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Panoramaansicht der Bergiselschanze in Innsbruck
Die Bergiselschanze in Innsbruck ist fixer Bestandteil der Vierschanzentournee.
Die Bergiselschanze in Innsbruck ist fixer Bestandteil der Vierschanzentournee.
:xbrchx/iStock.com

Bergisel: Von Olympia bis Tournee

04.01.2026 um 12:12, Marcel Toifl
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Die Bergiselschanze in Innsbruck ist der traditionelle dritte Zwischenstopp der Vierschanzentournee. Die Skisprunganlage hat eine bewegte Geschichte.

Während heute die Skispringer beim dritten Bewerb der 74. Vierschanzentournee vom Innsbrucker Anlaufturm blicken, gleitet der Blick über ein Bauwerk, das Geschichte und Gegenwart in einer einzigen Kurve verbindet. Die Bergiselschanze ragt über der Stadt, wie ein modernes Wahrzeichen.

Anfang und erste Springen

Am 23. Jänner 1927 hebt am Bergisel zum ersten Mal ein Springer von der Naturschanze ab. Die Weite des Siegers beträgt 47,5 Meter. Nur ein Jahr später folgt der erste hölzerne Anlaufturm. Für die Nordischen Skiweltmeisterschaften 1933 entsteht eine komplett neue Anlage. Der Bergisel entwickelt sich in kurzer Zeit zu einem Zentrum des Skispringens in Tirol.

1941 stürzt der Turm während eines Besuchs zweier Fußballmannschaften ein. Vier Menschen sterben. Mehrere werden verletzt. Der Anlaufturm verschwindet aus dem Tal. Nach dem Krieg entsteht die Schanze erneut, gebaut nach den Plänen aus den dreißiger Jahren. Mit der Gründung der Vierschanzentournee 1952 gehört Innsbruck von Beginn an zu den Austragungsorten. Das erste Bergisel-Springen findet am 3. Jänner 1953 statt.

Umbauten und olympische Jahre

Für die Olympischen Winterspiele 1964 wird die Anlage modernisiert. Zwölf Jahre später folgt ein weiterer Ausbau. Die Stadt Innsbruck rückt in dieser Zeit zweimal ins Zentrum des Wintersports. 1985 richtet Innsbruck gemeinsam mit Seefeld die Nordischen Skiweltmeisterschaften aus. Die Schanze ist damit Teil einer ganzen Epoche olympischer Schauplätze.

1987 steht der Bergisel plötzlich im Zeichen der Musik. Miles Davis und John McLaughlin treten beim Konzert „Woodstock am Bergisel“ auf. Im Juni 1988 feiert Papst Johannes Paul II. eine Messe mit rund 60.000 Gläubigen. Das Stadion wird zum spirituellen Ort. Zwischen Sport und Geschichte verschmelzen die Rollen.

Tragödie und Neubeginn

Am 4. Dezember 1999 endet der Snowboard-Wettbewerb "Air & Style" in einer Katastrophe. Nach dem Bruch einer Absperrung entsteht eine Massenpanik. Fünf junge Frauen sterben, 38 Besucher werden verletzt. Die Tragödie erschüttert Tirol. Drei Jahre später stimmt die Landesregierung Entschädigungen zu. Der Chef der Sicherheitsfirma wird freigesprochen.

Im selben Jahr schreibt die Stadt Innsbruck einen internationalen Wettbewerb für den Neubau aus. Sechs Büros reichen Entwürfe ein. Den Zuschlag erhält die Architektin Zaha Hadid. Ihr Entwurf verbindet Skulptur und Sportstätte. Am 25. März 2001 wird der alte Turm gesprengt. Zwei Jahre später steht ein völlig neues Bauwerk auf dem Hang. Die Baukosten liegen bei rund 12 Millionen Euro. 2002 erhält Hadid den Österreichischen Staatspreis für Architektur.

Architektur und Technik

Die neue Schanze schmiegt sich wie eine Welle an den Hang. Der 50 Meter hohe Turm trägt den Anlauf, das Restaurant und eine Aussichtsplattform mit 360-Grad-Blick. Die Spur besteht aus Glaskeramikschindeln mit Kühlschlangen. Der Auslauf ist mit Kunststoffmatten belegt. So wird auch im Sommer trainiert. Nachts leuchtet der Brückenteil der Rampe in wechselnden Farben.

Die Schanze ist 128 Meter groß, der Konstruktionspunkt liegt bei 120 Metern. Der Winterrekord beträgt 138 Meter, gehalten von Michael Hayböck. Im Sommer liegt der Bestwert bei 136 Metern durch Adam Małysz. Genau unter dem Schanzentisch verläuft die Brenner Autobahn. 455 Stufen führen zur Plattform. Ein Schrägaufzug bringt Besucher in zwei Minuten nach oben.

Heutige Bedeutung

Heute gilt die Bergiselschanze als eine der modernsten Anlagen Europas. Sie ist Schauplatz von Olympischen Jugendspielen, Weltmeisterschaften und dem legendären Tourneespringen. Bis zu 22.500 Zuschauer verwandeln das Stadion in einen Hexenkessel. Das Restaurant „Bergisel Sky“ bietet ganzjährig Panoramablicke auf Innsbruck.

Quellen und weiterführende Informationen

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