Tanja Grallert: „Lasst die Kinder in euer Unternehmen“
Tanja Grallert entwickelt mit ihrer Agentur „Planbare Glücksmomente“ individuelle Kinderbetreuungskonzepte. Im Interview erklärt sie, warum ihre Arbeit weit über den Basteltisch hinausgeht, Kinder in der Arbeitswelt stärker mitgedacht werden sollten – und wie Unternehmen und Marken davon profitieren.
Mehr als ein Nice-to-have
Familienfreundlichkeit ist längst ein Faktor für Mitarbeiterbindung. Welche Rolle kann professionelle Kinderbetreuung dabei spielen?
Tanja Grallert: Eine gute Betreuung ist heute kein Nice-to-have mehr, sondern eine Grundvoraussetzung für gute Arbeitsbedingungen. Entsprechend wichtig sind Konzepte, die Eltern entlasten und Kindern ein echtes Erlebnis bieten. Wie es funktionieren kann, zeigt unser Betreuungskonzept für „Salzburg Congress“: Während Mama oder Papa im Ärztekongress sitzt, entdecken die Kids Salzburg, zum Beispiel bei einem Ausflug in den Zoo. So sind am Ende alle happy.
Sollten Kinder also stärker in die Arbeitswelt ihrer Eltern einbezogen werden?
Tanja Grallert: Wir haben beides über die Jahre viel zu stark voneinander getrennt. Viele Kinder kennen den Arbeitsalltag der Eltern gar nicht. Dabei gäbe es einfache Wege, ihnen einen positiven Zugang zu Arbeit und Beruf zu vermitteln. Ein erster Schritt könnte sein, Mitarbeitern zu ermöglichen, ihre Kinder einen Tag im Monat mitzubringen. Das ist in meinen Augen langfristig mehr Benefit als der klassische Obstkorb.
Kinderbetreuung ist in meinen Augen langfristig mehr Benefit als der klassische Obstkorb.
Kinderfreundlichkeit beginnt im Detail
Ob Mitarbeiterkind oder junger Gast: Was unterscheidet echte Kinderfreundlichkeit vom obligatorischen Kinderprogramm?
Tanja Grallert: Der größte Fehler ist, Kinder als Randgruppe zu behandeln, nach dem Motto: Die werden sich schon beschäftigen. Kinder müssen von Anfang an mitgedacht werden. Das zeigt sich schon bei scheinbaren Kleinigkeiten wie der Wartezeit beim Essen: 20 Minuten können sich für ein Kind so lang anfühlen wie eineinhalb Stunden für einen Erwachsenen. Auch bei den Angeboten entscheiden Details über die Qualität. Natürlich kann ich ein simples Malbuch hinlegen. Aber warum nicht ein T-Shirt zum Bemalen oder etwas, das einen Bezug zum Unternehmen hat?
Die Handschrift des Unternehmens
Und wie bekommt ein Kinderkonzept die Handschrift des Unternehmens?
Tanja Grallert: Man muss das Rad nicht ständig neu erfinden. Kinderschminken, Basteln oder eine Hüpfburg funktionieren seit Jahrzehnten. Entscheidend ist aber, ob sie zu meiner Zielgruppe passen. Am Anfang steht also die Frage: Welche Familien und Altersgruppen möchte ich überhaupt erreichen? Viele Programme richten sich standardmäßig an Fünf- bis Siebenjährige. Ein Weihnachtsmarkt zeigt das gut: Überall gibt es Adventkranzbasteln oder Kerzengießen. Vorrangig kommen aber Familien mit Kindern, die noch im Kinderwagen sitzen – die erreiche ich damit überhaupt nicht. Und auch für ältere Kinder fehlt oft ein Angebot. Im zweiten Schritt geht es um das Unternehmen selbst: Welche Botschaft möchte ich transportieren? Was ist mein USP? Meine Aufgabe ist es, die Sprache des Unternehmens in die Kinderbetreuung zu übersetzen und ein entsprechendes Angebot zu konzipieren.
Wenn Kinder sich wohlfühlen können Eltern entspannter arbeiten oder als Gäste genießen.
Wie zahlt ein gutes Kinderangebot langfristig auf Unternehmen und Marke ein?
Tanja Grallert: Natürlich muss sich ein Kinderangebot auch unternehmerisch rechnen. Gleichzeitig muss Betrieben bewusst sein: Professionelle Kinderbetreuung hat einen Wert. Qualität, Verantwortung und ein durchdachtes Konzept gibt es nicht zum Nulltarif. Jedem sollte bewusst sein: Aus den Kindern von heute können die Kunden von morgen werden. Wir verbinden Bilder aus unserer Kindheit ein Leben lang mit Orten und Erlebnissen. Daraus kann eine langfristige Verbundenheit mit einer Marke entstehen. Gleichzeitig halten Eltern schöne Momente fest und tragen sie über Social Media oder Erzählungen nach außen. Eine bessere Werbung gibt es nicht.