Über 1.000 Fahrzeuge: Mega-Schlag gegen Schleppernetzwerk
- Flucht im Grenzraum löst Ermittlungen aus
- Operation ANCORA nimmt internationale Struktur ins Visier
- Zugriff in Wien zerschlägt Führungsstruktur
- Tausende Datensätze analysiert
- Regierung würdigt Ermittlungserfolg
Eine riskante Flucht im Grenzraum der Südsteiermark bringt Ermittler auf die Spur eines internationalen Schleppernetzwerks. Mehr als zwei Jahre später präsentieren Polizei und Justiz einen der größten Fahndungserfolge im Bereich der Schlepperei. Die Operation „ANCORA“ führt zu über 130 Festnahmen in mehreren europäischen Ländern. Ermittler gehen von mehr als 100.000 illegal geschleusten Menschen aus.
Flucht im Grenzraum löst Ermittlungen aus
Den Ausgangspunkt bildet eine Schwerpunktkontrolle der steirischen Fremdenpolizei im Dezember 2023 im Grenzraum zu Slowenien. Im Bezirk Leibnitz versucht ein mutmaßliches Schlepperfahrzeug eine Polizeisperre zu durchbrechen. Der Lenker flüchtet mit hoher Geschwindigkeit vor den Einsatzkräften.
Auch abgegebene Schüsse stoppen das Fahrzeug zunächst nicht. Kurz darauf verunfallt der Pkw auf glatter Fahrbahn. Polizisten entdecken im Fahrzeug acht geschleppte Personen aus Syrien. Sie bleiben unverletzt. Der mutmaßliche Schlepper entkommt.
Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Schlepperei entwickeln sich in der Folge zu einem umfangreichen Verfahren der steirischen Fremdenpolizei.
Operation ANCORA nimmt internationale Struktur ins Visier
Die Polizeiinspektion Spielfeld-FGP startet daraufhin die Operation „ANCORA“. Ermittler arbeiten gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt, mehreren Landeskriminalämtern sowie der Staatsanwaltschaft Wien. Internationale Polizeibehörden unterstützen die Ermittlungen. Europol verknüpft zahlreiche Ermittlungsstränge aus mehreren Ländern.
Im Zuge der Strukturermittlungen stoßen Fahnder auf eine international agierende Schlepperorganisation. Das Netzwerk soll mehrere hundert Mitglieder entlang der Südost-Balkanroute umfassen.
Nach bisherigen Erkenntnissen organisiert ein syrischer Clan die Struktur streng hierarchisch. Fünf autonome Teilorganisationen operieren entlang verschiedener Routenabschnitte. Jede Einheit verfügt über bis zu achtzig Fahrer.
Zwischen Herbst 2023 und Mai 2025 schleusen die Täter laut Ermittlern mehr als 100.000 Menschen von der Türkei über Südosteuropa sowie Österreich bis nach Deutschland. Die illegal erzielten Gewinne schätzen Behörden auf über eine Milliarde Euro.
Zugriff in Wien zerschlägt Führungsstruktur
Im Mai 2025 erfolgt ein koordinierter Zugriff in Wien-Ottakring. Ermittler identifizieren einen Handyshop als logistisches Zentrum des Netzwerks.
Rund sechzig Einsatzkräfte der Wiener Polizei nehmen an der Aktion teil. Spezialkräfte von Cobra sowie WEGA sichern den Zugriff ab. Sechs Hauptverdächtige landen auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Wien in Untersuchungshaft in der Justizanstalt Wien-Josefstadt.
Die Männer sind zwischen 25 und 50 Jahre alt. Sie wohnen in Wien oder Budapest. Die Beschuldigten stammen aus Afghanistan, Syrien sowie der Russischen Föderation. Bei Hausdurchsuchungen stellen Ermittler Waffen sowie Suchtmittel sicher. Einige der Verdächtigen zeigen sich teilweise geständig.
Weitere Beteiligte stammen laut Ermittlungen aus Moldau, Rumänien, Georgien sowie der Ukraine. Viele von ihnen sind zwischen 18 und 35 Jahre alt. Die Organisation rekrutiert Fahrer sowie Helfer häufig über soziale Medien.
Tausende Datensätze analysiert
Der Ermittlungsakt der Operation „ANCORA“ wächst in den folgenden Monaten auf rund 14.000 Seiten an. Ermittler führen mehr als 150 Beschuldigtenvernehmungen. Spezialisten werten hunderte Mobiltelefone aus. Mehrere Terabyte digitaler Daten fließen in die Analyse ein.
Die Fahnder identifizieren mehr als 1.000 Fahrzeuge, die für Schleppungen eingesetzt werden. Außerdem klären Ermittler eine tödliche Flucht eines Schlepperfahrzeugs in Kroatien auf. Drei Menschen verlieren dabei ihr Leben. Am Ende der Ermittlungen stehen europaweit mehr als 130 Festnahmen.
Regierung würdigt Ermittlungserfolg
Am 10. März 2026 präsentieren Polizei sowie Justiz die Ergebnisse bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Graz. Innenminister Gerhard Karner würdigt die Arbeit der Einsatzkräfte.
„Der Kampf gegen die illegale Migration ist eine der zentralen Aufgaben der Sicherheitsbehörden. Es geht um den Schutz der Bevölkerung und auch den Schutz der geschleppten Menschen. Daher muss es unser gemeinsamer Ansatz sein, der brutalen und menschenverachtenden Schlepper-Mafia die Geschäftsgrundlage zu entziehen“, so Innenminister Gerhard Karner. „Mein großer Dank gilt auch allen an dieser Erfolgsamtshandlung beteiligten Kolleginnen und Kollegen für die hochprofessionelle und perfekt koordinierte Arbeit.“
Auch Justizministerin Anna Sporrer äußert sich zum Ermittlungserfolg. „Der Erfolg der Operation ‚ANCORA‘ belegt wieder einmal eindrucksvoll die exzellente Arbeit unserer Staatsanwaltschaften als einer der zentralen Pfeiler der Strafverfolgung in Österreich. Nur durch die nahtlose und professionelle Kooperation zwischen Justiz, Polizei und internationalen Partnern wie Europol schaffen wir es, kriminelle Netzwerke grenzüberschreitend zu zerschlagen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.“