Der Preis ist heiß

Leere Regale nach Hamsterkäufen und Rabattschlachten – in den letzten Wochen keine Seltenheit. Viele Konsumenten kaufen Unmengen an Waren, wenn diese in Aktion sind, denn Lebensmittel werden zunehmend teurer. Ist die Inflation ein Game Changer?
Autor: Verena Schwarzinger, 18.07.2022 um 08:16 Uhr

Schärdinger Teebutter, 250 g um 2,89 Euro. Neuburger geschnitten, 225 g um 4,79 Euro. Ein Einkauf für zum Beispiel eine vierköpfige Familie belastet das Haushaltseinkommen enorm. Die Preise für Obst, Gemüse, Konserven oder Wurst und Fleisch sowie bei Mehl und Nudeln steigen aufgrund der Inflation immer weiter an. Laut Statista stiegen die Verbraucherpreise im Mai 2022 um rund acht Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und um 1,1 Prozent gegenüber dem Vormonat an. Damit erreicht die Teuerung einen neuen Allzeit- Höchststand. Welche Spuren hinterlässt wohl dieser Konsumtsunami in der Gesellschaft?

Dauertiefpreis und Eigenmarken

Bereits erste Veränderungen im Kaufverhalten der Österreicher sieht der Lebensmittelhändler Spar. Manche Produkte werden zu teuer, um sie noch an den Mann oder an die Frau zu bringen. „Man merkt, dass die Kunden noch preissensibler einkaufen als sonst. Dies ist vor allem an unserer Eigenmarke S-BUDGET erkennbar, das ist die supergünstige Eigenmarke, sie hat aktuell eine Zuwachsrate von plus zwölf Prozent. Hochpreisige Produkte wie Spargel waren heuer bisher deutlich schwerer zu verkaufen“, so Nicole Berkmann, Unternehmenssprecherin von Spar. Auch der Diskonter Hofer setzt auf seine werbebekannten Kundenbenefits wie Eigenmarken und Dauertiefpreise. Bislang sehen die Verantwortlichen auch noch ein stabiles Kaufverhalten und verzeichnen gar einen positiven Trend nach Eigenmarken zu günstigen Preisen wie „FairHOF“ oder „Zurück zum Ursprung“. Diese starken Eigenmarken sind in allen mehr als 530 Hofer-Filialen erhältlich. „Hofer bietet dauerhaft bestmögliche Qualität zum günstigen Preis. Wir gehen davon aus, dass die Bevölkerung bei steigenden Preisen noch mehr unser gutes Dauertiefpreis- Angebot in Anspruch nehmen wird. Wir kalkulieren seit jeher knapp und geben alle Preisvorteile direkt an unsere Kunden weiter“, sagt Horst Leitner, CEO der Hofer KG.

Ein bewusster Konsum

Die Österreicher greifen zu Eigenmarken und auch der Bioboom hält an. Wenn nicht vom Bauern ab Hof, dann wenigstens mit gutem Wissen und Gewissen. „Der Biobereich erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Unser Ziel ist jedoch seit jeher, allen Kunden eine vielfältige und qualitativ hochwertige Auswahl an Produkten anbieten zu können, für alle Geschmäcker und Budgets. Wir bemerkten in den letzten Wochen eine höhere Preissensibilität und damit einhergehend ein dynamisches Wachstum der clever-Eigenmarke, speziell bei Grundnahrungsmitteln“, berichtet Paul Pöttschacher, Konzernpressesprecher der REWE Group. Auch bei der oberösterreichischen UNIGruppe spiegelt sich die Inflation wider. „Man merkt eine massive Veränderung im Kaufverhalten. Der Preis steht stark im Fokus. Kunden kaufen verstärkt Aktionsartikel und man bemerkt eine Konsumreduktion. Preiseinstiegs-Marken sind daher im Steigen“, berichtet Sandra Trifunovic, Bereichsleitung Sortiment.

Heiße Rabattschlachten

Die Preise werden noch weiterhin nach oben gehen. Bei der UNIGruppe rechnet man auf jeden Fall damit. „Das Sortiment und Aktionen werden sich ändern. Der Kurant geht zurück und es ist kein Ende in Sicht“, so Trifunovic. Bei Hofer bleiben die bekannten Rabattaktionen, die jeweils von Montag bis Donnerstag bzw. von Freitag bis Samstag stattfinden und 50 Prozent auf ausgewählte Sortimentsartikel gewähren. „Bevor wir Kostenanpassungen bei unseren Artikeln abbilden, prüfen wir alle Möglichkeiten, ob Mehrkosten anderweitig – auch durch Reduktion unserer Marge – aufzufangen sind. Nur wenn es nicht mehr möglich ist, die gestiegenen Kosten abzufedern, müssen wir unsere Verkaufspreise anpassen. Entspannt sich die Situation am Markt wieder, so werden Preisvorteile umgehend an unsere Kundinnen und Kunden weitergegeben“, sagt CEO Horst Leitner. Auch die Handelskette Spar bleibt dem bestehenden Sortiment treu, wird jedoch die Menge einzelner Produkte anders kalkulieren. Kunden sollen „Entlastungspakete“ erhalten, diese sind von vielen Aktionen, bei denen günstiger eingekauft werden kann, gekennzeichnet, informiert die Unternehmenssprecherin. In dieses Horn bläst auch die REWE Gruppe. „Erhöhte Preisforderungen von Herstellern und Lieferanten, die nicht durch gestiegene Kosten begründet sind, werden wir weiterhin nicht akzeptieren. Bei einzelnen Warengruppen und Artikeln werden sich die Verkaufspreise jedoch erhöhen müssen.“ Handelsexperten rechnen damit, dass sich die Konsumenten mit diesen hohen Preisen noch mindestens ein Jahr abfinden müssen.