Historischer Fakt des Monats: das schlimme Jahr 1572

Am Haus der Natur befindet sich eine wenig beachtete alte Inschrift – sie berichtet von drei Katastrophen, die Salzburg vor 450 Jahren heimsuchten.
Autor: Gert Damberger, 27.07.2022 um 10:44 Uhr

Angebracht an der Ostwand des Museums direkt vor dem Kreisverkehr, erinnert die Tafel an ein schlimmes Jahr der Stadtgeschichte. Die etwas schwer zu entziffernde Inschrift berichtet von einem verheerenden Hochwasser am 5. Juli 1572. Nach 70 Stunden Dauerregen hatte die unregulierte Salzach die einzige Stadtbrücke und 13 Häuser weggerissen. Gestiftet wurde die Marmortafel noch im Jahr des Unglücks von dem Salzburger Münzpächter-Brüderpaar Hainrich und Andree Thenn, die „Zu ewiger Gedächtnis der Geschichten diesen Stein haben lassen aufrichten“.

Gerade die Pest überstanden

Die Gedenktafel erwähnt auch das „groß Sterben“, nur wenige Monate zuvor. Zwischen Mai 1571 und Jänner 1572 hatte die Pest gewütet, der 2.236 Menschen zum Opfer gefallen waren – etwa ein Drittel der damaligen Stadtbevölkerung. Auch die massive Teuerung von Korn und Weizen wird beklagt: „das ist gewesen den Armen schwer“.  Zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert hatte die Pest europaweit ein Drittel der Bevölkerung dahingerafft und die Teuerung der Nahrungsmittel war eine Folge von Missernten im Zuge der sogenannten „kleinen Eiszeit“, die zwischen 1570 und 1685 in Europa zu einem Rückgang der Jahresdurchschnittstemperatur um mehr als zwei Grad führte.

„Kleine Eiszeit“ hatte eingesetzt

Verringerte Sonnenaktivität, Vulkanausbrüche aber auch die großflächige Aufgabe der Landwirtschaft in Folge des Bevölkerungsrückgangs nach den Pest-Epidemien waren die mutmaßlichen Treiber dieses Klimaeffekts. Damals wie heute machen Umweltkatastrophen, Krankheiten und wirtschaftliche Verwerfungen die Abhängigkeit des Menschen von der Natur und gleichzeitig seinen Einfluss auf die Umwelt sichtbar.