Hofers Traum(a) von der Hofburg

Irgendwie erinnern die beiden ein wenig an ein dauerzerstrittenes, altes Ehepaar. Auch, wenn Norbert Hofer im Interview mit uns beteuerte, es sei zwischen ihm und Herbert Kickl alles in Ordnung, so bleiben doch berechtigte Zweifel. Trotz des Konflikts der Alphatiere ist die FPÖ nach dem Ibiza-Albtraum in den Umfragen zurück auf der Überholspur. Es geht wieder Richtung 20 Prozent. Das mag auch der leicht, aber konstant schwächelnden ÖVP geschuldet sein. Schließlich sind die beiden Parteien seit der Ära Sebastian Kurz und dem damit verbundenen Schritt nach rechts so etwas wie kommunizierende Gefäße. Dass der Aufschwung in den Umfragen eher auf den aggressiv auftretenden Herbert Kickl, denn auf den ausgleichenden Hofer, zurückzuführen ist, liegt auf der Hand. Zu sehr ist der polternde Bierzelt-Geist in der DNA der FPÖ verankert – vernünftige Sachpolitik ist da eher störend. Kickls Kampf gegen die Corona-Maßnahmen hat die Reihen geschlossen und die FPÖ wieder auf eine einfache Erfolgsformel zurückgeführt: Wir gegen alle anderen. Der Aufschwung wird den Konflikt zwischen Bundesparteiobmann und Klubobmann allerdings nicht aus der Welt schaffen, sondern eher befeuern.

Exit-Strategie

Es gibt aber einen charmanten Ausweg aus dem Dilemma. Sollte Hofer, wie er durchblicken ließ, tatsächlich noch mal für die Hofburg kandidieren, wäre der Weg für Kickl frei. Und viele in der FPÖ sind davon überzeugt, dass er als Obmann besser zur Partei passt als der amtierende. Hofer hingegen könnte ein fünfjähriges Trauma beenden und sich quasi am zweiten Bildungsweg den Traum von der Hofburg erfüllen.

Autor: Robert Eichenauer, 12.05.2021