Aus der HTL in den Job

Die höheren technischen Schulen dauern fünf Jahre und bilden vor allem in den viel gesuchten MINT-Fächern aus. Die angehenden Ingenieure werden von Wirtschaft und Industrie bereits während der Schulzeit regelrecht abgeworben.
Autor: Verena Schwarzinger, 04.10.2022 um 08:00 Uhr

Technikern steht die Welt offen. Geniale Computerspiele programmieren, als Architekt umweltverträgliche Bauten designen, schon heute die übernächste Generation der Kommunikationstechnik planen, die Energiewende mitbestimmen, den Wirtschaftsstandort ökonomisch und ökologisch vorantreiben: Eine Ausbildung in
einer HTL kann der Schlüssel dazu sein. „Die Nachfrage an Technikern in der oö. Wirtschaft steigt stetig und somit sind HTL-Absolventen gefragter denn je. In einer HTL wird Technik praxisnah erlebt, die Kreativität gefördert und durch Softskills die fundierte technische Bildung ergänzt – genau das macht die künftigen Fachkräfte für die Wirtschaft so wertvoll“, sagt Doris Hummer, Präsidentin der Wirtschaftskammer Oberösterreich. Erfreulich: In den vergangenen Jahren entscheiden sich auch immer mehr Mädchen für eine technische Ausbildung und genau diese positive Entwicklung gilt es, weiterhin zu forcieren. Die WKO Oberösterreich setzt hier zahlreiche Initiativen, die vor allem Mädchen unterstützen, in technischen Berufen Fuß zu fassen. Hier setzt auch die Industriellenvereinigung Oberösterreich an. „Unternehmen mit offenen MINT-Stellen, aktuell rund 66 Prozent, suchen HTL-Absolventen. Und durch den Megatrend der Digitalisierung und die vierte industrielle Revolution wird sich der Bedarf noch einmal erhöhen. Unsere HTLs verkörpern ein internationales Alleinstellungsmerkmal und sind ein bedeutendes Standort- Asset Österreichs“, so Joachim Haindl- Grutsch, Geschäftsführer der IV OÖ.

Gut ausgebildete Menschen werden auch weiterhin der wichtigste Standortfaktor für die oberösterreichische Wirtschaft sein.

Prüfe, wer sich ewig bindet

Anlässlich dieses Needs bahnen Unternehmen bereits während der Ausbildung Kontakte mit den Schülern der HTLs an. Es werden gemeinsam Projekte abgehalten, Diplomarbeiten oder Praktika angeboten, um Kontakte zwischen potenziellen Arbeitnehmern und -gebern aufzubauen. „Die meisten Interaktionen mit den Unternehmen beginnen bereits in den 2. und 3. Jahrgängen und bilden in den höheren bzw. im abschließenden Jahrgang eine nicht mehr wegzudenkende Symbiose zwischen Ausbildung, Wirtschaft und Unternehmen“, berichtet Sandra Losbichler, Schulleiterin der HTL Steyr, und ergänzt: „Unternehmen agieren aktiv und Schüler unterstützen mit innovativen Ansätzen, die Unternehmen fürs Daily Business nutzen.“ Firmen wie ASMAG, Keba und Engel fischen im Teich. Es treten auch immer wieder Firmen von sich aus mit den Schulen in Kontakt.

Die meisten Interaktionen mit den Unternehmen beginnen bereits in den 2. und 3. Jahrgängen und bilden in den höheren bzw. im abschließenden Jahrgang eine nicht mehr wegzudenkende Symbiose.

Gehypte HTL-Absolventen

An die 63.000 HTL-Schüler besuchen 75 technisch-gewerbliche und kunstgewerbliche Lehranstalten. Fast zwei Drittel des höher qualifizierten technischen Personals der Industrie kommen direkt aus HTLs. Sie sind in den Bereichen Maschinenbau oder Kunststoff bis hin zu Software sofort einsetzbar. Trotz dieser positiven Vorzeichen leidet der Innovationsstandort unter einem stetig weiterwachsenden Fachkräftemangel. „Die Ingenieurs-Kompetenz, aber auch das Know-how im Bereich Konstruktion oder Engineering, das in HTLs in Österreich gelehrt wird, sind international einzigartig. Die Ausbildung muss daher auf diesem hohen Niveau unterstützt und das System darf nicht verändert werden“, ist Haindl-Grutsch überzeugt. Denn statistisch gesehen kann jede angehende Fachkraft aus einer HTL sich bis zu zwei Jobs aussuchen – Tendenz steigend. Die Frage, die sich Absolventen stellen, ist daher: Ein Stellenangebot nach der Matura annehmen oder sich einer tertiärenAusbildung widmen?

Die Ausbildung muss daher auf diesem hohen Niveau unterstützt und das System darf nicht verändert werden.