Kärnten am Wendepunkt
Herr Präsident, Wirtschaft und Politik haben sich zuletzt darauf geeinigt, ein gemeinsames Standortabkommen zu entwickeln. Warum ist dieses Signal wichtig?
Wir können uns keine verlorenen Jahre mehr leisten. Kärnten hat enormes Potenzial – durch die Koralmbahn und unsere starke industrielle Basis. Aber entscheidend ist, dass Politik und Wirtschaft gemeinsam an einem Strang ziehen. Das Standortabkommen ist ein wichtiges Signal des Schulterschlusses. Es geht um konkrete Maßnahmen: schnellere Verfahren, mehr Tempo bei Infrastrukturprojekten, bessere Rahmenbedingungen für Investitionen und einen klaren Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit.
Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf?
Viele Betriebe kämpfen mit schwacher Konjunktur, steigenden Belastungen und immer mehr Regulierung. Die Senkung der Lohnnebenkosten war ein wichtiger erster Schritt. Arbeit in Österreich ist im internationalen Vergleich zu teuer. Wenn wir Beschäftigung sichern und Arbeitsplätze schaffen wollen, müssen wir Leistung stärker entlasten – für Unternehmen und Arbeitnehmer.
Reicht das aus, um den Standort nachhaltig zu stärken?
Nein, das kann nur ein Anfang sein. Wir brauchen insgesamt ein wirtschaftsfreundlicheres Klima. Unternehmer brauchen Planungssicherheit statt ständig neuer Auflagen. Gerade kleine und mittlere Betriebe verbringen oft mehr Zeit mit Bürokratie als mit ihrem eigentlichen Geschäft. Weniger Bürokratie wäre die schnellste Konjunkturmaßnahme.
Sie sprechen oft von den Chancen der AREA Süd. Wo stehen wir?
Mit der Koralmbahn ist ein Jahrhundertprojekt Realität geworden. Kärnten und die Steiermark wachsen wirtschaftlich enger zusammen. Damit die AREA Süd ihre volle Wirkung entfalten kann, brauchen wir den Ausbau des Logistikcenters Fürnitz, des Güterterminals Kühnsdorf und eine leistungsfähige Güterbahntrasse im Zentralraum. So kann Kärnten zu einem der wichtigsten Wirtschafts- und Logistikstandorte im Alpen-Adria-Raum werden.
Wie wichtig sind internationale Handelsabkommen für Kärnten?
Enorm wichtig. Mehr als 60 Prozent unserer Betriebe sind direkt oder indirekt vom Export abhängig. Deshalb begrüßen wir Handelsabkommen wie Mercosur oder jenes mit Indien. Sie schaffen Marktzugang, reduzieren Handelshemmnisse und sichern Arbeitsplätze.
Gerade in Zeiten globaler Unsicherheit ist es entscheidend, neue Märkte zu erschließen. Was ist jetzt entscheidend für den Wirtschaftsstandort Kärnten?
Politik und Wirtschaft wissen längst, was notwendig ist. Mit dem gemeinsamen Standortabkommen wollen wir künftig an einem Strang ziehen und Entscheidungen gemeinsam treffen. Kärnten hat große Chancen – und wir müssen sie jetzt konsequent nutzen.
Zur Person
Jürgen Mandl ist Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten und Unternehmer. Er vertritt mehr als 38.000 Betriebe, die knapp 200.000 Arbeitsplätze sichern. Ein zentraler Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Stärkung des Wirtschaftsraums AREA Süd sowie der Abbau von Bürokratie für Unternehmen.
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