Mutig in die neue Rüstungsspirale

Der verwahrloste Zustand der Truppen kann angesichts der Bedrohung durch den Ukraine-Krieg nicht mehr schulterzuckend zur Kenntnis genommen werden.
Autor: Andrea Schröder, 30.03.2022 um 11:50 Uhr

Das Bundesheer bekommt also mehr Geld. Sehr viel mehr sogar, auch wenn sich der Kanzler zunächst nicht auf Zahlen festlegen wollte. 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sind realistisch. Zum neuen „Neutralitätspaket“ gehört laut Insidern neben diesem Posten auch ein Fonds von zehn Milliarden Euro. Diese Summe sei notwendig, um den ärgsten Investitionsstau abzubauen und das Heer halbwegs auf Vordermann zu bringen. 

Abrüstung? Schnee von gestern

Österreich sei beispielsweise komplett "Oben ohne", verfüge also über keine Luftabwehr, heißt es aus  Militärkreisen. Groß ist die Empörung und die Frage steht im Raum: Warum nur hatte man das zugelassen? Ganz einfach: Man ist einer falschen Hoffnung erlegen. Der Hoffnung, dass es im 21. Jahrhundert mitten in Europa nicht notwendig sein würde, irren Despoten die Stirn zu bieten. Denn das Ende des Kalten Krieges hatte auch ein Ende oder zumindest ein Abbremsen des verrückten Wettrüstens nach sich gezogen.

Jubel ist fehl am Platz

Die Bewaffnung bis an die Zähne (auf beiden Seiten) hat die Welt schon einmal an den Rand des Abgrunds geführt. Nun geht es also wieder los. Standing Ovations im deutschen Bundestag, als dort 100 Milliarden für Rüstung locker gemacht werden. Ja, es muss sein, da sind wir uns einig. Diese Entwicklung jubelnd zu begrüßen löst allerdings Kopfschütteln aus.