Business (travel) as usual

Heute hier und morgen da: Fachkräfte aus international agierenden Unternehmen sind des Öfteren unterwegs auf Geschäftsreisen. In den letzten beiden Jahren lag diese Branche jedoch brach. Kommt jetzt ein neuer Aufschwung?
Autor: Verena Schwarzinger, 23.05.2022 um 09:32 Uhr

Die Welt hat wieder geöffnet, nicht nur für Urlaubs- und Privatreisen, sondern auch Businesstrips werden nach zwei ­Jahren ­Pause, zwar verhalten, aber doch mehr. Aktuell wird von der Austrian ­Business Travel Association, ABTA, eine ­Umfrage unter den Mitgliedern durchgeführt. Daraus zeigt sich laut Präsident Roman Neumeister: „15 Prozent gehen von weniger als zehn Prozent des Volumens aus dem Jahr 2019 aus. Aber 40 Prozent erwarten gar bis zu 50 Prozent und 32 Prozent über 50 Prozent der Reisen, die 2019 statt­gefunden haben.“ Die weltweiten Lockerungen und die teilweisen Aufhebungen der strengen Einreisebestimmungen machen Businesstrips wieder möglich und vor allem machbar. „Mit dem Ende der Pandemie, wann immer dieses auch sein wird, wird die Reisetätigkeit wieder verstärkt einsetzen. Ich glaube aber, dass wir insgesamt nicht mehr auf die gleichen Volumina wie vor der Pandemie kommen werden, sondern dass sich dieses bei circa 80 Prozent einpendeln wird“, berichtet Neumeister. Einen Aufwärtstrend sieht auch die Österreichische Luftfahrt. ­„Explizit bei Geschäftsreisenden verzeichnen wir einen leichten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr 2021“, sagt auch ­Maximilian Mayerhofer, Pressesprecher bei den Austrian Airlines.

Persönlich vs. virtuell

Persönliche Treffen fördern die Effizienz, die Kreativität und den Teamgeist. Auf der anderen Seite stehen Nachhaltigkeit, Geld- und Zeitressourcenmanagement eher gegen Geschäftsreisen. Zwischen diesen Aspekten balanciert unter anderem auch die Miba AG. „Neue Ideen und Lösungsansätze entstehen vor allem im di­rekten persönlichen Austausch. Die persönliche Zusammenarbeit mit Kunden und innerhalb der Miba mit weltweit 30 Produktions­standorten sind wesentliche Voraussetzungen für Innovation. Daher sind uns Treffen vor Ort so wichtig. Wenn sich Termine ohne Qualitätsverlust auch online durchführen lassen, dann nutzen wir aus Gründen der Nachhaltigkeit aber selbstverständlich auch ­diese ­Möglichkeit“, sagt Bernhard Reisner, Vice President Human Capital bei der Miba AG. Ein Abwägen, welche Reisen notwendig sind und welche nicht, wird in Unternehmen deutlich. „Meiner persönlichen Meinung nach haben sich Onlinemeetings sehr wohl bewährt und viele Firmen haben dies auch als Teil ihrer Nachhaltigkeitsaktivitäten gesetzt. Sprich interne Meetings werden nicht mehr persönlich, sondern virtuell abgehalten. Natürlich werden nicht alle dieser internen Meetings ersetzt, aber doch ein großer Anteil“, bestätigt auch Neumeister von der ABTA weiter. Der Wert einer Geschäftsreise wird neu überdacht, zeigt auch der Report „Business Travel Trends für 2022“ der BCD Travel. Mitarbeiter schätzen Geschäftsreisen aufgrund persönlicher Treffen mit Kollegen, Kunden und Geschäftspartnern. Aber diese Trips müssen an die neuen Arbeitsweisen erst angepasst werden. Es geht um „Bleisure“ – ein Kunstwort aus Business und Leisure, also ein Verschmelzen von Arbeit und Freizeit. Auch das Thema Nachhaltigkeit rückt in diesem Zusammenhang immer mehr in den Fokus. Die Sicherheit im Ausland oder aufgrund externer Rahmenbedingungen erschwert auch aktuell Geschäftsreisen.

Geschäftsreisen rund um die Welt

Nicht nur Österreich, sondern auch Deutschland und vor allem die USA haben ihre ganz eigenen Erwartungen an den Aufschwung der Geschäftsreisen. So beurteilen 84 Prozent der Mitarbeiter von Unternehmen in den USA, dass in den kommenden Monaten mindestens eine Reise am Plan steht, berichtet die US Travel Association im neuen „Quarterly Business Travel Tracker“. Der Ausblick ist sehr positiv, dennoch standen vor der Pandemie im Schnitt 1,7 Reisen am Programm, jetzt sollte die 1,6-Marke nicht überschritten werden. „Bereits im Vorjahr errechnete sich eine leichte Erholung, jedoch noch immer 60 Prozent unter dem Niveau vor der Krise. Der Aufschwung für heuer soll sehr deutlich ausfallen“, sagt Roger Dow, Präsident und CEO der US Travel Association.