Achleitner: Keine innovative Idee soll verloren gehen

Vor mehr als zwei Jahrzehnten ging tech2b als einer der ersten Inkubatoren in Österreich an den Start. tech2b ist für viele Gründer immer noch erste Anlaufstelle. Warum?
Markus Achleitner: Seit 2002 hat unser Hightech-Inkubator mehr als 450 Startups betreut, darunter sind erfreulicherweise so klingende Namen wie Bistrobox, GENSPEED, MoxVR, Presono, RudyGames, Runtastic, smec, Storyblok, tractive und Xaleon. Wir wollen, dass in Oberösterreich keine innovative Idee verloren geht, sondern für eine Bereicherung des unseres Wirtschaftsstandortes sorgt. Daher unterstützt tech2b Gründer mit Know-how, Kapital und Kontakten, um aus Ideen Geschäftsmodelle und Produkte zu entwickeln. Darüber hinaus hilft tech2b den Startups, ihre Produkte selbst oder in Kooperation mit den führenden Unternehmen des Landes auf den Markt zu bringen und schnell zu wachsen. Denn bereits seit 2017 verknüpft tech2b im Rahmen der Initiative Pier4 auch nationale und internationale Startups mit oö. Leitbetrieben – eine Win-win-Situation für beide Seiten und darüber hinaus für den Standort Oberösterreich.

Wie wichtig ist das über die Jahre gewachsene Startup-Ökosystem inzwischen für die oö. Wirtschaft?
Achleitner: Neue Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen stärken die Innovationskraft und den Standort Oberösterreich und bringen die heimische Wirtschaft noch einen Schritt weiter nach vorne. Unser Inkubator tech2b unterstützt seit nunmehr bereits 20 Jahren Startups erfolgreich dabei, ihre Ideen voranzutreiben und zu verwirklichen und bietet ihnen zugleich Rückhalt und Raum zur Entfaltung. tech2b leistet damit einen wichtigen Beitrag, um Oberösterreich als Innovations-Hotspot zu stärken und so den Standort Oberösterreich noch wettbewerbsfähiger zu machen.

Wurden Startups in ihrem Elan während der Pandemie nicht gebremst?
Achleitner: Seit Beginn der Krise verzeichnet unser Startup-Inkubator zehn bis 15 Prozent mehr Bewerbungen für seine Unterstützungsprogramme. Zugleich bringt die andauernde Pandemie aber auch Herausforderungen für den Startup- Sektor. Denn auch wenn einerseits eine Zunahme an Gründungen festzustellen ist, so ist andererseits auch die Größe der Teams geringer geworden. Es ist in der Krise schwieriger geworden, potenzielle MitgründerInnen kennenzulernen und Vertrauen zueinander aufzubauen. Auch das Finden von Mitarbeitern ist für Startups eine immer größere Herausforderung.  Generell haben sich die Startups aber schon voll auf die Krisensituation eingestellt. Die meisten waren da sogar schneller als andere Unternehmen. So ist die Krise für viele eine Chance und ein Türöffner: Praktisch alle größeren Unternehmen suchen plötzlich nach Digitalisierungslösungen, dabei wollen sie schnell sein und auf zukunftsweisende Technologien setzen. Da sind für viele Startups auf einmal Türen aufgegangen, die vorher nur den bekannten Anbietern offen standen.

Für 2022 stehen neue Schwerpunkte am Programm, etwa das Frühförderprogramm „Ideate“. Was versprechen Sie sich davon?
Achleitner: Wie gesagt, keine innovative Gründungsidee soll in Oberösterreich verloren gehen. Daher wollen wir potenzielle Gründer schon in der frühen Ideenphase abholen und möglichst frühzeitig begleiten und coachen. Damit mehr Ideen auch weiterverfolgt und umgesetzt werden, haben wir das neue, sehr niederschwellige Frühförderprogramm „ Ideate“. Ein wichtiger Aspekt dabei ist auch die Vernetzung untereinander sowie mit erfahreneren UnternehmerInnen und ExpertInnen. Bisher gibt es schon 14 Teams im Programm „Ideate“ und jedes Projekt erhält für sechs Monate niederschwellige Beratung und Begleitung. Auch nachhaltige Innovationen stehen im Fokus der Wirtschaftspolitik.

Welche Rolle können Startups im Kampf gegen den Klimawandel spielen?
Achleitner: Wir wollen mit unseren Unterstützungsprogrammen immer am Puls der Zeit sein. Die Ökologisierung bringt gerade für Oberösterreichs Wirtschaft große Chancen. Daher wird tech2b künftig einen besonderen Schwerpunkt auf Öko-Technologien und Nachhaltigkeit legen. Startups mit klima- und umweltrelevanten Produkten erhalten – ähnlich zum sehr erfolgreichen Schwerpunkt für Startups im Medizintechnik- Bereich – eigene Angebote.

Hat sich das Mindset von jungen Menschen zum Thema Gründung generell geändert?
Achleitner: In Unternehmen, die das Inkubationsprogramm von tech2b durchlaufen haben, arbeiten heute mehr als 1.200 Menschen. Acht von zehn Unternehmen, die mit Unterstützung von tech2b in den vergangenen fünf Jahren gegründet wurden, sind auch heute noch am Markt aktiv. Das sind Erfolgsgeschichten, die natürlich Mut machen. Wir merken sehr deutlich, dass die Zahl der unterstützten Startups in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen ist. Aktuell begleitet tech2b rund 40 Startups pro Jahr in verschiedenen Phasen der Gründung. Das zeigt, dass immer mehr junge Menschen für ihre Ideen „brennen“ und daher bereit sind, sich damit selbstständig zu machen und dabei natürlich auch Risiken eingehen. Damit diese Risiken möglichst gering gehalten werden können, bieten wir mit tech2b ein umfassendes Unterstützungsangebot und Sicherheitsnetz an.

Autor: Verena Schwarzinger, 28.04.2022