für einen zeitgemäßen Umgang mit dem Pflichtzölibat ausgesprochen und dafür plädiert, die Lebensrealität vieler Priester stärker anzuerkennen.

Liberaler Kurs im Stephansdom

Generell gilt Fabers Zugang als lebensnah. So spricht sich der "City-Pfarrer" etwa für einen inklusiven Zugang aus und betont, dass es in der Kirche keine „Christen zweiter Klasse“ geben dürfe – auch nicht bei Themen wie Homosexualität oder modernen Familienformen. Faber verkörpert mit seiner liberalen Haltung für viele einen moderneren, zeitgemäßen Zugang zur Priestertätigkeit.

Fabers liberaler Kurs stößt nicht in allen Teilen der Kirche auf Zustimmung. Der Spagat zwischen Tradition und gesellschaftlicher Realität macht ihn für viele Gläubige greif- und nahbar, bringt ihn aber zugleich in Konflikt mit der offiziellen Kirchenlehre.

Grünwidl setzt auf klare Linie

Die Kombination aus öffentlicher Präsenz, persönlicher Begleitung und reformorientierten Aussagen dürfte ein wesentlicher Grund für die aktuellen Gespräche mit Grünwidl sein. Beobachter werten die Gespräche mit Toni Faber als Teil einer strategischen Neuausrichtung.

Dabei geht es nicht nur um eine Personalentscheidung, sondern auch um die Frage, wie sich die Kirche in Wien künftig positionieren will – zwischen Tradition, Reform und öffentlicher Wahrnehmung. Grünwidl dürfte dabei stärker auf ein einheitliches Auftreten und eine klarere Orientierung an der kirchlichen Ordnung setzen, insbesondere in sensiblen Fragen wie Zölibat und öffentlicher Rolle von Priestern.

30 Jahre Stephansdom: Abschied mit Symbolkraft

Ein möglicher Abschied von Toni Faber würde zeitlich in ein symbolträchtiges Jahr fallen. 2027 feiert der 64-Jährige sein 30-jähriges Dienstjubiläum am Stephansdom und erreicht gleichzeitig das Pensionsalter. In Kirchenkreisen gilt dieses Zeitfenster als ideal für einen geordneten Rückzug. Diskutiert wird eine „gesichtswahrende Lösung“, die Fabers langjährige Verdienste würdigt und gleichzeitig einen Neuanfang unter Grünwidl ermöglicht.

Noch fehlt die offizielle Bestätigung, doch vieles deutet darauf hin, dass der Abschied von Toni Faber näher rückt. Die Gespräche mit Grünwidl stehen offenbar vor dem Abschluss – und damit auch eine Entscheidung über die Zukunft des wohl bekanntesten Pfarrers Österreichs. Für die katholische Kirche in Wien könnte Fabers Abschied nicht nur das Ende einer Ära markieren, sondern auch die künftige Linie unter Grünwidl vorgeben.

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