Aschermittwochsgespräch: „Corona-Stipendium für Jugend“

Aufhorchen ließ der deutsche Jugendforscher Simon Schnetzer beim traditionellen Aschermittwochsgespräch von Sparkasse Oberösterreich und Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) mit Zahlen aus der aktuellen Studie „Junge Österreicher 2021“: Für rund ein Drittel der jungen Menschen in diesem Land haben sich finanzielle Lage, berufliche Perspektiven und psychische Gesundheit verschlechtert. Besonders hart trifft es Schüler und Studierende: „Sie scheitern beim Übergang ins Berufsleben, weil es keine Stelle und Perspektive für sie gibt. Für die Gesellschaft ist das eine tickende Zeitbombe“, sagte Schnetzer mit Blick auf das Pensionssystem und die steigenden Staatsschulden.

Sozialen Zusammenhalt fördern

Jugendliche fühlten sich von der Politik im Stich gelassen und wenig verstanden – sie seien in der Krise weder befragt noch beteiligt worden, führte der Ökonom weiter aus. Er forderte entschiedenes Handeln in Form eines halbjährigen „Corona-Stipendiums“ im Umfang von monatlich 1.000 Euro für 16- bis 26-Jährige basierend auf der Idee freiwilliger sozialer Dienste. Jugendliche benötigen einen „Anstupser“ hin zu mehr Unternehmertum, Freiräume zum Handeln und vor allem Perspektiven für die Zukunft. Initiativen wie diese würden den sozialen Zusammenhalt fördern. Werte wie Gemeinschaft und Zusammenhalt in der Familie seien für junge Menschen wichtiger als vor der Pandemie, „sie verhalten sich sehr solidarisch in der Krise und befolgen die Corona-Regeln“, sagte Schnetzer.

Mehr Regionalität, mehr Marktwirtschaft

Auf die Chancen und Möglichkeiten in der gegenwärtigen Lage wies auch Sparkasse OÖ-Chefin Stefanie Christina Huber hin. Sie sieht die Bedeutung der Regionalität steigen: „Ab Hof zu kaufen und lokale Produktionsstandorte sind wieder gefragt, Wertschöpfungsketten zurückzuholen ist ein wichtiges Thema.“ IV OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch glaubt an die junge Generation und ihren Fähigkeiten zur weltweiten Vernetzung. Er betonte, dass unser Wohlstand nicht gottgegeben sei: „Nach Bewältigung der Gesundheitskrise mit vielen staatlichen Hilfen muss sich alles wieder in Richtung Marktwirtschaft, Unternehmertum und Lernen bewegen.“ Er strich die Flexibilität der Unternehmen hervor, die trotz Lockdown weiterproduzieren und wies auf den „Flaschenhals“ am Arbeitsmarkt hin: Trotz hoher Arbeitslosenzahlen fehlen Arbeitskräfte mit naturwissenschaftlichen Ausbildungen.

Krise als Schule der Solidarität

„Wir haben viel dazugelernt in den letzten elf Monaten“, sagte Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander. Sie sei davon überzeugt, dass die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Distance-Learning für eine zunehmende Digitalisierung an den Schulen beitragen werden. Chancen wahrnehmen - darum ging es Organisationsberaterin Barbara Guwak in ihrem Statement: „Jugendliche leben nicht in einer eigenen Welt, sondern mit uns. Jetzt liegt es an uns, zu zeigen, wie wir mit dieser Situation umgehen und wie wir als Vorbild mit Mut und Zuversicht vorangehen.“ Katja Winkler von der Katholischen Privatuniversität Linz sprach von einem „Ungleichheits-Virus“: Jugendliche, die bildungsmäßig benachteiligt waren, sind es jetzt in der Pandemie noch mehr. Krise könne zur Schule der Solidarität werden. „Kontraproduktiv sind Impf- und Konsumpatriotismus oder Abschottung der Märkte. Um die Krise zu bewältigen brauche es Solidarität und eine gemeinsame globale Anstrengung.

Autor: Klaus Schobesberger, 18.02.2021